Autofahrer parken Rettungswege zu
Weinheim/Trösel, 13.07.2017
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13.07.2017 06:50
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Weinheim/Trösel. Mona B. ist sauer, stinksauer. „Wer braucht Rettungsgassen wenn man schon am Ausrücken gehindert wird?!“, schreibt sie unter ihren Facebook-Post und stellt dazu ein paar Bilder, die zeigen, warum sie sich so ärgert. Autos, die verbotenerweise direkt vor der Rettungswache der Johanniter Unfallhilfe in Trösel auf einer weißen Zickzack-Linie parken.

Der Vorgang in Trösel ist kein Einzelfall. Das bestätigt Ralf Mittelbach, stellvertretender Kommandant der Weinheimer Feuerwehr und Chef der Abteilung „Stadt“. Wir haben da teilweise Riesen-Probleme – trotz Halteverbotsschildern“, sagt Mittelbach. Sogar direkt vor der Ausfahrt am Feuerwehrzentrum in der Bensheimer Straße haben schon Autobesitzer ihren Wagen geparkt. „Naja, man kann das manchmal schon übersehen, dass das eine Feuerwehr-Ausfahrt ist“, sagt Mittelbach ironisch.

Doch nicht nur vor den Rettungswachen direkt machen die falsch geparkten Autos den Einsatzkräften Probleme. In Weinheim gibt es einige Straßen, die vor allem nach Feierabend, so zugeparkt sind, dass Rettungsfahrzeuge theoretisch keine Chance haben. Die Untere Hauptstraße von der Peterskirche bis zum Rodensteiner Brunnen gehört dazu, sagt Ralf Mittelbach, ebenso wie der Bereich vor dem Supermarkt Rewe in der Grundelbachstraße, der Schlehdornweg in der Weststadt und die Johannisstraße in der Nordstadt und die Münzgasse im Gerberbachviertel. „Oft hören wir dann von Anwohnern: Wir können ja gleich wegfahren. Oder: Schiebt die Autos doch einfach weg“, sagt Mittelbach. Doch so einfach ist das nicht. „Wenn wir ein anderes Fahrzeug beschädigen, muss der Fahrer – als Unfallverursacher am Unfallort bleiben. Außerdem besteht die Gefahr, dass wir mit unserem Auto zum Beispiel mit einem Trittbrett so hängenbleiben, dass nichts mehr vorwärtsgeht. Damit würden wir auch die nachfolgenden Rettungskräfte blockieren“, sagt Mittelbach.

Zwar besitzt die Weinheimer Feuerwehr ein extrakleines Einsatzfahrzeug, das zum Beispiel auch dort eingesetzt wird, wo es per se schon eng ist. Also beispielsweise in der Domhofgasse oder im Gerberbachviertel.

Besonders dramatisch: Gerade in den Abendstunden, nach Feierabend, ist die Parksituation besonder chaotisch. „Gleichzeitig passieren statistisch gesehen die meisten schlimmen Brände, bei denen es um Leben und Tod geht, zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr früh“, sagt Feuerwehr-Mann Mittelbach. Besonders prekär ist die Lage in Altstadtvierteln, wo früher viele Menschen mit nur wenigen Autos lebten. „Heute hat fast jeder ein Auto“, sagt Mittelbach. Doch von Feuerwehrseite gibt es auch Kritik an Neubauvierteln. „Meist gibt es eine große Straße – und von dieser gehen kleine Stichstraßen ab“, so der Kommandant.

Mona B. schildert die Situation noch drastischer: „Wie soll man die Not von anderen abwenden, wenn es so egoistische und selbstsüchtige Menschen gibt, die immer wieder Fahrzeuge von jeglichen Hilfsorganisationen zuparken und behindern? Das passiert allein auf unserer Rettungswache wöchentlich und wenn man die „Falschparker“ darauf anspricht, wird man auch noch beleidigt“, schreibt sie weiter.

Doch zugeparkte Rettungswege sind nicht das einzige Problem. „Viele Autofahrer sind verunsichert, wie sich sich richtig verhalten sollen, wenn hinter ihnen ein Rettungsfahrzeug kommt“, sagt Ralf Mittelbach. „Besonders schwierig ist es an den Stellen, an denen es nicht möglich ist, einfach rechts ranzufahren. Zum Beispiel auf der B3 Höhe Marktkauf“, sagt Mittelbach. Häufig würden die Autofahrer dann eine Vollbremsung hinlegen und den Warnblinker einschalten. „Aber das bringt uns gar nichts, denn dann müssen wir auch anhalten und erst einmal warten, bis kein Gegenverkehr kommt, damit wir überholen können“, so der Feuerwehr-Chef. Auch an Kreuzungen herrscht häufig Verunsicherung. „Besonders dort, wo es Rotlicht-Blitzer gibt, wie am Händelknoten, trauen sich die Autofahrer nicht, weiterzufahren.“ Doch die Sorge ist unbegründet, sagt Anne Baas vom Polizeipräsidium Mannheim. „Wer in einer solchen Situation geblitzt wird und tatsächlich einen Strafzettel bekommt, der kann den Vorgang schildern. Anhand der Einsatzdaten der Rettungsdienste können wir dann nachvollziehen, ob hier tatsächlich ein Rotlicht-Verstoß vorliegt.“ vrm

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