Bahl spricht von der „Trostpflaster-Methode“
Lindenfels, 04.08.2017
Diesen Artikel
04.08.2017 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Leserbrief
27

Lindenfels. „Lindenfels steht symbolisch für die ländlichen Regionen in Hessen, im Grunde für die Auswirkungen einer Struktur zerschlagende Gesundheitspolitik in ganz Deutschland“, kritisiert Bundestagskandidat Sascha Bahl (Die Linke) zum Jahrestag der Schließung des Luisenkrankenhauses. Es habe konkrete Ideen und Ansätze gegeben, um der Odenwälder Region zumindest eine abgespeckte Version einer Klinik, in Form von Luise Light, zu erhalten. „Was jedoch folgte, war nicht die Unterstützung die man als Wähler und Steuerzahler hätte erwarten sollen, sondern leere Versprechungen.“

Kreistagsabgeordnete Christiane Hennrich: „Wir hatten es mit einer Landes- und Kreispolitik zu tun, die sich vor der Verantwortung drückte und dann alle Initiativen und alle Arbeit der Menschen vor Ort vom Tisch fegte. Die herrschende Politik trägt die Verantwortung für die gesundheitliche Versorgung der Menschen und hat auch in der ländlichen Region für ein im Verhältnis zur Bergstraße, gleichwertiges Gesundheitsnetz zu sorgen.“

„Medial aufbereitetes Pudern“

Es finde weiterhin keine Planung statt, welche und wie viele Krankenhäuser benötigt werden und wie diese die gesundheitliche Versorgung, gemeinsam mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in der Region erbringen können. Daran ändere auch das „medial aufbereitete Pudern“ des Heppenheimer Kreiskrankenhauses nichts – die ländliche Region solle weiterhin auf ein Odenwälder Krankenhaus verzichten lernen.

Das Krankenhausstrukturreformgesetz des Bundes stelle einen Strukturfonds mit 50 Prozent Landesmitteln zur Verfügung, um Krankenhäuser und Betten abzubauen. Dafür werde eine Milliarde Euro bundesweit zur Verfügung gestellt – „dafür gibt es Geld und nicht für die Rettung kleinerer ländlicher Kliniken“, sagt Hennrich.

„Gefährdung der Gesundheit“

Sascha Bahl weiter: „Gerade gesundheitspolitisch gibt es so vieles was dringend in Angriff genommen werden muss: Personalmangel, Hygieneprobleme, überforderte und ausgelaugte Pflegekräfte und die Gefährdung der Gesundheit bei Patientinnen und Patienten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Die Behauptung, die Gesundheitsausgaben würden wegen der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts nicht mehr bezahlbare Dimensionen annehmen, sei definitiv falsch, denn gemessen am Bruttoinlandsprodukt sei der Anteil der Gesundheitskosten sogar deutlich zurückgegangen. Die Länder kämen ihrer Pflicht, die Investitionskosten der Krankenhäuser zu finanzieren, nicht nach. „Bundesweit fehlen weiterhin zwischen 28 und 60 Milliarden Euro für die investive Tätigkeit der Kliniken“, so Bahl.

Mit Begrifflichkeiten wie MVZ oder NOVO werden versucht, nach der Klinikschließung mit der „Trostpflaster-Methode“ Ruhe in die Thematik hinein zu tragen. „Die Linke verurteilt es scharf, dass der Schließung von kleineren ländlichen Kliniken weiterhin kein Einhalt geboten wird“, heißt es am Ende der Pressemitteilung des Bergsträßer Parteiverbandes.

SOCIAL BOOKMARKS
04.08.2017 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Ihre Meinung interessiert uns