Durchsage an Haltestelle sorgt für Verwirrung
Heidelberg, 30.01.2017
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30.01.2017 06:00
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Heidelberg. Sonntagabend, 19 Uhr, Straßenbahnhaltestelle Heidelberg Hauptbahnhof. Eine Lautsprecherdurchsage lässt Wartende aufhorchen: Die Polizei Heidelberg weist darauf hin, dass es dringend angeraten sei, sich nach dem Kontakt mit einem Eritreer schnellstmöglich die Hände zu waschen. Der Mann wird ausführlich beschrieben. Unter anderem mit „milchkaffeebrauner Haut“, aber auch welche Anziehsachen er genau trägt, sagt eine Stimme durch. Sein Geburtsdatum wird ebenfalls öffentlich genannt. 

Was klingt wie ein böser Scherz, wird gleich noch mal wiederholt. Erneut per Lautsprecher. 

Was war denn da los? Die Polizeipressestelle ist am Montagvormittag  für einen kurzen Moment überfragt, kann aber schon mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es nicht die Polizei war, die eine solche Durchsage gemacht hat. Ein paar Anrufe später hat Pressesprecher Norbert Schätzle Licht in die Angelegenheit gebracht. Die ursprüngliche Meldung stammte tatsächlich von der Polizei. „Das war eine ganz klassische Suchmeldung, davon haben wir sicher 500 im Jahr“, seufzt Schätzle. Gesucht wurde auch tatsächlich ein Mann aus Eritrea. „Solche Suchmeldungen geben wir standardmäßig an die Verkehrsbetriebe weiter, die informieren dann ihr Personal. Das ist ganz normal“, erklärt der Pressesprecher. 
Im diesem Falle sollte es ebenso geschehen. Die Meldung ging an die RNV, irgendjemand machte eine Durchsage für das Fahrpersonal. Unglücklicherweise erwischte er aber dafür den falschen Knopf und so wurde auch gleich noch die gesamte Öffentlichkeit informiert. Zumindest jene Öffentlichkeit, die sich in Heidelberg, gegen 19 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof aufhielt. Und die blieb mit der Durchsage entsprechend ratlos zurück. Kurze Zeit später macht die Geschichte auf Facebook die Runde. 

Einige Menschen ärgern sich dort, wittern rassistische Motive hinter der Durchsage. Andere äußern  Ängste, ob hier jemand eine ansteckende Krankheit  habe. 

In der Pressestelle der RNV ist man Montagmittag geknickt. „Das sollte natürlich nicht an die Öffentlickeit, das ist wirklich unglücklich gelaufen“, sagt Pressesprecherin Sandra Kettler. Sie bestätigt aber auch das, was schon die Polizei sagte: „Dass die Verkehrsbetriebe grundsätzlich von der Polizei informiert werden, wenn eine Person gesucht wird. Allein schon deshalb, weil unsere Mitarbeiter viel unterwegs sind, viele Menschen sehen.“ 

Aber was ist denn nun mit besagtem Mann aus Eritrea? Auch das konnte Norbert Schätzle schließlich beantworten. Der war nämlich um 19 Uhr, als die verhängnisvolle Lautsprecherdurchsage gemacht wurde, schon längst nicht mehr unterwegs, sondern in einer Klinik. Er sei gegen Nachmittag in einem Bus der Linie 31 in Heidelberg umgefallen, der Fahrer hatte den Notarzt gerufen, der Mann ist versorgt.  Und besteht nun Gefahr für die Bevölkerung? „Nein“, sagt Schätzle. „Das mag schon sein, dass der Mann irgendetwas Ansteckendes hat, aber wie gesagt, er wird behandelt. Und es kann auch völlig harmlos sein. Sie können jedenfalls ganz sicher sein: Wenn es irgendetwas Schlimmes wäre, wird sofort das Gesundheitsamt informiert und dann auch die Bevölkerung“. 

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30.01.2017 06:00
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