Sparkasse in Nieder-Liebersbach schließt
Nieder-Liebersbach, 07.01.2017
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07.01.2017 06:00
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Nieder-Liebersbach. „Service ist einfach ... wenn wir in Ihrer Nähe sind“, titelt die Sparkasse Starkenburg in einer Anzeige in der Gemeinderundschau Birkenau. Klingt gut. Weiter im Text heißt es dann: „Ab 15. Januar 2017 stehen Ihnen die modernen SB-Geräte in der Filale Birkenau - nur 2000 Meter entfernt von den SB-Geräten in Nieder-Liebersbach - zur Verfügung.“ Klingt immer noch gut. 

Der Teufel steckt aber leider  - wie so oft -  im Kleingedruckten und hier steht das Kleingedruckte ganz unten auf dem Fuß der Sparkassen-Anzeige: „Die SB-Filiale in Nieder-Liebersbach schließt zum 15. Januar.“ In dieser Kombination ist der Eingangssatz der Anzeige schon dreist, denn 2000 Meter können ganz schön weit sein. 

Hans-Jürgen Emmerich wohnt in Nieder-Liebersbach und er ärgert sich: „Das Kuriose ist, wir haben hier inzwischen einen Gemüsehändler, der nicht nur Gemüse sondern auch Brötchen verkauft und ein paar abgepackte Waren. Die Grundversorgung ist also gewährleistet. Allerdings muss man im Gemüseladen in Bar bezahlen. Das bedeutet, wenn die SB-Filiale schließt, müssen die Leute trotzdem nach Birkenau um dort Geld zu holen, damit sie in Nieder-Liebersbach einkaufen können.“ 
Gerade für ältere Menschen oder Menschen, die kein Auto haben, ist das gar nicht so einfach. Sie müssen dann das Ruftaxi nutzen oder mit dem Bus fahren. Emmerich erinnert sich: „Vor 15 Jahren hatten wir hier in Nieder-Liebersbach noch eine richtige Sparkassen-Filiale. Die wurde geschlossen, dafür kam die SB-Filiale.“ Das Argument damals: An den Automaten habe man trotzdem den ganzen Service. Mit diesem Service ist jetzt Schluss. Hans-Jürgen Emmerich hat wenig Hoffnung, dass an der Entscheidung der Bank noch etwas zu ändern ist, trotzdem hat er die Facebookseite „Rettet die SB-Sparkasse in Nieder-Liebersbach“ ins Leben gerufen. Möchte zumindest auf diesem Weg zeigen, dass es Menschen gibt, die die Entscheidung nicht in Ordnung finden. „Wenn sich eine richtige Filiale wirklich nicht lohnt und deshalb Personal eingespart werden muss, dann sehe ich das irgendwie noch ein. Aber es kann doch nicht so teuer sein, einen fünf Quadratmeter großen Raum zu unterhalten“, sagt Emmerich.  

Auch Volker Buser, Ortsvorsteher von Nieder-Liebersbach, ärgert sich besonders über die Art und Weise, wie die Sparkasse die Schließung der Filiale kommuniziert hat. „Diesen Satz so klein unter die Anzeige zu schreiben, dass ihn ältere Menschen kaum lesen können, das finde ich nicht in Ordnung“, sagt er am Telefon. Buser hatte direkt nachdem er von der Schließung erfuhr, Kontakt zu den Zuständigen der Bank aufgenommen. „Ich habe versucht, das zu verhindern“, sagt der Ortsvorsteher. Vergeblich. 

Das Problem seien die Kosten. „Es gibt wohl noch vier SB-Filialen im Kreis Bergstraße, die werden jetzt alle geschlossen, weil die Wartung und Bestückung mit Geld für die Bank zu teuer ist.“ Das werde von einer Fremdfirma gemacht -  weiß Buser -  und koste die Bank 3000 Euro im Monat - pro Filiale. Für die Bank lohne sich das nicht. „Die sparen eben auch überall“, seufzt Buser. 

Die meisten Menschen würden inzwischen Onlinenbanking machen oder unterwegs mit Karte bezahlen. Trotzdem: „Das ist schon sehr traurig, dass dieser Service für Nieder-Liebersbach verloren geht. Und wie so oft, trifft es die älteren Menschen“, sagt Buser. Der Ortsvorsteher hat auch nach einer Alternative gesucht. Nachgehakt, ob es nicht möglich sei, wenigstens einen Geldautomaten in Nieder-Liebersbach aufzustellen. In besagtem Gemüseladen oder in der Tankstelle. Eine konkrete Antwort hat er dazu bislang nicht bekommen. Große Hoffnungen macht er sich aber nicht.   shy

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07.01.2017 06:00
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