Verwunderliche Position
28.01.2017
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28.01.2017 05:00
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Leserbrief
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In dem Horst war kein Schwarzstorch

OZ vom 18. Januar

Über die Positionierung des BUND zu Windenergie-Anlagen am „Stillfüssel“ (Eiterbachtal) und „Kahlberg“ wundere ich mich. Ich selbst habe fachliche Stellungnahmen dazu verfasst, mit Analysen der umweltrechtlichen Konflikte sowie des „räumlich-funktionalen Zusammenhangs“. Der Pressemitteilung des BUND, dem ich selbst lange als Mitglied angehörte, muss ich deutlich widersprechen, wenn es darin heißt, „aus der gegebenen Faktenlage lasse sich keine Ablehnung gegenüber den Anlagen ableiten“. Verwunderlich ist, dass der Expertise des in Fachkreisen klar anerkannten Spezialisten Carsten Rohde zum aufgefundenen Schwarzstorch-Fichtenhorst nicht gefolgt wird, auch entgegen der Bestätigung der Staatlichen Vogelschutzwarte. Diese Lebensstätte wäre aber nicht das einzige K.-o.-Kriterium am Stillfüssel: Das EU-geschützte FFH-Fließgewässer Eiterbach dient nachweislich als saisonal tagtäglich angeflogenes Schwarzstorch-Nahrungshabitat, wodurch sich Überflüge der benachbarten Bergrücken ergeben, die auf einen Betriebszeitraum von rund 30 Jahren zu prognostizieren sind. Hinzu kommen weitere Anhang-I-Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie und deren Lebensstätten, die – sowohl am Stillfüssel als auch am Kahlberg – klar betroffen sind. Ferner wundere ich mich, dass sogenannte „vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen“, wie sie im Genehmigungsbescheid aufgeführt sind, am Stillfüssel gar nicht vor Baubeginn abgeschlossen werden sollen, wie es umweltrechtlich unabdinglich wäre, und dass der BUND auch solche Stolpersteine ignoriert. Immerhin haben Umwelt- und Naturschutzvereinigungen eine Verpflichtung für die Gewährleistung des Habitat- und Artenschutzes übernommen.

Michael Hahl, Waldbrunn

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