Windkraft vor Naturschutz
21.01.2017
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21.01.2017 05:00
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Zehn Windräder genehmigt

WN/OZ vom 2. Januar

Die Windkraftlobby hat ihr Ziel erreicht: Weder Natur- noch Landschafts-, Tier- oder Denkmalschutz können verhindern, dass Windräder in Hessen gebaut werden. Das Regierungspräsidium hat den umstrittenen Windpark „Greiner Eck“ mitten in einem europäischen FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) ersten Ranges, Vogelschutzgebiet, UNESCO Geo-Naturpark ohne vorherige Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt. In Wald-Michelbach wurden Windräder genehmigt, obwohl der höchst geschützte Schwarzstorch dort lebt. Am 1. Dezember 2016 hat das Bundesumweltministerium eine Gesetzesnovelle vorgelegt: Diese sieht vor, das Tötungsverbot für geschützte Arten (§44 BNatSchG) künftig beim Bau von Windkraftanlagen weitgehend aufzuheben. Bis zum 16. Dezember 2016 hatten die Naturschutzverbände Zeit, eine Stellungnahme abzugeben – und das alles in der hektischen Vorweihnachtszeit – was für ein Zufall!

Was wären die Folgen für die Umwelt? Es wird künftig nicht mehr möglich sein, Natur- und Landschaftsschutz einzufordern, wenn er nicht mehr konsequent gilt, sondern den wirtschaftlichen Interessen einzelner Branchen untergeordnet ist. Und das alles, obwohl man inzwischen weiß, dass mit Windkraft keine Energiewende zu erreichen ist. 25 000 Windräder lieferten Ende 2015 gerade mal 2,4 Prozent der Primärenergie in unserem Land.

Die wesentlich relevanteren Bereiche Verkehr und Wärme werden kaum beachtet. Insofern bearbeitet die „Energiewende“-Politik das falsche Feld (Strom statt Mobilität und Wärme) mit den falschen Methoden (mehr Erzeugung statt Einsparung). Bei Verkehr und Wärme könnte man auch am meisten CO2 einsparen. Denn die CO2-Emissionen sind im letzten Jahr in Deutschland weiter gestiegen, obwohl sie im Strombereich leicht zurückgegangen sind. Insgesamt sind sie von 908 auf 916 Millionen Tonnen (plus 0,9 Prozent) gestiegen. Ob da die falschen Angaben der Autoindustrie bezüglich Abgase und Verbrauch schon eingerechnet sind, wage ich zu bezweifeln.

Brigitte Kanz, Birkenau

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