Bahn zahlt Brückenbau zu 100 Prozent
Weinheim, 15.11.2017
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15.11.2017 05:00
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Weinheim. „Mir platzt wieder mal der Kragen“, schreibt der Sprecher der Weinheimer Landwirte, Fritz Pfrang, in einer E-Mail an seine Kollegen. Der Grund für seinen Ärger: Die neue Ersatzbrücke am Langmaasweg wird deutlich teurer als geplant. Wie berichtet soll der Gemeinderat auf seiner Sitzung am Mittwoch die Mehrkosten absegnen. 1,52 Millionen Euro hat die Brücke, errichtet als reine Fußgänger- und Radfahrbrücke, demnach gekostet. Was Pfrang so in Rage versetzt: „Wir Landwirte hatten damals eine Brücke gefordert, die wir mit unserem landwirtschaftlichen Geräten auch nutzen können. Doch damals hieß es, das sei zu teuer. Und jetzt das!“

Stadt zahlt nur 500 000 Euro

Was allerdings aus der Sitzungsvorlage nicht so explizit klar wird: Die Kosten für die Langmaasbrücke trägt nicht die Stadt, sondern zu 100 Prozent die Bahn. Die Stadt Weinheim muss lediglich eine Ausgleichszahlung von 500 000 Euro leisten. Diese erhöht sich trotz der gestiegenen Baukosten nicht, sagt Weinheims Pressesprecher Roland Kern.

Warum der Gemeinderat trotzdem darüber entscheiden muss? „Mit der Bahn wurde vereinbart, dass die Stadt das Geld für den Brückenbau vorstreckt. Da die entsprechenden Mittel im Haushalt zur Verfügung gestellt werden, muss der Gemeinderat zustimmen“, so Kern.

2019 oder 2020 – so ganz habe sich die Bahn „noch nicht festgelegt“, soll die Stadt ihr Geld dann bekommen. Zinsen zahlt die Deutsche Bahn für die 1,52 Millionen Euro Vorschuss aus der Stadtkasse jedoch nicht. Das sei in der Vereinbarung nicht vorgesehen, heißt es. Rückblick: Am 15. Januar 2014 hatte der Weinheimer Gemeinderat kontrovers über die Möglichkeiten diskutiert, wie der Ersatz für die alte Langmaasbrücke aussehen könnte. Neben der inzwischen realisierten Lösung einer Rad- und Fußgängerbrücke, hatte die CDU damals eine „abgespeckte“ Version ins Spiel gebracht: Eine einspurige Brücke, die zumindest von „kleineren landwirtschaftlichen Fahrzeugen“ genutzt werden könnte. Der damalige Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Bernhardt wiegelte 2014 jedoch ab. Die Kosten wären nur unwesentlich niedriger, betonte er.

Die „große Lösung“, also eine vollwertige Brücke, sei zu teuer, hieß es. Damals war von einem städtischen Kostenanteil von rund 1,5 Millionen Euro für eine vollwertige Brücke die Rede.

„Die große Lösung war damals politisch nicht gewünscht worden, weil die Gemeinderäte nicht wollten, dass der Steuerzahler – von dem das Geld ja am Ende kommt – zu sehr belastet wird“, sagt Kern.

Am 27. April dieses Jahres war die neue Langmaasbrücke feierlich eröffnet worden. Oberbürgermeister Heiner Bernhard und Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner radelten höchstpersönlich, begleitet von Stadträten, über das neue Bauwerk in der Nordstadt, das von der Mevlana-Moschee zu einem der Freudenberg-Parkplätze führt. vmr

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