Begegnung von Tradition und Moderne
Weinheim, 27.12.2016
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27.12.2016 05:00
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Weinheim. Seine Biografie ist so spannend wie ein guter Roman. Der Schriftsteller und Geschichtenerzähler Salim Alafenisch wurde 1948 in Negev/Israel als Sohn eines Beduinen-Scheichs geboren. Nach einer Kindheit als Kamelhirte lernte er erst mit 14 Jahren lesen und schreiben und ging in Nazareth auf das Gymnasium. In London und Heidelberg studierte er Soziologie, Ethnologie und Psychologie. Alafenisch lebt heute als freier Schriftsteller und Geschichtenerzähler in Heidelberg.

Der 68-jährige Autor bildet im Juni 2017 das sogenannte „Bibliografische Highlight“ des „StadtLesen“ in Weinheim – es ist die zweite Veranstaltung dieser Art nach der Premiere im Herbst 2015. Das schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. Im September hat Weinheim erneut den Zuschlag bekommen

Themen aus seinem Leben

Alafenischs bekanntesten Bücher sind „Der Weihrauchhändler“ aus dem Jahr 1988, „Das Kamel mit dem Nasenring“ (1990) und die „Feuerprobe“ von 2007. Seine Themen stammen aus seiner eigenen Erfahrung und seiner Lebensgeschichte. Er schreibt über das Aufeinandertreffen von Moderne und Tradition sowie über das Alltagsleben der Nomaden in der Gegenwart. Dabei schöpft er aus einer reichen mündlichen Erzähltradition, die er als Kind im Zelt seines Vaters oder am nächtlichen Lagerfeuer der Beduinen kennengelernt hat. Als seine literarischen Vorbilder im deutschsprachigen Raum nennt er übrigens Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse und Thomas Mann.

Im Juni 2017 wird Weinheim also erneut die Lesehauptstadt Deutschlands sein. Die große Lesebühne „StadtLesen“ wird dann in Weinheim Station einlegen und diesmal auf dem Windeckplatz in der Fußgängerzone an vier Tagen – vom Donnerstag, 1. bis Sonntag, 4. Juni - ein Lesedorf aufbauen; mit 3000 Büchern, einer Bühne und gemütlichen Sitzpolstern. Im Oktober 2015 fand die Veranstaltung erstmals im Sparkassen-Atrium statt. Damals waren die Organisatoren der in Österreich ansässigen „Innovationswerkstatt“ vom Leseort Weinheim schwer begeistert.

Die Stadtbibliothek hatte ein Programm auf die Beine gestellt, das fast nonstop ging. Weinheims Leseratten, von der KiTa-Gruppe bis hin zum Profi-Autor, nahmen Bücher in die Hand - und legten für die Reihe „Stadtlesen“ die Messlatte ganz nach oben. Im Mittelpunkt stand damals eine Doppel-Lesung mit den Schriftstellerinnen Gaby Hauptmann und Ingrid Noll, die gerne ein „Heimspiel“ gestaltete. Die vier Tage Marathon-Lesen kamen so gut an, dass die Innovationswerkstatt schon damals den Wunsch äußerte, nach Weinheim zurückzukehren. Der Windeckplatz unter den Augen von Bas Gret und Vetter Philpp liegt noch zentraler als das Atrium. So ist es bei Stadtlesen gewünscht.

Die Vorbereitungen, wieder federführend von der Stadtbibliothek betreut, laufen jetzt an. Denn klar ist, Weinheim will sich an diesen Tagen kurz vor Pfingsten wieder von der besten Seite zeigen. So beginnt das „StadtLesen“ am Donnerstag, 4. Juni, mit dem bibliophilen Leckerbissen, Das sogenannte „Bibliophile Highlight“ ist eine hochrangig besetzte Autorenlesung – wie diesmal mit Salim Alafenisch.

Der Eintritt ist wie die ganze „StadtLesen“-Zeit hindurch frei. Im Moment erarbeitet die Bibliothek gemeinsam mit der „Innovationswerkstatt“, die bundesweit (sowie in der Schweiz, Österreich und Italien) durch die „LeseStädte“ tourt einen ersten Programmentwurf. Fest steht, dass ein Tag zum „Integrationslesetag“ mit mehrsprachigen Lesungen ausgerufen wird.

Das Programm, das täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geht, kann noch Unterstützung und weitere Mitwirkende vertragen, die Organisatoren der Weinheimer Bibliothek denken dabei vor allem an Schulklassen und Kindergärten, Gruppen und Vereine, aber auch Theatergruppen, andere Kulturschaffende und regionale Literaten, die ihre Bühne bekommen können. Die Palette ist sehr groß, man kann etwas vorlesen, spielerisch darstellen oder rezitieren, man kann ein Schreibprojekt initiieren oder etwas völlig Neues erfinden – im Mittelpunkt steht die Literatur.

Wer also Interesse hat, sich mit Ideen und Projekten bei „Stadtlesen“ in Weinheim einzubringen, kann sich gerne mit der Weinheimer Stadtbibliothek in Verbindung setzen: Telefon 06201/90 56 10, E-Mail: st.koch@weinheim.de

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