Das Badeverbot bleibt
Mannheim, 29.07.2015
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29.07.2015 01:20
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Leserbrief
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Mannheim. Der „Förderverein Mannheimer Strandbad“ hat an die Stadt appelliert, das Badeverbot im Rhein aufzuheben und das Schwimmen „auf eigene Gefahr zu erlauben“. Vorsitzende Gisela Korn-Pernikas sprach in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, der Verein erwarte „Verständnis für dieses Grundbedürfnis unserer Bevölkerung“. Stadt und Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) widersprechen dem unter Hinweis auf die Gefahren.

„Mannheim wirbt zu Recht seit Jahren damit, die Stadt an den zwei Flüssen zu sein“, heißt es in dem Brief des Vereins. Das Strandbad sei „ein besonders schöner Ort, der einlädt, sich dort kostenlos niederzulassen“. Als man das Badeverbot erlassen habe, seien der Grund fehlende Kläranlagen und Industrieverschmutzungen gewesen. „Aber damals wie auch heute hat sich eine große Zahl alter Strandbadler nicht abhalten lassen, in ihrem Rhein zu schwimmen“, schreibt Gisela Korn-Pernikas, zumal sich die Wasserqualität längst gebessert habe.

Zwar hält der Verein eine deutlich erkennbare Trennungslinie zwischen Schifffahrtsrinne und Badebereich für notwendig. „Gefährlich sind dabei in der Regel nicht die großen Frachtschiffe, sondern vielmehr die teils unverantwortlich nahe am Rand fahrenden, schnellen und übrigens auch sehr lauten Sportboote und Jet Skis“, glaubt die Vorsitzende. „Der freie Zugang zu gutem Wasser ist unseres Erachtens ein hohes Gut“, argumentiert der Verein.

Das Leben berge viele Gefahren, und auch wenn die Kommunen auf ihre Fürsorgepflicht verweisen, „müssen sie abwägen, inwieweit sie die Freiheit und die Selbstverantwortung der Menschen einschränken dürfen“, so Gisela Korn-Pernikas. „Mit zunehmenden Hitzeperioden ergibt sich am Strandbad dann immer häufiger die geradezu paradoxe Situation, dass die Bürger am Strand liegen, vor sich sauberes kühles Wasser sehen und nicht darin schwimmen dürfen“.

Daher werde „keine Behörde auf Dauer dieses Badeverbot durchsetzen können“, zumal „von gefährlichen Strömungen und Strudeln nichts zu merken“ sei und es „unseres Wissens nach keine Unfälle oder gar Tote zu beklagen“ gebe.

Darüber kann Thorsten Großstück nur mit dem Kopf schütteln. Vehement widerspricht der Technische Leiter Wasserrettung der DLRG dem Verein. „Alleine der Sog und Wellenschlag stellen in Ufernähe eine erhebliche Gefahr dar. So können nicht nur Kinder und Nichtschwimmer schnell von der Strömung erfasst werden und in Not geraten, selbst erfahrene Schwimmer kommen gegen diese Kräfte kaum an“, hat er selbst oft gespürt. Da helfe auch keine „Badezone“.

Nach seinen Angaben gibt es „einem sicheren Ertrinkungsunfall innerhalb der letzten 15 Jahre“ sowie „zahlreiche beinahe Ertrinkungsfälle“. Ober- und unterhalb des Strandbades befänden sich Buhnenfelder, die Strömungen und Strudel verursachen. „Insgesamt nimmt die Strömung zum anderen Ufer hin extrem zu und erreicht im Bereich der Fahrrinne schnell über 2,5 Meter pro Sekunde“, warnt Großstück.

Zudem sei der Rhein eine stark befahrene Binnenschifffahrtsstraße. „Es kommt doch auch niemand auf die Idee auf der Autobahn spazieren zu gehen“, wundert sich Großstück: „Nur weil die Schifffahrt sich augenscheinlich langsam fortbewegt ist sie nicht weniger gefährlich!“ Die DLRG halte ein Badeverbot im Bereich des Strandbades daher für „absolut geboten“.

Im Rathaus gibt es auch keine Pläne, das zu ändern. Das Strandbad könnte schon allein nach der Badegewässerverordnung des Landes aufgrund der Keimbelastung durch Einleitungen von Kläranlagen nicht als offizielle Badestelle freigegeben werden, so eine Sprecherin. „Außerdem ist das Baden alleine durch den regen Schiffsverkehr verursachten Sogströmungen viel zu gefährlich“, erklärt sie. pwr

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