Befürchtungen bestätigt
04.11.2017
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04.11.2017 04:00
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Thema: Helmut Schmidts Warnungen

Kanzler Helmut Schmidt beunruhigten düstere Zukunftsaussichten. Die globalen Treibhausgasemissionen hatten bereits einen Umfang von 18 Milliarden Tonnen jährlich erreicht, die Hälfte des heutigen Ausstoßes von 35 Milliarden Tonnen. Im Mai 1979 warnte der Regierungschef: „Die Verbrennung jeder Art von Kohlenwasserstoff führt zu einer gefährlichen Aufheizung des Erdballs mit verheerenden Folgen für das Klima. Wir kriegen Hungerkatastrophen, die alles in den Schatten stellen, was wir in Afrika schon erlebt haben.

Künftige Verteilungskämpfe um Energieressourcen werden die Entwicklungsländer noch mehr benachteiligen.“ Wer heute auf Kohlekraft setze, müsse wissen, dass morgen Menschen Angst haben werden, dass ihre Kinder keine Luft mehr kriegen. Deshalb plante Schmidt, alle großen Industrieländer in eine globale Strategie des Ausbaus der CO2-freien Kernenergie einzubinden. Sie scheiterte an den Gegnern in seiner eigenen Partei.

Heute, fast 40 Jahre später, bestätigen die Weltklimaberichte der Vereinten Nationen die schlimmsten Befürchtungen des Kanzlers: Klimawandel ist bedrohlicher und früher als erwartet. Klimaexperte und Physiker Schellnhuber warnt vor einer Selbstverbrennung des Planeten, sein Kollege Levermann hält den Eintritt in eine Heißzeit mit einer globalen Erwärmung bis zu 5 Grad für unausweichlich, falls eine drastische Senkung der weltweiten Treibhausgasemissionen ausbleibt. Doch die ist auch nach der Weltklimakonferenz von Paris Ende 2015 nicht in Sicht, kritisierte Klimaforscher Mojib Latif.

Die 195 Unterzeichnerstaaten einigten sich lediglich auf freiwillige Absichtserklärungen. China, so Latif, unterschrieb nur, weil das Abkommen dem mit 10 Milliarden Tonnen Treibhausgasemissionen weltweit größten Klimaschädiger erlaubt, seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 ohne jegliche bindende Obergrenze zu steigern. Das ist kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein Wirtschaftswachstumsbeschleuniger für China.

Und warum finanzieren trotz Paris mit deutschen Krediten in Höhe von 730 Millionen Euro an einen Duisburger Konzern ein neues Braunkohlekraftwerk in Ptolemaida, im sonnenreichen Norden Griechenlands – während Kindern lebensnotwendige Medikamente fehlen, weil Auflagen der Euro-Hüter das griechische Gesundheitswesen kaputtsparten.

Thomas Wyrwoll, Weinheim

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