Angebot nicht ohne Not reduzieren
Hemsbach, 28.10.2017
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28.10.2017 05:00
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Hemsbach. Vorstand und Gemeinderatsfraktion der CDU Hemsbach haben sich in ihren jüngsten Sitzungen einstimmig für die Unterstützung des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Carl-Engler-Realschule ausgesprochen. Für die Gemeinderatsfraktion ist das der logische Schluss aus ihrem Abstimmungsverhalten in der Gemeinderatssitzung vom 10. Juli, in der sie geschlossen gegen die Bildung eines Schulverbundes aus Gemeinschaftsschule und Realschule stimmte, in dem die Realschule spätestens nach fünf Jahren in der Gemeinschaftsschule aufgehen soll.

Realschule tragende Säule

Die Realschule ist eine tragende Säule des Bildungsstandort Hemsbach, heißt es in einer Presseerklärung der CDU. Rund 50 Prozent der Abiturienten in Baden-Württemberg hätten dieses Ziel über die Realschule erreicht, sodass Hemsbach auf diese Schulform auch im Schulzweckverband nicht verzichten könne. Die CDU will ihren Beschluss nicht gegen die Gemeinschaftsschule gerichtet sehen. Diese habe aufgrund eines anderen pädagogischen Konzepts inzwischen ebenfalls ihren Stellenwert und müsse weiter entwickelt werden. Beide Schulformen hätten auch unter Berücksichtigung der Schülerzahlen ihre Existenzberechtigung. Für die CDU Hemsbach ist es nicht zielführend, dass erst in einen angedachten Schulneubau viel Geld investiert wird, um in diesem Neubau anschließend ohne Not das Angebot reduzieren.

Hinsichtlich der zu erwartenden Schülerzahlen verweist sie neben den aktuellen Untersuchungen von Bertelsmann-Stiftung und Statistischem Landesamtes vom Juli 2017, die erst nach der Entscheidung des Gemeinderats veröffentlicht wurden, ferner auf die erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die ebenfalls eine deutliche Steigerung der Bevölkerungszahlen prognostiziert. Die Bertelsmann-Stiftung gehe zwar kurzfristig noch von einem leichten Rückgang der Schülerzahlen aus, mache aber deutlich, dass diese langfristig gegenüber den Vorhersagen von 2013 stark steigen würden.

Bei genauem Hinsehen zeigt sich nach Ansicht der CDU dieser Effekt bereits in den Zahlen, die die Kommunalentwicklung ihrer Untersuchung zu den Schülerzahlen im Bereich des Schulzweckverbandes zugrunde gelegt hat. Gegenüber den 2013 prognostizierten Zahlen fänden sich geringere Schülerzahlen hauptsächlich in den Altersstufen, die zeitnah ihren Schulabschluss erreichen würden. Unter den noch nicht schulpflichtigen Kindern sei dagegen gegenüber den 2013 prognostizierten Zahlen eine deutliche Steigerung erkennbar. „Und das sind genau die Kinder, für die der künftige Neubau eines Schulgebäudes geplant wird“, schreibt die CDU weiter.

Atypische Bevölkerungsentwicklung

Dieser Befund deckte sich auch mit den Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), das gerade für die Ballungszentren in Baden-Württemberg ein überproportionales Bevölkerungswachstum vorhersagt. Erschwerend komme hinzu, dass Hemsbach in den 1970er-Jahren durch sein rasantes Wachstum eine atypische Bevölkerungsentwicklung erlebt habe. Viele der seinerzeit errichteten Gebäude würden nun von jüngeren Familien mit Kindern übernommen. Mit seinen derzeit drei weiterführenden Schulen bietet Hemsbach nach der Überzeugung der örtlichen CDU für solche Familien einen herausragenden Standortvorteil, der mit der Entscheidung für ein Auslaufen der Realschule leichtfertig aufs Spiel gesetzt werde.

Die vermeintlichen Mehrkosten in Höhe von neun Millionen Euro, die der Erhalt der Realschule bei der Planung eines künftigen Schulneubaus nach Auffassung der Verwaltung mit sich bringen würde, hält die CDU nur dann für realistisch, wenn die verschiedenen Schulformen keine Räume gemeinsam nutzen. Davon gehe jedoch nicht einmal die Stadtverwaltung aus, zumal dies insbesondere bei Fachräumen jeglicher Realität im Schulalltag widerspräche. Wie hoch das Einsparpotenzial hier wirklich sei, werde jedoch erst bei der Feinplanung feststellbar sein. Hinzu komme, dass ein Großteil dieser Mehrkosten durch neue Sporthallen entstünden, während die bisherige Beschlusslage tendenziell eher davon ausgehe, dass auch im Falle des Neubaus die alten Sporthallen weiter genutzt werden. Eine abschließende Beschlussfassung hierzu stehe jedoch noch aus.

Beschluss zurücknehmen

Insgesamt sieht die CDU Hemsbach in der Entscheidung vom 10.07.2017 eine fatale Fehlentscheidung für die Fortentwicklung der Stadt. Vorstand und Fraktion der CDU empfehlen dem Gemeinderat und dem Schulzweckverband daher, anstelle eines Bürgerentscheids die bisherigen Beschlüsse aufzuheben und stattdessen die Planung für ein neues, siebenzügiges Bildungszentrum mit allen drei Schularten voranzutreiben. Dadurch würde ein Bürgerentscheid obsolet, Zeit gespart und den Wünschen der derzeitigen Eltern und Lehrer der Realschulkinder sowie eines Großteils der Bevölkerung Rechnung getragen. Auch der von den Bürgermeistern befürchtete Zeitverlust bei den weiteren Planungen ließe sich damit vermeiden.

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