Klasse statt Masse und alles bio
Hemsbach, 17.02.2017
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17.02.2017 05:00
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Hemsbach. Der Weinanbau war einst einer der wichtigsten Bestandteile der Hemsbacher Landwirtschaftsgeschichte. Schon der Lorscher Codex sieht Abgaben auf den Ertrag der Hemsbacher Weinberge vor. Und mindestens eine Theorie besagt, dass der Weinanbau mit dem Symbol des Spannhakens im Hemsbacher Wappen Niederschlag gefunden hat. „Weinort Hemsbach“ prangt auf den Schildern an den Ortseingängen. Der Weinbau in Hemsbach ging jedoch in den letzten Jahrzehnten zurück. Eine ganze Reihe von aufgegebenen Wingerten zeugt davon. Im Frühjahr 2015 hat sich eine Gruppe Aktiver aus Hemsbach und Umgebung zur Interessengemeinschaft Bürgerwingert zusammengefunden. Ihr Ziel: Weinbauflächen im Vorgebirge der Stadt Hemsbach zu rekultivieren und zu bewirtschaften. Auch die Bewirtschaftung von schwierigeren Weinlagen soll eine neue Chance bekommen.

Die IG Bürgerwingert versteht sich im positiven Sinne sozusagen als „Sidekick“ der ISEK-Aktiven und ihr Projekt als Ergänzung zu den Bemühungen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) um den Erhalt der Kulturlandschaft und der blühenden Bergstraße. Mit Unterstützung erfahrener Winzer sind die momentan elf Mitglieder der Interessengemeinschaft dabei, sich die erforderliche Fachkenntnis für naturfreundlichen Weinbau an der Bergstraße zu erarbeiten. Grundstücke wurden gekauft oder gepachtet, verwilderte Weinberge gepflegt. Der Wein wird selbst ausgebaut und unter den aktiven und passiven Mitgliedern verteilt.

Dass die Interessengemeinschaft Bürgerwingert bestrebt ist, ihre Weinberge naturnah zu bewirtschaften, dürfte selbstverständlich sein. „Wir möchten möglichst weitgehend von der Anwendung von Giftstoffen im Weinberg wegkommen“ erklärt IG-Sprecher Bernt Leukel und fügt hinzu: „Das verstehen wir zum einen als Beitrag zum Erhalt der Bergstraßen-Flora und -Fauna. Zum anderen soll die Wingert-Bewirtschaftung gerade auch für Feierabend-Winzer wieder attraktiv werden.

Naturfreundlicher Weinbau – das bedeutet für die Interessengemeinschaft unter anderem den Verzicht auf Herbizide und Insektizide und den Einsatz von Mineraldünger. Sie will die Bestockung mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten („Piwis“) fördern, die Weinberge durch die Spontanvegetation der Umgebung begrünen, Nützlingsförderung (beispielsweise Raubmilbe, Florfliege etc.) und Nützlinge schonender Pflanzenschutz (Orientierung am Bio-Weinbau) betreiben. Der Pilzbefall soll durch intensive Laubarbeit verringert werden. Ferner will die Interessengemeinschaft Lebensräume im und im Umfeld der Wingerte fördern, in dem Böschungen ungespritzt bleiben, aber gepflegt werden, durch Felsen und Weinbergsmauern, die Anlage von Totholz- und Steinhaufen, das Anbringung von Insekten- und Vogelnisthilfen, die Förderung von Magerrasen und Obstbäumen im Umfeld der Wingerte. strenge Beachtung des Bienenschutzes, nur zugelassene Vogelnetze ab Beginn der Traubenreife bis zum Herbsten.

Last but not least zielt die IG unter dem Motto „Klasse statt Masse auf eine hohe Weinqualität. Die Weine werden nach Bio-Richtlinien ausgebaut, auch wenn eine Zertifizierung derzeit nicht beabsichtigt ist.

Die Interessengemeinschaft sucht weitere aktive Mitglieder. Neben dem Genuss des selbst erzeugten Weins können diese praktische Erfahrungen sammeln bei Bodenpflege, Rebschnitt, Laubarbeit, Pflanzenschutz sowie bei der Arbeit im Weinkeller. Interessenten melden sich bei der Interessengemeinschaft Bürgerwingert, Bernt Leukel, E-Mail: kontakt@buergerwingert-hemsbach.de. Gerade ist die Webseite der Interessengemeinschaft Bürgerwingert Hemsbach online gegangen, die viele Informationen über das Projekt bietet: http://www.buergerwingert-hemsbach.de/. Informationen zum ISEK der Stadt Hemsbach und zu den weiteren Aktivitäten im Vorgebirge auf der städtischen Website www.hemsbach.de oder direkt bei ISEK-Koordinatorin Juliane Rösler, Telefon 06201/70729, E-Mail: juliane.roesler@hemsbach.de.

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