Apokalyptisches Bild
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25.09.2021 05:00
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Leserbrief
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Alte Dorfkirche ist entrümpelt

Das Unfassbare ist bittere Realität! Was viele nicht für möglich gehalten haben, ist nun vollbracht. Die alte Dorfkirche in Laudenbach ist „entrümpelt“ – genauso wie es der Architekt schon 2018 schriftlich formuliert hat. Als ich durch die weit geöffnete Kirchentür ins Innere blickte, bot sich mir ein apokalyptisches Bild. Es schauderte mich. Im Altarraum sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen: Kein Altar, keine Balustraden und auch kein Taufstein mehr!

An den teils schon zerstörten Treppenstufen ein rumänischer Arbeiter mit einem dröhnenden Presslufthammer. Sein junger Helfer schaffte alles mit einer Schubkarre nach draußen in einen Schutt-Container. Mit leerem, fassungslosem Blick bestätigte mir der Ältere, dass seine Firma mit den Abbrucharbeiten beauftragt ist.

Ihm selbst ist wohl intuitiv bewusst, was die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf ihrer Website schreibt: „Denkmale schützen heißt, unsere kulturelle Identität zu schützen und zu bewahren. Denkmale zu schützen, bedeutet auch, Geschichte, Geschichten und Zeitgeist an authentischen Orten der Erinnerung lebendig zu halten. Und Denkmale zu schützen meint, die Kunstfertigkeit und kreative Kraft der Menschen zu bewahren“.

Völlig unverständlich bleibt in diesem Zusammenhang auch die Mitteilung des Leiters der Abteilung Bau, Kunst und Umwelt im EOK, der in der ekiba-Zeitschrift 7/21 des Oberkirchenrates in Karlsruhe für dieses Jahr ein „Bau-Moratorium“ ausgerufen hat, eine Ruhephase für alle Bauprojekte, die noch nicht begonnen wurden.

Und was wird jetzt aus der Vorgabe des Denkmalamtes, dass ein Ort in der Kirche gefunden werden soll, an dem die Prinzipalstücke von 1936 dauerhaft aufbewahrt werden können? Wo bleiben die erhoffte Vernunft, Einsicht und der Weitblick der Verantwortlichen, unsere alte Dorfkirche gemäß der Satzung des Fördervereins und – wie es das Landesamt für Denkmalpflege formuliert hat – „als Zeitzeugnis mit Seltenheits- und Mahnmalcharakter“ zu erhalten, nicht zuletzt wegen persönlicher lebendiger Erinnerungen und dem Gefühl des Zuhause- und Geborgenseins in diesem Kirchenraum?

Rosemarie Schwarz, Ober-Laudenbach

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