„Dass jeder Mensch sehr wertvoll ist ...“
Nieder-Liebersbach, 03.12.2019
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03.12.2019 05:00
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Nieder-Liebersbach. Mit Gesang und Musik haben die Chöre der SVG zusammen mit Gästen am vergangenen Sonntagabend ihre Zuhörer auf den Advent eingestimmt. Anderthalb Stunden lang erfüllten Chorgesang und solistische Beiträge die voll besetzte katholische Kirche St. Wendelin in Nieder-Liebersbach. Immer wieder ging es dabei um die Weihnachtsbotschaft vom Kind in der Krippe („Child in a Manger“) und vor allem um das Licht in der Dunkelheit.

„Es naht ein Licht“, lautete das Thema des Konzerts. Passend dazu war die Kirche an diesem Abend in ein dezentes Licht getaucht, entlang des Mittelgangs brannten Windlichter, im Chorraum gaben leuchtende Girlanden einen Vorgeschmack auf den kommenden weihnachtlichen Lichterglanz, die erste Kerze am Adventskranz brannte. Auch innerlich wurde es den Zuhörern da warm ums Herz. In das Magnificat, „Kommet, ihr Hirten“ und den Klassiker „Alle Jahre wieder“ stimmte das Publikum selbst mit ein. So vereinten sich Chöre und Publikum zu einem großen Klangkörper, in dem auch Gäste des Brüdervereins Sängerlust mitsangen.

Dudelsack fürs Wohnzimmer

Gleich zu Beginn des Abends gab es ein musikalisches Schmankerl. Drei Hümmelchen eröffneten das Konzert mit Gaudete (Freuet euch). Wolfgang Behse, Benjamin Korb und Jan Kotulla spielten dieses Instrument, eine Art Dudelsack fürs Wohnzimmer. Diese Sackpfeife war zur Zeit der Renaissance auch im Odenwald verbreitet und wird heute wieder in Lindenfels produziert. Als die letzten Hümmelchen-Akkorde verklungen waren, übernahmen die Chöre und sangen das Werk aus dem 16. Jahrhundert.

Der Mittwochschor unternahm in zwei Abschnitten eine musikalische Reise in viele Länder der Welt, sang unter anderem „Jetzt fangen wir zum Singen an“ aus Österreich, „Zumba, zumba“ aus Spanien und „Petit Papa Noel“ aus Frankreich. Ria Günther, die Dirigentin der SVG-Chöre, hatte an diesem Abend auch ihre beiden Töchter Julia und Lara Süß mitgebracht, die wie sie selbst Gesang studiert haben. Ihre sechs Beiträge zu dritt waren ein regelrechter Ohrenschmeichler.

Die Palette ihrer Beiträge reichte dabei vom Engelsterzett „Hebe deine Augen“ aus dem Elias-Oratorium von Mendelssohn Bartholdy über eine moderne Fassung des norwegischen Adventsliedes „Velsignet“ bis hin zur alpenländischen Weise „Es naht ein Licht“, zugleich Motto des Abends. Mit ihrer glockenklaren Sopranstimme ließ Monika Helfmann, die Vorsitzende der Chöre, im Solo „Panis angelicus“ von César Frank erklingen.

Der FUNtastiChor eröffnete den zweiten Teil des Konzerts mit „Spirit of Brotherhood“, einer Komposition von Matthias Böhringer. Der Text ist ein Appell an die Menschheit, unabhängig von allen Unterschieden zusammenzustehen und gemeinsam für die Menschenrechte einzutreten.

„Dabeisein“ als Chorfassung

Was dann folgte, war eine Premiere. Zum ersten Mal erklang das Lied „Dabeisein“ von Michael Böhler, der an der Gitarre begleitete, in einer vierstimmigen Chorfassung, arrangiert von Ria Günther. Die zentrale Botschaft lautet, „dass jeder Mensch sehr wertvoll ist“. Beifall und Bravorufe würdigten die Interpretation dieses Ohrwurms, der viele Besucher vermutlich auch noch auf dem Nachhauseweg begleitet haben dürfte. Mit dem Spiritual „This Little Light of Mine“ erreichte das Konzert einen schwungvollen Höhepunkt, um mit dem von beiden Chören gemeinsam gesungenen „All Night, all Day“ ruhig und besinnlich auszuklingen.

„Große Bandbreite“

„Das war ein wunderschönes Erlebnis mit einer ganz großen Bandbreite“, würdigte Pfarrer Hans-Georg Geilersdörfer zum Abschluss. Mal ganz begeistert und dann wieder ganz besinnlich sei es den Ausführenden gelungen, auf die Adventszeit einzustimmen. „Unsere Chöre lieben diese Kirche, weil sie eine sehr schöne Akustik hat, und wir stellen sie ihnen gerne zur Verfügung“, sagte Geilersdörfer, dessen evangelischer Amtsbruder Dieter Wendorff ebenfalls unter den Gästen weilte. „Wir haben den Abend sehr genossen und empfanden die Darbietungen als eine sehr gelungene Einstimmung auf den Advent“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SVG, Matthias Geiß, der mit seiner Frau Anna zum Konzert gekommen war: „Die unterschiedlichen Stilrichtungen sorgten für einen sehr kurzweiligen und abwechslungsreichen Abend.“

Weil das alles nicht ohne sie möglich gewesen wäre, erhielt Ria Günther am Ende nicht nur einen Blumenstrauß, sondern einen Extra-Beifall vom Publikum und von den Mitwirkenden für die musikalische Gesamtleitung eines außergewöhnlichen Abends zum Auftakt des Advents. hje

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