Ohrfeigen für „Normale“
17.02.2017
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17.02.2017 05:00
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Leserbrief
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Kritik an Deckelung

WN/OZ vom 9. Februar

Komisch, aber direkt unter dem Artikel über drohende Altersarmut stand der über die Kritik an der Deckelung der hohen Managergehälter. Dass der neoliberale Oberschwätzer Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft vor einer Neiddebatte warnt, ist doch klar. Neidisch bin ich auf meinen Nachbarn, weil der ein „dickeres“ Auto fährt als ich, doch bei der Diskussion über Gehälter von mehreren Millionen Euro im Jahr verglichen mit dem Gehalt eines „normalen“ Menschen, geht es wohl nicht mehr um Neid, es geht da schon um Gerechtigkeit und gesellschaftspolitische Aspekte. Ich glaube, vielen ist nicht klar, was das für Unsummen sind, die vielen Managern da gezahlt werden. Herr Winterkorn von VW verdiente 15 Millionen Euro im Jahr.

Das heißt, jemand, der „nur“ den Durchschnittsverdienst von 40 000 Euro verdient (was viele nicht verdienen), müsste 375 Jahre arbeiten, um das zu verdienen. Da können neoliberale Professoren reden, was sie wollen, aber durch nichts ist so etwas zu rechtfertigen, jedenfalls nicht, solange man auf dem Boden von Ehre und Anstand bleibt. Auch nicht, dass eine Topmanagerin (auch VW) nach nur einem Jahr entlassen wird und dann eine Abfindung von zwölf Millionen Euro erhält.

Das sind für mich Ohrfeigen für all die „normalen“ Menschen, die mit ihrer täglichen Arbeit auch zum Wohl der Unternehmen beitragen. Komisch ist, dass diese „Wirtschaftswissenschaftler“ die unanständig hohen Managergehälter für normal halten, gleichzeitig im Mindestlohn den Untergang des Abendlandes sehen. Auch hier hat sich das neoliberale Schüren von Ängsten vor dem Mindestlohn als Blödsinn erwiesen. Vor einiger Zeit sagte in einem Interview der Frankfurter Rundschau ein Wirtschaftsprofessor (habe leider den Namen vergessen) zu den Einkommensunterschieden in der Wirtschaft sinngemäß dies: Im Markt, auch im Arbeitsmarkt, gebe es keine Gerechtigkeit.

Mehr Gerechtigkeit könne hier nur die Politik schaffen. Ich würde hier mehr Mut der Politik begrüßen, denn das Allgemeinwohl erfordert mehr als nur den Kotau vor der Wirtschaft. Und um alle Neoliberalen zu beruhigen, dieser Mut führt nicht automatisch zu Kommunismus, sondern vielleicht nur in eine Welt, in der nicht immer weniger immer reicher und immer mehr immer ärmer werden.

Dr. Markus Grass, Weinheim

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