Gut beschirmt mit kleinem Weinrömer
Weinheim, 12.08.2017
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12.08.2017 05:05
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Leserbrief
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Weinheim. Eigentlich sollte alles „wie gehabt“ laufen. So drückt sich Peter Gérard, der Vorsitzende des Heimat- und Kerwevereins „Alt Weinheim“ gerne aus, wenn er von der Weinheimer Kerwe als Selbstläufer spricht. Aber „wie gehabt“ war es gestern nicht, als sich der Balkon des Alten Rathauses am Marktplatz zur offiziellen Eröffnung mit Menschen füllte. Die Bürgerwehr musste wegen des Dauerregens auf das Abfeuern ihrer Kanone verzichten, der Trachtentanz fiel angesichts der Rutschgefahr auf dem nassen Pflaster aus, und die Musikkapelle Gorxheimertal hatte sich unter ein großes Zelt ins Trockene zurückgezogen, von wo aus die Musiker das Badner Lied anstimmten.

Etwas Lehrreiches hatte das Ganze aber auch: Ilse und Horst Kreis standen zusammen mit Trude und Fred Guthier beisammen. Die „Alt Weinheimer“ trugen stolz ihre Tracht, und dazu gehörte an Tagen wie gestern auch der passende Regenschirm mit Holzstock, der an seinen Rändern die Farben der Odenwälder Bauerntracht aufnimmt. „Der Damenschirm ist ein bisschen kleiner als der Herrenschirm, weil wir halt zierlicher sind“, erklärte Ilse Kreis und lachte.

Nicht weit davon entfernt standen Renate und Karl Lohrbächer, das diamantene Kerwepaar, das 1957, vor 60 Jahren, bei der ersten „Kerwe der neuen Art“ als erste diese Rolle übernommen hatten. Das diamantene Kerwepaar war zusammen mit Oberbürgermeister Heiner Bernhard und seiner Frau Gudrun Tichy-Bernhard in einem kleinen Wagen durch die Fußgängerzone zum Marktplatz gefahren worden. Alexander Schmitt aus Sulzbach steuerte den Traktor. Während er schon Feierabend hatte, überquerten andere Sulzbacher auf dem Weg zum Marktplatz gerade die Ampel am Dürreplatz: Jens Krüger, der Vorsitzende des Sulzbacher Kerwe- und Heimatvereins, und Horst Post, begleitet von den aktuellen Kerweborschde mit Strohhüten und Kerweparre Matthias Seiler.

Seiler übernahm später auch auf dem Rathausbalkon das Mikro und setzte zu einer kurzen, gelungenen und trockenen Rede an. „Ich wünsche vier schöne Kerwetage und eine funktionierende Ampelanlage“, sagte er und erwies sich damit ganz auf der Höhe des Tagesgeschehens in Weinheim, wo die für Stunden ausgefallene Ampelanlage am Postknoten einen Tag zuvor für Gesprächsstoff gesorgt hatte.

So alt wie die Kerwe – nämlich 60 Jahre – ist auch Oberbürgermeister Heiner Bernhard, der in seiner „Kerweredd“ die Bewegung „Pulse of Europe“ in Weinheim lobte und einen Blick ins nächste Jahr warf, wenn Weinheim Gastgeber beim Deutschen Turnfest sein wird und Bernhards Amtszeit ziemlich bald nach seiner dann letzten Kerwe-Eröffnung als Stadtoberhaupt enden wird.

Weinheims Blütenprinzessin Diana I. machte in ihrer kurzen Ansprache Werbung für das neue „Blüten“-Bier, das am Stand der Karnevalsgesellschaft erstmals ausgeschenkt wird. Auch Winzerkönigin Christine I. aus Lützelsachsen und Prinzessin Lina, Schriesheims Weinkönigin Lisa I. und Prinzessin Annalena wünschten ebenso wie Stefan Kilian, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsverein Lützelsachsen, der Kerwe einen guten Verlauf. „Wir lassen uns die Freude durch ein paar Tropfen von Oben nicht vermiesen“, hatte Peter Gérard gesagt. Die Kerwe-Fans aus Weinheim und Umgebung müssen sich jedenfalls warm anziehen. Der Lange Tisch war gestern ins Kerwehaus verlegt worden, und überall im Kerwegebiet wurde bei den Straußwirtschaften letzte Hand angelegt und auch noch die eine oder andere Plane hervorgeholt, um zusätzliche, trockene Steh- oder Sitzplätze zu schaffen.

Kerwe-Symbol ist diesmal ein kleiner Weinrömer. „Kann man aus dem trinken?“, wurde Gabi Lohrbächer-Gérard beim Verteilen gefragt. „Kann man – ein Schnäpschen geht rein“, war ihre Antwort.

Ob die Schlosspark-Illumination heute ab 21 Uhr stattfinden kann, war gestern Abend noch offen. Lukas Gärtner von der Weinheimer Feuerwehr ist bei der Organisation federführend und wird mit Peter Gérard heute Nachmittag die Lage besprechen und seine Einschätzung abgeben. „Letztlich entscheidet der Kerwe- und Heimatverein als Veranstalter, ob die Jugendfeuerwehr aufbauen soll“, sagt Gärtner. Was sagt seine Wetter-App? „Ab 16 Uhr Regen.“ dra

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