Benefizkonzert von „Save Ukraine“
Weinheim, 29.11.2022
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29.11.2022 05:10
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Weinheim. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges versuchen Viktoria Stelzer, Victoria Fischer und weitere Frauen aus der Ukraine, die schon vorher in Deutschland lebten, Hilfe für ihr Heimatland zu organisieren. Sie starteten das Projekt „Safe a Life“ (Rette ein Leben), gründeten in Weinheim den Verein „Save Ukraine“ und sammeln Spenden für die von Frauenärztin Viktoria Stelzer entwickelten Geburtstaschen, die bei Entbindungen in Ausnahmesituationen zum Einsatz kommen. Am Sonntag lud der Verein zu einem Benefizkonzert mit ukrainischen Musikern in die Alte Druckerei ein.

Rund 90 Besucher waren am Abend des ersten Advent gekommen, darunter viele Frauen aus der Ukraine, die vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen sind. „Musik hält zusammen“ war das Motto des Abends, das auch die Verbundenheit zwischen Deutschen und Ukrainern zum Ausdruck bringen sollte. Gleich zu Beginn wurde es dunkel, nur noch die Teelichter auf den Tischen boten ein wenig Orientierung. „Kein Licht, kein Strom, kein Wasser“ – das sei angesichts der Raketenangriffe auf die Infrastruktur in vielen ukrainischen Städten die Realität, erklärte Viktoria Stelzer, bevor Samyr Sakyiv auf der Geige eine traurige Melodie anstimmte und die 16-jährige Schülerin Sofia Lyabakh auf dem Klavier ein Stück präsentierte, das sie vor ihrer Flucht während eines Bombenangriffs im Keller eines Hauses in Butscha spielte, um den Menschen Kraft zu geben.

Pathos und Nationalstolz

Mit dem deutschen Kirchenlied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ spannte die Sängerin Anna Dobla den Bogen zum Publikum, das den Refrain auch leise mitsang. Pathos und Nationalstolz, Hoffnung und Leidenschaft prägten im ersten Teil des Abends die Lieder und Redebeiträge, welche meistens sowohl auf Deutsch als auch auf Ukrainisch vorgetragen wurden.

Vieles war improvisiert, da eine Sängerin kurzfristig abgesagt hatte, die geplante Diashow des Kunstprojekts „Verlorene Kindheit“ an der Technik scheiterte und sich auch der Auftritt der ukrainischen Brüder Dymytro und Nasarij Jaremchuk unerwartet verzögerte.

Die Aktiven des Vereins „Save Ukraine“ gaben sich große Mühe, dem Motto des Abends gerecht zu werden. Doch als der singende Musikmanager Oleksandr Zaychenko den zweiten Teil des Abends mit Schlagern einleitete, bei denen er sich so offensichtlich nur an die Ukrainerinnen im Publikum wandte und alle Übersetzungsversuche übertönte, lichteten sich von Lied zu Lied die Reihen, was auch die Brüder Jaremchuk nicht mehr aufhalten konnten. Das war auch deshalb besonders schade, weil das Engagement des Vereins „Save Ukraine“ jede Unterstützung verdient. Berührende Einblicke gewährte die im Nebenraum gezeigte Ausstellung „nEU starten“, die Menschen vorstellt, deren Leben sich wegen des russischen Angriffskriegs radikal verändert hat – so wie zum Beispiel der Text der siebenjährigen Sophia, die am ersten Kriegstag mit ihren Eltern aus Odessa fliehen musste: „Ich konnte nicht verstehen, warum wir so schnell wegfahren sollten und warum ich keine Spielsachen einpacken durfte. Bis heute vermisse ich meine Spielsachen, und meine Mama entschuldigt sich täglich dafür.“ pro

Das Spendenkonto des Vereins „Save Ukraine“ hat die IBAN:
DE29 6709 2300 0034 0614 24.

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