„Rache und Zorn sind schlechte Ratgeber“
Laudenbach, 30.10.2017
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30.10.2017 04:00
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Laudenbach. Ganztagsgrundschule und kein Ende in Laudenbach. Jetzt hat sich die örtliche SPD-Fraktion zu Wort gemeldet und fordert Bürgermeister Lenz auf, die angekündigten und zum Teil bereits umgesetzten Sanktionen wegen der Ablehnung des Konzepts der Ganztagsschule durch die Schulkonferenz wieder aufzuheben.

Nach zwei Schuljahren liege immer noch kein konsensfähiges Konzept für eine Ganztagsschule vor, schreibt SPD-Fraktionschefin Kerstin Kuczewski. Erst im Juli, dann im Oktober habe die Schulkonferenz trotz mancher Modifizierung das Konzept durchfallen lassen. Während die Mehrheit der Eltern die Ganztagsschule befürworte, vermisse ein Teil der Eltern das nötige Betreuungskonzept. Ob nun die Lehrerinnen ihre Interessen nicht genug vertreten gesehen hätten oder die Eltern, und deswegen das Konzept am 19. Oktober abgelehnt hätten, wisse ihre Fraktion nicht. Ein Konzept, das keine Mehrheiten finde, müsse aber überdacht werden. Sicherlich sei der strukturelle Wandel von einer hoch flexiblen Kernzeitbetreuung zur Ganztagsschule eine Herausforderung, räumt Kuczewski ein. Die kurzen Wege in Laudenbach sollten diesen Wandel jedoch erfolgreich bahnen.

Die in den letzten Jahren in Stuttgart gefällten Entscheidungen seien geprägt von Modifizierungen und Rücknahmen bereits getroffener Entscheidungen, unter anderem bei Zuteilung und Höhe von Förderungen der Betreuungsangebote. Das sei bei der Erstellung eines auch finanziell tragbaren Konzepts wenig zuträglich, schreibt die SPD-Fraktionschefin weiter. In Anbetracht des klammen Gemeindehaushalts müsse Klarheit bei Fördergeldern herrschen. Die SPD-Fraktion wolle unbedingt die Familien entlasten, ohne gleichzeitig die wirtschaftliche Machbarkeit zu vernachlässigen.

Der Tenor nach zwei Ganztagsschul-Gipfeln in diesem Jahr in Stuttgart sei, dass Schulen ihre Form der Ganztagsschule auswählen und dann ein flexibles Betreuungsangebot erhalten, das den Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erlaube. Der Gemeinderat habe vor einem Jahr die Einführung der freiwilligen Ganztagesschule beschlossen. „Allein das Konzept mag nicht gelingen. Darunter leiden alle Beteiligten“, schreibt Kuczewski.

Die SPD-Fraktion erwarte vom Schulträger jetzt unbedingt, diesen Wandel konstruktiv und offen mit der Schule und den Eltern durchzuführen. Deshalb verurteile die SPD „absolut“ die durch den Bürgermeister eigenmächtig eingeführten Sanktionen, wie die Abschaffung der Hausaufgabenbetreuung während der Kernzeit. „Dies trifft die Falschen“, schreibt Kuczewski und fordert Bürgermeister Lenz zur Rücknahme dieser „kurzsichtigen Adhoc-Maßnahme“ auf. „Rache und Zorn sind schlechte Ratgeber, Druck erzeugt Gegendruck. Auf diese Weise wird die Einführung der Ganztagsschule in Laudenbach weiterhin nicht gelingen.“ maz

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