Töne und Akkorde gegen politische Hetze
Weinheim, 27.10.2015
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27.10.2015 01:22
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Weinheim. Die Idee stammt von Sevda Can Arslan. Sie ist Doktorantin am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Mannheim. Zurzeit engagiert sie sich besonders für das „Guck Hin! Aktionscamp“ der Initiative „Weinheim gegen rechts“. Mit Vorträgen, Diskussionen und Konzerten setzt sich dieses kritisch mit dem NPD-Parteitag am 21. und 22. November in Weinheim auseinander. Dabei kam der Weinheimerin in den Sinn, die Atmosphäre in „Weinheims guter Stube“ - wie es der frühere Oberbürgermeister Uwe Kleefoot einmal bezeichnete - nicht einfach so „vergiften“ zu lassen.

Eine Woche vor dem Parteitag der rechstextremen NPD soll die Stadthalle lebendige Weltkultur zu hören bekommen. Auch Alexander Schildhauer und Michael Vajna -Mitbegründer von Malky und des unabhängigen Musiklabels „Eighty Days“ - fanden das Konzept unterstützenwert. Arslan, Schildhauer und Vajna kennen sich von der Dietrich-Bonhoeffer-Schule und durch ihre Mitarbeit bei creActiv in Weinheim.

„Schon einmal wurden die Einflüsse unserer Musik als entartete Musik bezeichnet. Daher muss man genau hinhören und hinsehen. Wenn Asylbewerberheime brennen und erneut Hetze gegen Andersdenkende und Fremde betrieben wird, kann man nicht zu Hause vor dem Fernseher sitzen und entspannt zusehen“ bringt es Alexander Schildhauer auf den Punkt. Auch das Präsidium des Soziokulturellen Vereins „CreActiv“ war von dem Projekt schnell begeistert, im Stadtjugendring Weinheim fand man einen weiteren Unterstützer. Und heraus kam ein zweitägiges Festival auf der Studiobühne der Stadthalle.

Am Freitag, 13. November, 20 Uhr steht zunächst „Swing Tanzen Verboten!“ auf dem Programm. Der 90-jährige Saxophonist Emil Mangelsdorff wird in seinem Gesprächskonzert von seiner Menschwerdung als Jazzmusiker erzählen. Er gehörte zu jener „Swing-Jugend“ in Frankfurt, die in einer Gegenkultur zum NS-System lebte und Maßnahmen der Gestapo bis hin zur Verhaftung und Folter ertrug. Im zweiten Teil der Jazzsoirée wird die Jazzfamilie der Region die aktuelle Sprengkraft ihrer Musik unter Beweis stellen. Mit dabei sind unter anderem Claus Boesser-Ferrari, Allen Blairman und Alberto Menendez.

Am Samstag, 14. November, 20 Uhr, betreten „Malky & Freunde“ die Studiobühne in der Stadthalle. „Malky“, das ist bulgarisch und heißt so viel wie „Kleiner Junge“. Bulgarischer Abstammung ist auch Daniel Stoyanov, der Sänger von „Malky“. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Michael Vajna hat er Musiker aus allen Ecken der Republik für diesen besonderen Abend um sich versammelt. „Melancholie, die glücklich macht“ ist eigentlich das Markenzeichen von „Malky“. Im April dieses Jahres hat die Band in Los Angeles gespielt. Im Juni wurden sie beim Reeperbahn Festival in Hamburg mit dem „VIA! Award“ für das Beste Album ausgezeichnet. Für alle Beteiligen ist dieses Wochenende mit Jazz und Soul ein kleines musikalisches Ausrufezeichen für kulturelle Vielfalt, Toleranz und Menschlichkeit.

Karten für das creActiv-Festival auf der Studiobühne der Stadthalle Weinheim gibt es ab dem 4. November im Vorverkauf im Ticketshop der DiesbachMedien, im Montmatre und bei Hutter im Schloss.

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