Bundesweit unter den ersten 50
Weinheim, 07.03.2017
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07.03.2017 05:05
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Weinheim. Seltene Düfte liegen in der Luft. Es dampft aus Töpfen, und die Stimmung am Herd ist ausgezeichnet. Es wird konzentriert gekocht und auch viel gelacht. Eine Szene aus dem ehrenamtlichen Integrationsprojekt „KochKultur“, das in Weinheim entstanden ist. Christiane Brandwein und Ulrike Gollenia trafen mit ihrer Idee ins Schwarze. Beide Frauen haben sich durch die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Weinheim kennengelernt – konkret für die Lützelsachsener Winzerhalle

Zu den Projektgründern gehört auch Sherif ElHusseini, ein ägyptischer Unternehmer, der mit seiner deutschen Frau in Dubai lebt. Er ist von Anfang an dabei und hilft bei sprachlichen Verständigungsproblemen.

Mit ihrem Projekt haben sie sich Ende letzten Jahres für den Deutschen Integrationspreis 2017 beworben, den die Hertie-Stiftung auslobt. Jetzt haben sie die erste Hürde genommen: Die „KochKultur“ gehört zu den 50 Bewerbern, die in die engere Auswahl kamen.

Im nächsten Schritt braucht das Projekt jetzt Unterstützung möglichst vieler Fans aus der Bevölkerung, denn die Hertie-Stiftung koppelt die Preisvergabe an ein sogenanntes „Crowdfunding“. Die Menge der Menschen, die das Projekt unterstützen – auch mit einem symbolischen finanziellen Beitrag – ist für die Stiftung ein Gradmesser für die Ernsthaftigkeit und die Bodenständigkeit der Idee. Auch für deren Zukunft.

Worum geht es bei der „KochKultur“? Menschen, die als Geflüchtete in Deutschland leben, kochen für und mit Gastgebern, die schon lange hier wohnen. Die Menschen aus den arabischen und afrikanischen Ländern und Kulturkreisen haben nicht nur Sorgen, Erinnerungen und Traumata, sondern auch neue Geschmäcker, Zubereitungsarten und Aromen mitgebracht – oft die einzige körperlich spürbare Erinnerung an die Heimat.

Christiane Brandwein und Ulrike Gollenia haben ein Integrationsprojekt initiiert, bei dem vielleicht sogar Arbeitsplätze für geflüchtete Menschen entstehen. Im Moment bringt die „KochKultur“ Menschen durch kochen, essen und trinken zusammen. Die beiden Frauen betreuen ein ganzes Team von Köchinnen und Köchen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Es sind Syrer, Iraner, Afghanen, Inder und Menschen aus Westafrika.

Die meisten haben in der alten Heimat bereits ihre Familie bekocht. Selten sind es schon ausgebildete Kräfte. Sie schneiden Zwiebel und Knoblauch, hacken Kräuter aus der Natur, erinnern sich an Düfte der heimischen Küche, an die Rezepte der Großmutter. Erinnerungen, die durch den Magen gehen. Dabei lernen beide: Köche und Bekochte.

Die „KochKultur“ kommt auf Anfrage in private Küchen, beispielsweise bei Geburtstagen, oder sie übernimmt bei größeren Anlässen das Catering. So finden geflüchtete Menschen eine Arbeit, die ihnen Spaß macht. Es entstehen neue Begegnungsmöglichkeiten und zwischenmenschliche Kontakte. Das ist das Besondere und hebt das Weinheimer Projekt gegenüber anderen nominierten aus ganz Deutschland sogar hervor.

Weinheim gehört mit seinen 45 000 Einwohnern zu den kleinsten Städten, die Bewerbungen eingereicht haben. Aus der Metropolregion Rhein-Neckar ist außer Weinheim nur noch Heidelberg unter den „Top 50“. Brandwein und Gollenia sind gespannt, ebenso wie die Weinheimer Integrationsbeauftragte Ulrike Herrmann, die das Projekt von Anfang an begleitet und unterstützt hat.

„Gemeinsames Essen überwindet jede Sprachbarriere. Essen ist mehr als reine Nahrungsaufnahme, es verbindet Menschen, Kulturen und Religionen. Beim Essen kommen Menschen zusammen“, sagt Ulrike Gollenia.

Wichtig für die Abstimmung:

Ab Dienstag, 21. März, können und sollten möglichst viele Menschen im Internet sechs Wochen lang (bis zum 2. Mai) ihre Unterstützung abgeben.

Das geht über einen Klick (samt symbolischer Geldübertragung ab 5 Euro) auf der Internetseite www.startnext.com

Wichtig: 10 000 Euro müssen als Anschubfinanzierung über das „Crowdfunding“ zusammenkommen; das ist die Bedingung.

Achtung: Das Projekt wird auf der startnext-Seite erst am 21. März dargestellt.

Am 11. April vergibt die Hertie-Stiftung eine zusätzliche Förderung an die Projekte, die in der Rangliste die ersten 20 Plätze belegen.

Im November wird an drei Bewerber der Deutsche Integrationspreis verliehen.

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