„Wie kann man so etwas tun?“
Mannheim, 17.02.2017
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17.02.2017 05:00
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Mannheim. Rund 30 Besucher, in erster Linie Mütter mit Kindern, stehen um das Becken herum. Es ist 15 Uhr, Fütterungszeit. Während die Kleinen sich daran freuen, wie die Pinguine sich auf ihre Fische stürzen, macht unter den Erwachsenen halblaut die traurige Nachricht die Runde. „Was? Er ist tot? Schrecklich“, sagt Doris Kölmel, die mit ihrem Mann Horst gerade vorbeiläuft. Die beiden haben eine Dauerkarte für den Park, sie schätzen die Ruhe und die Natur. Dass aus diesem Idyll jemand einen jungen Pinguin herausgerissen und umgebracht hat, macht das Ehepaar fassungslos. „Das ist doch verrückt“, findet Doris Kölmel. „Wie kann man nur so etwas tun?“

Von unserem Mitarbeiter

Steffen Mack

Zwei Stunden zuvor hat die Mannheimer Polizei die traurige Mitteilung verschickt. Nur einen halben Kilometer entfernt hatte ein Passant am Morgen den toten Humboldt-Pinguin entdeckt. In der Museumsstraße, die gegenüber dem Carl-Benz-Stadion von der Theodor-Heuss-Anlage abzweigt. Sie besteht nur aus Parkplätzen und Grünflächen. Auf einer solchen lag der Pinguin. Er hatte keinen Kopf mehr. Laut Polizeisprecher Michael Klump ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich ein anderes Tier daran zu schaffen gemacht. „Wir wissen nicht, wie lange er schon dort gelegen hat.“

Am Samstag war der Pinguin aus dem Luisenpark verschwunden. Die Polizei hat keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass er von allein abgehauen oder etwa einem Fuchs mitgenommen worden sein könnte. Sie fahndet nun mit Nachdruck nach dem Täter.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet, die Tierschutzorganisation Peta setzte eine Belohnung von 1000 Euro aus. Wer ein Wirbeltier grundlos tötet, muss mit einer Geldstrafe bis hin zu drei Jahren Gefängnis (im Wiederholungsfall) rechnen. „Für so etwas müsste es noch höhere Strafen geben“, findet Natascha Nohe im Luisenpark. Neben ihr steht Nadine Fütterer am Pinguinbecken, die gar nicht begreifen kann, „was jemand mit so einem Tier will“.

Die Deutsche Presse-Agentur zitierte gestern Zoologie-Experten, professionelle Diebe hätten es gezielt auf exotische Tiere abgesehen, die sie dann für teures Geld auf dem illegalen Markt verkaufen könnten. Ob ein solcher Täter in Mannheim zugeschlagen hat, ist aber zweifelhaft. Dass der Pinguin nur einen halben Kilometer entfernt tot aufgefunden wurde, scheint eher nicht für das Werk eines Profis zu sprechen. Das Verschwinden des Pinguins hatte weltweit gewaltige Anteilnahme ausgelöst. Die Vermissten-Meldung wurde auf der Facebook-Seite der Mannheimer Polizei mehr als 700 000 Mal angeklickt, Journalisten aus der Schweiz, Belgien und den USA riefen an. Ein New Yorker Sender wollte die Beamten bei ihrer Suche sogar im „Reality TV“-Stil mit Live-Kamera begleiten. Im Luisenpark hat man sich über die gewaltige Resonanz zwar gefreut. „Aber lieber wäre mir, der kleine Pinguin würde noch leben“, sagte Sprecherin Alexandra Wind. „Besonders für die Pfleger, die ihn mit großer Mühe aufgezogen haben, ist das ganz schrecklich.“

Auch Parkdirektor Joachim Költzsch unterstreicht „den emotionalen Wert, den das Tier bei unseren Mitarbeitern und Besuchern hatte“. Er steht in der Sonne vor dem Becken und blickt traurig auf die verbliebenen elf Pinguine. Um Nachahmungstäter abzuschrecken, wurden die Patrouillen des Sicherheitsdienstes verstärkt, zudem soll eine Videokamera installiert werden. Eines steht für Költzsch aber außer Frage: „Wir werden unsere Gehege nicht vergittern. Wir wollen, dass Menschen hier Tieren nahe kommen können.“ Und wer das von klein auf erlebe, „der wird nie zu so einer schrecklichen Tat imstande sein. Wir alle, vor allem unsere Tierpfleger, die sich tagtäglich um das Tier gekümmert haben, sind erschüttert. Erschüttert über den Tod, aber auch erschüttert über so wenig Achtung im Umgang mit Lebewesen.“

Die Polizei bittet um Hinweise auf den Täter: 0621/174 33 10.

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