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09.02.2017
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09.02.2017 05:00
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Leserbrief
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Leserbrief: Unpassende Kritik

WN/OZ vom 28. Januar

Jutta Schmitt aus Mörlenbach beschäftigt sich in ihrem Leserbrief mit der Rede des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke am 17. Januar in Dresden; eben jener Rede, in der Herr Höcke von einem „Denkmal der Schande“ im Zentrum Berlins meinte, sprechen zu müssen. Frau Schmitt vertritt die Ansicht, Herr Höcke habe das ausgesprochen, „was ein großer Teil unserer Bevölkerung“ denke. Wie sie auf diese Idee kommt, möge für immer ihr Geheimnis bleiben; ein Blick auf die Fakten zeigt ein anderes Bild: Laut ZDF-Politbarometer vom 27. Januar (www.forschungsgruppe.de) ist die Beliebtheit der „Alternative für Deutschland“ (AFD) auf einer Skala von +5 bis -5 auf minus 3,5 gefallen, was einen absoluten Negativrekord darstellt. Auf derselben Seite erfährt man, dass 82 Prozent der Befragten der Ansicht sind, rechtsextremes Gedankengut sei bei der AfD „sehr weit“ oder „weit“ verbreitet.

Laut einer am 22. Januar veröffentlichten Emnid-Umfrage befürworten 61 Prozent der Deutschen Herrn Höckes Ausschluss aus der AfD (www.welt.de). Sieht so Zustimmung aus? Dass Frau Schmitt den Medien (und damit auch den Weinheimer Nachrichten) vorwirft, Herrn Höcke „sofort mit dummer, unpassender Kritik und Hetze“ bedacht zu haben, zeigt vor allem eines: Die so gescholtene Presse hält die im Grundgesetz verbriefte Meinungsfreiheit hoch. Und zwar so hoch, dass sie bereit ist, eine solch haltlose Kritik an sich selbst abzudrucken. Ein schönes Beispiel gelebter Demokratie, wie ich finde.

Gegen Ende ihres Briefes weist Frau Schmitt darauf hin, dass es „genügend Menschen in Deutschland“ gebe, die sich überlegen würden, „das eigene Land zu verlassen“, weil sie die Folgen der aktuellen Politik nicht ertrügen. Auch dies scheint mir eher eine subjektive Einschätzung als eine auf validen Daten beruhende Tatsache zu sein. Sollte es aber tatsächlich Menschen geben, die ein solches Ansinnen hegen, wäre ich gerne bereit, ihnen beim Packen zu helfen und zum Abschied freundlich hinterher zu winken. Ich für meinen Teil – und jetzt nehme ich mir meinerseits ebenso ungeniert wie Frau Schmitt das Recht heraus, für große Teile unserer Bevölkerung zu sprechen, – fühle mich in diesem Land trotz aller Probleme noch ganz wohl. Allein auf die Reden eines Herrn Höcke könnte ich getrost verzichten.

Martin Schmidt, Laudenbach

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