Die Katastrophe „Am Weißen Stein“
Schriesheim, 13.11.2017
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13.11.2017 04:45
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Schriesheim. Es ist fast auf den Tag genau 80 Jahre her: Im Schriesheimer Wald kommt es am 12. November 1937 zu einem katastrophalen Flugzeugunglück. Eine aus Berlin stammende Heinkel-Maschine der Deutschen Lufthansa zerschellt am Weißen Stein. Zehn Menschen sterben, zwei überleben wie durch ein Wunder. Bis vor fünf Jahren ist über den Vorfall in der Weinstadt kaum etwas bekannt. Es ist der Leiter des örtlichen Stadtarchivs, Dr. Dirk Hecht, der 2012 im Rahmen seiner Recherchen für das Schriesheimer Jahrbuch fast zufällig in der Neckar-Bergstraßen-Post über eine kleine Meldung zum Ereignis stößt.

Die Recherche gestaltet sich schwierig für den Historiker. Erst im Lufthansa-Archiv wird er fündig. Bei dem Flugzeugtyp handelt es sich um eine Heinkel (He) 111 Axav. Von diesem Typ werden lediglich zwölf gebaut, und das auch nur als Deckmantel für die anfangs noch illegale Aufrüstung der Luftwaffe, sind dem Deutschen Reich im Versailler Vertrag 1919 doch Luftstreitkräfte verboten worden.

Doch das Flugzeug, um das es im vorliegenden Fall geht, ist eine der besagten zwölf zivilen Maschinen und trägt den Namen „Köln“. Gesteuert wird es am Unglückstag von dem 33-jährigen Flugzeugführer Friedrich G. und seinem 38-jährigen Funkermaschinisten Jakob T. Um 15.03 Uhr hebt sie in Berlin zu ihrem Flug nach Mannheim ab. Nach Erfurt verschlechtert sich die Sicht, liegt bei gerade einmal 200 Metern.

Aufgrund dieser schlechten Sicht und einer falschen Positionsbestimmung rast die Maschine gegen 17 Uhr mit ihrer vollen Geschwindigkeit von 430 Stundenkilometern in den Hang des Weißen Steins. Die Passagiere werden durch den Aufprall aus ihren Sitzen gerissen. Der Rumpf der Maschine wird hinter der Kabine geknickt, die Kanzel völlig zerstört. Nur die beiden Männer, die in der Maschine ganz hinten im Raucherbereich sitzen, überleben schwer verletzt.

Laut den Recherchen von Hecht ist dieses Unglück damit das bis dahin drittgrößte in der deutschen Luftfahrtgeschichte. -tin

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