Genau am richtigen Platz
09.02.2017
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09.02.2017 05:00
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Leserbrief
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Leserbrief: Unpassende Kritik

WN/OZ vom 28. Januar

Auch ich würde mich als „normal denkende Bürgerin“ bezeichnen und komme dennoch zu anderen Einschätzungen als Herr Höcke und Frau Schmitt in ihrem Leserbrief. Das Holocaust-Mahnmal verstehe ich als eine Erinnerung an die menschlichen Ungeheuerlichkeiten von beispiellosem Ausmaß, die unser Land im letzten Jahrhundert in die Welt gebracht hat. Zugleich ist es Ausdruck unseres erklärten Willens, uns dem, was passiert ist, zu stellen – eine Auseinandersetzung mit Versuchen von Wiedergutmachung (soweit das überhaupt geht) und vor allem mit dem Ziel, dass so etwas nie wieder geschieht. Ich finde, es steht genau am richtigen Platz, in der Mitte unserer Hauptstadt. Dort wurden während des Nationalsozialismus die verheerenden Entscheidungen getroffen. Heute erfährt das wiedervereinigte Berlin großes internationales Interesse. Genau dort gehört das Denkmal hin, so massiv und so schwarz, als Erinnerung für uns und als Zeichen an die vielen ausländischen Besucher.

Ich stimme Frau Schmitt zu, dass unser „Nationalgefühl“ krankt. Aber was ist daran so schlimm? Eine solche Katastrophe, wie sie das Dritte Reich über die Welt gebracht hat, braucht ein Innehalten, ein Insichgehen, ein Neusortieren. Noch immer leiden Menschen an den Folgen der national-sozialistischen Politik, so ist dies auch noch immer Teil unserer Gegenwart. Dennoch haben wir vieles auf den Weg gebracht, auf das wir stolz sein können, und für das wir internationale Anerkennung bekommen. Dazu gehört genau wie die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit auch unsere Flüchtlingspolitik. Viele Geflüchtete wählen Deutschland als Ziel, weil sie wissen, dass hier Menschenrechte etwas gelten. Wenn sich, wie Frau Schmitt schreibt, immer mehr Menschen in Deutschland überlegen, das eigene Land zu verlassen, dann können sie das nur, weil ihnen mit einem deutschen Pass fast die ganze Welt offen steht. Wir müssen nicht vor verschlossenen Grenzen hungern und frieren. Die vielen Menschen, die Zuflucht in Deutschland suchen, geben uns die Chance, unter Beweis zu stellen, dass es uns ernst damit ist, Rassismus keinen Raum zu geben. Wenn dies gelingt, gibt es wieder einen Grund mehr, sich mit Deutschland identifizieren zu können und stolz zu sein.

Cornelia Weber, Mörlenbach

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