Blick über den Tellerrand
03.02.2020
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03.02.2020 18:11
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Leserbrief
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Leserbrief: Nur ein Geschäftsmann

WN/OZ vom 25. Januar

In seinem Leserbrief zu dem Vortrag „Die größten Mythen der Onkologie“ in Bensheim kritisiert Dr. Trojan eine „völlig unkritische“ Ankündigung der Veranstaltung durch WN/OZ. Er hätte „nach einer kurzen Recherche im Netz“ festgestellt, dass der Referent „Pseudomedizin“ und „Verschwörungstheorien“ propagiere und zudem kein Akademiker sei. Der Referent, der kein Arzt ist, sondern „nur“ Krankenpfleger, hat sich für seine umfangreichen Recherchen in über 50 Ländern jedenfalls deutlich mehr Zeit genommen, nämlich über 20 Jahre. Bei der Darstellung der klassischen Krebsbehandlungsmethoden und deren Ergebnisse bezieht er sich ausschließlich auf wissenschaftliche Fallstudien, die Geschichte der Onkologie sowie offizielle statistische Zahlen. Im Gegensatz zu Herrn Dr. Trojan habe ich mir den Vortrag angehört und kann daher berichten, dass Herr Hirneise nachdrücklich darauf hinweist, dass er niemandem von den klassischen Behandlungsformen abrät, sondern es ihm vielmehr darum geht, vielversprechende Ansätze wissenschaftlicher Krebsforschung jenseits der allgemein vertretenen Theorie von Gendefekten als Krankheitsursache mehr zu beachten und den Blick bei der Krebstherapie darüber hinaus auch stärker auf wichtige Themengebiete wie zum Beispiel die Ernährungsoptimierung und erfolgreiche psychologische Ansätze zu richten. Gerade dies wird in der Ausbildung und späteren Praxis von Ärzten wohl eher vernachlässigt. Ich jedenfalls wünsche mir mehr Ärzte, die diesen Blick über den Tellerrand wagen. Der etablierte wissenschaftliche „Konsens“ wurde in der Geschichte der Menschheit immer erst hartnäckig verteidigt, bevor er durch neue Erkenntnisse erweitert oder sogar ersetzt wurde.

Alternative Heilmethoden oder neue, vielversprechende Ansätze sollten nicht länger als „Pseudomedizin“ oder „Verschwörungstheorie“ verunglimpft werden. Es gibt viele Fälle von „austherapierten“ Krebspatienten, die aufgrund ihrer Bereitschaft, sich eben auf diese alternativen Behandlungsansätze einzulassen, überlebt haben. Grundsätzlich halte ich Aufgeschlossenheit, die Bereitschaft, dazuzulernen sowie Respekt und Achtsamkeit im Miteinander für ganz wichtig.

Marlies Brinkmeier, Weinheim

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