Blitzeis: Die ganze Stadt - spiegelglatt 
Weinheim, 05.01.2017
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05.01.2017 09:00
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Leserbrief
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Weinheim. Es ist der absolute Albtraum: Ein medizinischer Notfall, der Rettungswagen kommt und dann geht nichts mehr. Festgefahren, bei spiegelglatter Fahrbahn und das mitten in der Nacht. Genau dieses Szenario hat sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Weinheim „Am Schloßberg“ ereignet. Um 3:50 Uhr suchte die Besatzung eines Rettungswagens Hilfe bei der Feuerwehr, der Wagen saß fest. Was dann folgte, haben die Einsatzkräfte selten erlebt. Ralf Mittelbach, Abteilungskommandant der Abteilung Stadt, erzählt am nächsten Morgen: „Die Straßen waren so spiegelglatt, wie die Eisbahn am Atrium.“

Erste Probleme hatten die Wehrleute schon kurz nach der Alarmierung zu Hause. Zumindest jene Autobesitzer, die keine Garage haben. Die Privatautos, mit denen die Helfer erst mal zur Zentrale kommen müssen, waren zentimeterdick mit Eis bedeckt, die Türen zugefroren. Und das, obwohl manchmal jede Minute zählen kann. Stress pur. Die Autofahrten waren die reinste Rutschpartie, auch wer zu Fuß unterwegs war, musste gut aufpassen. 

„Wir haben versucht, mit einem Fahrzeug zu dem Rettungswagen zu kommen, aber es war einfach zu glatt“, erzählt Mittelbach. Zwar haben die Wehrleute immer Streusalz dabei und hätten den Wagen wohl direkt vor Ort auch los bekommen, aber „wir haben natürlich nur Salz in handelsüblichen Mengen und schnell gemerkt, dass wir da nichts ausrichten können. Der Wagen hätte ja auch noch weiter gemusst“.

Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass im Rettungswagen kein Patient liegt, der dringend in eine Klinik gebracht werden muss. „Trotzdem ist das für den Rettungsdienst natürlich ein riesen Problem“, sagt Mittelbach. Schließlich fehle der Wagen möglicherweise an einer anderen Einsatzstelle. 

Als den Wehrleuten klar wurde, dass sie nicht helfen können, alarmierten sie umgehend den Winterdienst der Stadt Weinheim. Der ist zwar nicht rund um die Uhr im Einsatz, aber bei eisigen Temperaturen permanent in Bereitschaft: ab vier Uhr morgens drehen im Wechsel die Einsatzleiter des Bauhofs in der Stadt und in den Odenwald-Stadtteilen ihre Kontrollrunden, sagt die Stadt. Bei Eis oder Schnee setzen sie eine Telefonkette in Gang, dann legt der Winterdienst los. Im Notfall  - wie in der Nacht geschehen - aber natürlich auch auf Abruf. 

Die Stadt appelliert aber auch an die Bürger: Damit der Winterdienst die Straßen ordentlich befahren und bestreuen kann, sind alle gefragt. Im Halteverbot sowie in Wendekreisen geparkte Fahrzeuge, machen dem Trupp die Arbeit oft schwer und wenn Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr behindert werden kann es lebensbedrohlich werden. 

Für die Feuerwehr sind solche extremen Wetterlagen ohnehin nicht einfach zu meistern. „Wir haben Allwetterreifen auf den Fahrzeugen, damit kommen wir schon recht weit, aber auch nicht durch jeden Schnee und über jedes Eis“, sagt Mittelbach und ist froh, dass der Bauhof in Weinheim so schnell reagiert hat. Der ist auch weiter gerüstet und genug Salz ist auch vorhanden. Über 100 Tonnen Streusalz lagern aktuell in Weinheim. Und das ist auch gut so, denn in den kommenden zwei Nächten soll es wieder ganz schön frostig werden.  

Insgesamt haben aufgrund der glatten Straßen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag  im gesamten Rhein-Neckar-Kreis 15 Unfälle ereignet. In Weinheim kam es zu einem Unfall. In den meisten Fällen gelang es den Unfallverursachern nicht rechtzeitig zu bremsen, so dass sie auf glatter Straße weiterrutschten und auf ihren Vordermann auffuhren, heißt es von Seiten der Polizei. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Tausend Euro. Glücklicherweise gab es keine Verletzten.  shy

Fakten:

Insgesamt waren in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Weinheim elf Räumfahrzeuge  mit der vollen Bauhof-Besatzung, also über 70 Mitarbeitern, im Einsatz.. Im Sommer sind jene 70 Mann übrigens als Gärtner, Straßenbauer, Straßenreiniger, Bademeister oder Sportplatzwart beschäftigt. 

Legt der Winterdienst los, werden nach einem Prioritätenplan die Weinheimer Straßen geräumt und gestreut, so dass bis 7 Uhr die Menschen möglichst ohne Probleme an ihren Arbeitsplatz fahren können, schreibt die Stadt Weinheim in einer aktuellen Pressemitteilung.

Zu den elf Räumfahrzeugen kommen dann noch rund 20 Kleinfahrzeuge für die Mitarbeiter, die mit dem Besen die öffentlichen Wege auf Brücken oder auch im Schlosspark freiräumen.

Ein Problem besteht bei Gehwegen vor Häusern, denn hier ist der jeweilige Immobilienbesitzer zuständig. In der Praxis kommen viele Besitzer der Räum- und Streupflicht – die übrigens in einer Satzung verpflichtend geregelt ist – allerdings nicht ordnungsgemäß nach.

Neben einigen Steilstrecken in den Ortsteilen haben die Bauhofmitarbeiter übrigens besonders die Dürrestraße im Blick. Während andere Kommunen oft Fremdfirmen beauftragen müssen, „kennen unsere Leute jeden Zentimeter im Stadtgebiet“, sagt Rainer Rettig, Leiter des Weinheimer Bauhofes.

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