Das Ziel: den Kontakt intensivieren
Kreis Bergstraße, 11.11.2017
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11.11.2017 05:00
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Kreis Bergstraße. Was im vergangenen Jahr im Landratsamt begann, fand jetzt seine Fortsetzung bei der Kreishandwerkerschaft Bergstraße in Bensheim: Das jährliche Treffen zwischen Handwerk und Verwaltung mit dem Ziel, die Kontakte zwischen Städten und Gemeinden des Kreises und dem Bergsträßer Handwerk weiter zu intensivieren. Als „Wirtschaftsmacht von nebenan“, so ein aktueller Slogan, kommt dem Handwerk eine bedeutende Rolle für die gesamte Volkswirtschaft zu – und das auch vor Ort in den Städten und Gemeinden.

Kreishandwerksmeister Jörg Leinekugel und Landrat Christian Engelhardt machten deutlich, dass das Zusammenspiel von den öffentlichen Auftraggebern und den Betrieben vor Ort hervorragend gelinge. Wenn es an einer Stelle „klemmt“, dann daran, dass momentan eine enorme Nachfrage auf dem Baumarkt herrsche. Oftmals könne dieser gar nicht nachgekommen werden. Fachkräftemangel und fehlender Nachwuchs bereiten den Handwerksbetrieben Sorge.

Dr. Christof Riess, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, benannte dazu eine Ursache: Mittlerweile streben 60 Prozent nach Abschluss der Schule eine akademische Ausbildung an. Die Runde diskutierte das Thema „Nachwuchsgewinnung“ aus praktischem und gesellschaftspolitischem Blickwinkel. Das Handwerk konkurriert nicht nur mit den Angeboten der Hochschulen, sondern auch mit den Industriebetrieben, die oftmals zu attraktiveren Bedingungen ausbilden.

Handwerk ist Hightech

Handwerksobermeister und kommunale Vertreter waren sich einig, dass mehr Werbung für Handwerksberufe notwendig sei. Handwerk bedeute heute Hightech. Das in Betrieb nehmen einer Heizung sei weitaus mehr, als nur einen Kessel zu montieren. „Das Abitur ist eine Studienberechtigung und keine Studienverpflichtung“, so Riess, der auf die Vorteile einer dualen Ausbildung aufmerksam machte. Dass „Handwerk goldenen Boden hat“ ist eine Weisheit, die jungen Menschen wieder stärker vermittelt werden muss, nicht zuletzt im Elternhaus und in der Schule.

In dieser Situation kommt der Zuwanderung junger und älterer Menschen ein besonderer Stellenwert bei. Die Beschäftigung motivierter und arbeitswilliger Nachwuchskräfte aus Flüchtlingsländern sei Chance und Herausforderung zugleich. Wenn im kommenden Jahr rund 6000 Flüchtlinge mit dem Sprachniveau „B 1“ auf den Arbeitsmarkt drängen, bedeute jedes Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis eine beiderseitige Herausforderung. Landrat Christian Engelhardt zeigte die gesellschaftliche Komponente auf: „Arbeit zu haben, bedeutet, ein unabhängiges und eigenes Leben führen zu können. Damit werden soziale Konflikte vermieden.“

Das im kommunalen Jobcenter Neue Wege genutzte Profiling führe zu guten Ergebnissen. Eine Betreuung sollte nach Vertragsabschluss gewährleistet sein, und zwar für beide Seiten. Für die Innungsbetriebe wäre es vorteilhaft, mehr über die Werte und Arbeitsvorstellungen anderer Kulturen zu erfahren. Hier können beispielsweise Integrationslotsen gute Dienste leisten. Wichtig sei aber auch eine intensive Begleitung der Migranten im Berufs- und Ausbildungsleben. Aus der Praxis erfolgte der Hinweis, dass nicht nur Deutschkenntnisse als Schlüssel zur Gesellschaft enorm wichtig sind, sondern auch das Erlernen der Fachsprache.

300 000 Dieselfahrzeuge in Hessen

Ein Thema ganz anderer Art führte zu lebhaften Diskussionen: Der Diesel ist nicht nur liebstes Kind der Handwerksbetriebe, sondern auch das einzige. Tatsächlich verfügen die 75 000 Unternehmen in Hessen über die stolze Flotte von 300 000 Dieselfahrzeugen. Alternative Antriebe, etwa durch Elektro oder Wasserstoff, sind in geeigneter Menge bislang nicht in Sicht.

Hinzu kommt, dass Handwerker nicht nur auf Mobilität angewiesen sind, sondern ihre Fahrzeuge auch lange behalten. Bei durchschnittlich 10 000 Kilometern Fahrleistung im Jahr kann ein Pkw oder Lkw gerne über zehn Jahre seinen Dienst verrichten. Der Gesprächsrunde war klar, dass die weitere Haltung zum Thema „Diesel“ von der kommenden Bundesregierung vorgegeben werde.

Landrat und Handwerk stimmten im Hinblick auf drohende Fahrverbote für Innenstädte überein, dass gute Übergangslösungen und Ausnahmevorschriften für Handwerkerfahrzeuge im Kundenverkehr unerlässlich sind.

Genutzt wurde der Austausch auch, um Einzelfragen in großer Runde zu beleuchten. Die Zusammenarbeit mit der Kreisbaubehörde kam ebenso zur Sprache, wie das Zusammenlegen von Berufsschulen. Zu letzterem Thema bestand Übereinstimmung, dass Berufsschulen dezentral in den Flächen zu erhalten sind, mit Ausnahme der Splitterberufe, ansonsten „sterbe die Ausbildung aus“.

„Probleme erkannt – im Dialog bleiben“ – so fasste Geschäftsführer Dietmar Schott das Treffen zusammen. Dieses wird dann im kommenden Jahr beim Kreis Bergstraße neu aufgelegt.

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11.11.2017 05:00
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