Wie viel Wildnis im Wald?
Rhein-Neckar, 28.10.2017
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28.10.2017 05:00
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Rhein-Neckar. Luchse und Wölfe leben bald wieder gemeinsam im Pfälzerwald. Davon zeigten sich Fachleute vor rund 150 Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich bei den „Wasgauer Gesprächen“ des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen überzeugt.

fühlen uns als Biosphärenreservat verpflichtet, das grenzüberschreitende Miteinander zu leben. Luchs und Wolf sind geeignet, schnell eine Debatte aufzuladen“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder (Frankenthal). Das Thema sei von Sorgen begleitet, insbesondere von Nutztierhaltern aus Angst um ihre Tiere. „Luchs und Wolf stellen die Vermittlungsfunktion der Verantwortlichen im Biosphärenreservat auf eine Probe“, sagte Jean-Claude Génot vom Sycoparc des Naturparks Nordvogesen. Im Biosphärenreservat gebe es zur Zeit keine Wölfe. In den Südvogesen lebe allerdings bereits ein Rudel. Sie bereicherten die Artenvielfalt, provozierten allerdings auch die Frage: „Wie viel Wildnis wollen wir im Wald haben.“

Geringes Konfliktpotenzial

In Deutschland seien der Auerochse vor 400 Jahren, der Braunbär vor 300 Jahren, der Luchs vor 200 Jahren und der Wolf im 18. und 19. Jahrhundert ausgestorben, erinnerte Carsten Nowak vom Frankfurter Senckenberg-Institut. Von den 15 großen Fleischfresser-Arten, die einst die deutschen Wälder besiedelt hätten, gebe es nur noch etwa die Hälfte. Während der Luchs als Einzelgänger unterwegs sei, lebe der Wolf im Rudel und besitze eine große Anpassungsfähigkeit an seinen Lebensraum. Es gebe auch nur ein geringes Konfliktpotenzial mit dem Menschen. Weil er schon immer Nutztiere gejagt habe, sei er wohl ausgerottet worden.

Seit mehr als 15 Jahren breiteten sich Wölfe wieder in Deutschland aus. Sie kämen von Polen östlich von Dresden über die Grenze und zögen in Richtung Lüneburger Heide. Zu ihren Beutetieren zählten unter anderem Rehe, Hirsche, Mufflons und Wildschweine. Den Luchs siedele man im Harz, Bayerischen Wald und Pfälzerwald an. Er reiße nur selten Nutztiere – es gebe kaum Konflikte mit Menschen.

Im Pfälzerwald seien bisher fünf Luchse freigelassen worden – alle im Raum Waldleiningen, damit sich ein Populationskern bilden könne, sagte Sylvia Idelberger von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Ein guter Erfolg sei die Geburt von zwei Kudern (männlichen Tieren) im Frühjahr gewesen. Luchse bevorzugten Rehe, Füchse, Rotwild, Wildschweine, Muffel und Marder als Beutetiere. Dabei würden sie an drei bis fünf Tagen nur ihr Muskelfleisch fressen – weder Fell, Haut, Knochen noch Innereien. Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau berichtete, zurzeit gebe es 60 bis 70 Wolfsrudel in Deutschland. Vertretbar wären etwa 440 Wolfsrudel. In ganz Europa lebten 12 000 Wölfe. In den vergangenen 60 Jahren sei kein Zwischenfall zwischen Mensch und Wolf bekannt. Wenn Wölfe Nutztiere reißen, bekämen die Tierhalter eine Ausgleichszahlung. Rs

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28.10.2017 05:00
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