Die Kamera als drittes Auge
Sulzbach, 10.11.2017
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10.11.2017 05:00
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Sulzbach. Mit sichtlicher Freude präsentierte Marianne Muno in ihrer „Kunstscheuer“ in Sulzbach den Fotokünstler Wolfgang Krink bei der Eröffnung seiner Ausstellung. Obwohl seine Bilder weltweit in Galerien, Museen und Privatsammlungen hängen, hat er sich in die kleine, feine Galerie der freischaffenden Künstlerin verliebt: „Hier in diesem besonderen Flair passen meine Bilder sowie das Thema (Gegen die Vernunft, auf den Spuren großer Meister) genau“, sagte er.

In ihrer Begrüßung stellte Muno die Frage: „Was ist Vernunft?“ So viele Menschen es gibt, so viele Ansichten sind darüber vorhanden. Vernunft hat auch mit Akzeptanz zu tun. Gerade bei Krink ist es angebracht. Einige halten ihn für einen der hippsten, verrücktesten, kompromisslosesten Zeitgenossen der Fotoszene. Mit seinen Ausstellungen und Bildbänden zeigt er: Nur wer provoziert, kitzelt richtig was heraus.

Genau das macht den besonderen Reiz seiner außergewöhnlichen Aufnahmen aus. Tabus gibt es nicht. Er macht immer das, was ihm Spaß macht und lässt sich dabei nicht einschränken. So auch die Idee zur Eröffnung der Vernissage mit musikalischer Untermalung: Eine rauchende Frau aus einem Sarg, aus Zigarettenpackungen gefertigt, „auferstehen“ zu lassen, war makaber aber auch tiefsinnig. Die angepasste Lightshow trug zu einem Aha-Erlebnis bei.

In seiner Laudatio ging der Karlsruher Werner Deck weiteren Gedanken zum Thema der Ausstellung nach. „Alle großen Meister, ob in Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik, waren in positivem Sinne unvernünftig. Deshalb wurden sie auch jeweils zu großen Meistern auf ihrem Gebiet.“ So sei, um etwas besonderes zu leisten, „wider die Vernunft“ eine ganz entscheidende Grundvoraussetzung. Deck zitierte Voltaire: „In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.“ Oder Oscar Wilde: „Der Mensch ist vielerlei, aber vernünftig ist er nicht.“

Positiv unvernünftig

Positiv unvernünftig zu sein, ist also eine große Triebfeder und Erfolgsvoraussetzung, wofür Wolfgang Krink ein gutes Beispiel liefert, da er in seiner Kunst zur Gänze aus purer Unvernunft besteht.

Wolfgang Krink zeigt einfühlsam und oftmals überraschend seine Wahrheit. Die Kamera ist sein drittes, viertes und fünftes Auge. Er muss keine Motive suchen, sie springen ihn förmlich an. Seine Fotos sind ästhetisch und aussagekräftig. Er hält sich an die Aussage David Allen Harveys: „Fotografiere nicht wie es aussieht, sondern wie es sich anfühlt.“

Der Wunsch des Laudators, einen schönen Abend mit erfrischendem Kunstgenuss zu verleben, erfüllte sich. Das Publikum war von dem Verlauf, der Performance und der herzlichen Atmosphäre sehr angetan. Hierzu trugen die kanadischen Künstler „Birkett Hall“ durch ihre musikalische Unterhaltung bei. Birkett Hall das sind Ea Birkett (Gesang, Gitarre, Harmonica, Percussion) und Ted Hall (Gesang, Gitarre, Harmonica).

Ihre Musik ist lyrisch angehaucht, kraftvoll gesungen, auf Grund einer starken live Energieperformance aus den Wurzeln des Blues, Folk, Jazz und Rock. Die beiden kanadischen Musiker sind weit gereist und verbringen einen Teil des Jahres in Thailand und den anderen Teil, wo immer sie die Musik hinträgt. Seit einiger Zeit sind sie in Landsberg am Lech daheim.

Weiterhin bietet Wolfgang Krink einen Workshop „Vom Zauber der Wahrnehmung“ an, der am Samstag, 9. Dezember, um 14 Uhr stattfindet. Anmeldungen unter Telefon: 0157/52493156. Zudem kann man den Fotoartist bei einer Martinee am Sonntag, 10. Dezember, um 11 Uhr in der „Kunstscheuer“ Marianne Muno, Nördliche Bergstraße 26, in Sulzbach, antreffen. Krink’s Arbeiten sind bis 15. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten, Montags, mittwochs und freitags von 13 bis 17 Uhr ausgestellt. Weitere Besichtigungen können telefonisch unter 0157/52493156 vereinbart werden.

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