Bock: „Damit sie sich nicht absprechen können“
Weinheim/Mannheim, 14.11.2017
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14.11.2017 07:00
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Weinheim/Mannheim. Der Prozess um die jungen Männer, die im März einen damals 28-Jährigen in der Linie 5 in Weinheim geschlagen und gegen den Kopf getreten haben, nachdem er einer jungen Frau zu Hilfe geeilt war, stößt auf großes Interesse (wir haben berichtet).

Mit Unverständnis reagierten aber gleich mehrere Leser auf unserer wnoz-Facebook-Seite auf die Tatsache, dass der zweite Prozesstag erst mit Verspätung starten konnte, weil ein Gefangenentransport wegen des Wintereinbruchs im Verkehrschaos stecken geblieben war. „War in Mannheim so viel Schnee oder warum blieb der Transport stecken? Oder werden die Gefangenen etwa jeden Tag von ihrem Knast hin und zurück gefahren?“, fragte Wolf-Rüdiger H. in einem Kommentar nach. Auch Claudia L. fragte: „Wo lag hier denn so viel Schnee, dass ein Gefangenentransport stecken bleiben kann?“

Tatsächlich lag in Mannheim am Montag nicht ein Flöckchen Schnee, aber vier der insgesamt sechs Angeklagten, die sich wegen Raub und gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen, befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Einer in Mannheim, einer in Freiburg, einer in Adelsheim und – zumindest bis vergangenen Montag – auch einer in Ravensburg. Insgesamt sind es über 300 Kilometer von Ravensburg nach Mannheim, ein Teil der Strecke führt entlang der Schwäbischen Alb, eine Region, in der am Montagmorgen tatsächlich der Winter Einzug gehalten hatte. Zahlreiche Unfälle auf der Strecke kamen erschwerend hinzu. Auch unabhängig vom Wetter sind 300 Kilometer einfach Strecke aber ziemlich weit, um einen Beschuldigten zu insgesamt 15 Verhandlungstagen zum Prozess nach Mannheim hin und anschließend wieder zurück ins Gefängnis nach Ravensburg zu fahren. Aus diesem Grund hatte der Vorsitzende Richter Joachim Bock bereits vergangene Woche die Verlegung des jungen Mannes in ein räumlich näheres Gefängnis veranlasst. „Das hat so kurzfristig aber nicht geklappt“, erklärte Bock auf Nachfrage am Telefon. Schließlich müssen nicht nur der Transport, sondern auch eine solche Verlegung erst organisiert werden.

Seit Montag ist der junge Mann aber nun nicht mehr in Ravensburg untergebracht. Bleibt die Frage, warum die vier Männer überhaupt in unterschiedlichen Gefängnissen untergebracht sind. „Wäre es nicht billiger, die Männer alle vor Ort unterzubringen, so lange der Prozess läuft?“, fragte sich auch einer unserer Leser.

Die Antwort: Unabhängig von diesem Prozess ist es üblich, Beschuldigte eines Verfahrens getrennt unterzubringen. Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: „Damit sie sich nicht absprechen können“, erklärt Bock. shy

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