Als echter „Woinemer Bu“ ganz nah dran
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27.10.2021 05:00
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Leserbrief
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Weinheim. Eigentlich trägt der Podcast von Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung den Titel „Nah dran“. Die jüngste Folge mit dem Weinheimer Multitalent Dr. Markus Weber aber wurde kurzerhand umbenannt: in „Nah droa“. Zum Teil in Mundart, zum Teil in Hochdeutsch rückt der waschechte „Woinemer Bu“ durch den Dialekt noch näher heran an die Menschen der Region. Denn Mundart ist Heimat. Nicht nur für Weber, den Kabarettisten, Fastnachter, Literaten und Chansonnier, Zauberer und mittlerweile im Alter von 65 Jahren auch Märchenonkel. Mit Redakteurin Iris Kleefoot spricht er über seine Liebe zum Dialekt, der die Wurzel seiner sprachlichen Identität bildet.

Für alle Kompetenzstufen

Weber holt die „Muddersproach“ mit seinen Mundartprogrammen raus aus der Ecke der niedrigen Bildung und adelt das heimatkundliche Kleinod, indem er sich ihm wissenschaftlich nähert. Sein neues Programm unter dem Titel „Glaweses“ ist ein Sprachkurs in Woinemerisch für alle Kompetenzstufen von A1 bis C2 – und das nicht nur für „Roigeplaggte“.

Spiel mit der „Muddersproach“

Gerade Weinheimer haben Spaß an Webers Spiel mit der „Muddersproach“, das er bis zur Perfektion betreibt – aktuell mit seinen Märchen-CDs, in denen er die Geschichten der Gebrüder Grimm in der Region verortet. Da treibt der böse Wolf plötzlich sein Unwesen am Wachenberg, das Aschenputtel lebt in einer Patchwork-Familie in Sulzbach und es regnet Sterntaler über der Höllenstaffel.

Von „blümerant“ bis „brezelmerb“

Dem Weinheimer Wortschatz pustet Weber dabei gehörig den Staub von den Wangen. Zuhörer begegnen wunderschönen alten Begriffen wie „blümerant“ und „brezelmerb“, beides Vorstufen, bevor Dornröschen die Augen zufallen. Nicht fehlen dürfen auch die Uznamen, die sich die Bergsträßer gegenseitig geben, wie zum Beispiel die „Laudebescher Fresch“, die „Sulzbescher Grabbe“ oder die „Woinemer Krauthawwelschisser“. Letztere verdanken nach heimatkundlicher Recherche Webers ihren ungeliebten Titel der Überlieferung. Danach sollen sich die Weinheimer früher, wenn Freunde ins Land kamen, vor lauter Angst auf dem Feld versteckt und dabei ins „Kraut geschissen“ haben.

Märchen- und zauberhaft

Nachzulesen ist das übrigens alles in seinem Märchenbuch, passend zur CD, das im November auf den Markt kommt, verfasst in zwei Sprachen – Hochdeutsch und Woinemerisch. Märchenhafte Fotos von Sven Sasse-Rösch sorgen zusätzlich für Kopfkino. Wer die Orte erkunden will, folgt den „Landkarten“, zauberhaft gezeichnet von Bernhard Kück.

Im Podcast verrät Weber, im „bürgerlichen“ Leben Apotheker, woher er seine Inspiration nimmt, wie zeitaufwendig die Übersetzung in den Dialekt ist und was seine sonst so verständnisvolle Frau sagt, wenn er mal wieder über viele Abende im Keller-Büro sitzt, um seine Ideen auf Papier zu bringen. Nämlich: „Ich kennt do owwe verregge, des dädscht du dort unne gar net merke.“ Aber die Arbeit über ein ganzes Jahr hinweg hat sich gelohnt.

Und wo sieht sich einer wie Weber in zehn Jahren? Mit Enkeln auf dem Schoß im Ohrensessel oder immer noch auf der Bühne? Er verrät: „Wenn mir der liebe Gott die geistige und körperliche Gesundheit lässt, dann gern weiterhin auf der Bühne.“ Es macht ihm einfach Spaß, den Menschen eine Freude zu bereiten.

Weber: „Und die Leute in dieser schnelllebigen Zeit in der Heimat zu verorten. Denn dort sind die Wurzeln, da kommen wir her.“ i.k.

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