Banküberfall in den Quadraten
Mannheim, 30.07.2020
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30.07.2020 05:00
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Leserbrief
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Mannheim. Ali El Kathib hat alles auf Video. „Man sieht, wie die zwei Täter da reingehen“, sagt der Inhaber eines Friseurgeschäfts und zeigt auf die Western-Union-Bank auf der anderen Straßenseite in U 2. Die Kamera über der Eingangstür seines Ladens habe das, was sich am Mittwochmorgen um 8 Uhr in den Mannheimer Quadraten ereignete, aufgezeichnet.

Er sei gegen 9 Uhr in den Laden gekommen, „da war hier schon alles voll Polizei. Ich dachte: Was ist da nur passiert“. Lange anschauen konnte sich Kathib sein Filmmaterial nicht: „Die Polizei hat alles mitgenommen.“

Mit einem Großaufgebot machen sich die Beamten auf die Tätersuche, auch ein Hubschrauber kreist über der Stadt. Ein Tatverdächtiger wird schnell am Morgen gefasst, ein weiterer im Verlauf des Vormittags. Details zu den Festnahmen nennt die Polizei nicht. Für den Nachmittag wird eine gemeinsame Erklärung mit der Staatsanwaltschaft zu den Einzelheiten des Banküberfalls angekündigt, die aber nicht kommt. Auf Nachfrage teilte das Polizeipräsidium nur mit, dass sich der Tatverdacht gegen die beiden Festgenommenen soweit erhärtet habe, dass sie an diesem Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden sollten.

„Hier passiert ständig was“

Die Absperrung des Straßenabschnitts zwischen T 2 und U 2 ist bereits gegen 11.30 Uhr wieder aufgehoben. Nur noch vor dem Eingang der Bank flattert das rot-weiße Polizeiband. Es ist eine kleine Filiale, sie sieht eher wie ein normaler Eckladen aus. Kriminaltechniker in Schutzanzügen gehen rein und raus. Das sorgt in der belebten Innenstadt, keine 50 Meter von der Breiten Straße entfernt, für Aufsehen. „Corona?“, fragt ein Mann im Vorbeigehen besorgt. Als er hört, dass es sich um einen Banküberfall handelt, wirkt er erleichtert.

Kathib, der Friseur, ist indes immer noch leicht geschockt. „Hier passiert ständig irgendwas. Aber ein Banküberfall, direkt vor meiner Tür, das ist schon krass.“ Eine Anwohnerin erzählt, sie sei furchtbar erschrocken, als sie nach dem Aufstehen gegen 8.30 Uhr das Fenster geöffnet habe. „Da standen lauter Männer mit Maschinengewehren draußen. Ich dachte: Oh je, was ist da wieder los?“ Ein junger Passant fragt in etwas holprigem Deutsch, was passiert sei. Im zweiten Anlauf versteht er die Antwort. „Banküberfall? Viel Geld genomm’?“

Als er hört, dass das noch unbekannt sei, dankt er und will weiter. Doch im letzten Moment dreht er sich noch mal um. „Mannheim“, sagt er und hebt grinsend die Schultern. Man müsste ihm jetzt ja eigentlich erklären, dass die jüngeren Kriminalitätsstatistiken eine etwas andere Sprache sprechen und die Mannheimer Innenstadt jedenfalls besser als ihr Ruf ist. Aber da ist der junge Mann auch schon weg.

Von Steffen Mack

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30.07.2020 05:00
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