„Der Geist ist willig“
07.05.2022
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07.05.2022 05:00
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Leserbrief
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Kaum bereit zum Sparen

WN/OZ vom 4. Mai

Am 4. Mai war es so weit. Deutschland hat für dieses Jahr rechnerisch seine regenerativen Ressourcen verbraucht und lebt ab diesem Tag bis Ende des Jahres auf Pump der zukünftigen Generationen. Gut, dass wir die armen Länder auf der Südhalbkugel haben – so wird der „Erdüberlastungstag“, global gesehen, erst im Juli erreicht sein. Laut WN vom 4. Mai sind nur 14 Prozent der Bevölkerung bereit, Energie/Wärme, und 11 Prozent bereit, Strom zu sparen. Dabei lassen sich durch einfache, abschaltbare Steckdosenleisten unnötiger Standby-Verbrauch und Geld sparen (in den letzten 20 Jahren habe ich dadurch circa 2000 Euro zurückgelegt – ist doch was, oder?). Aber Menschen ticken nicht nach logischen Gesichtspunkten, eher nach dem Motto: „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“. Effektiver scheint mir das Handeln vor Ort zu sein. Die (Kommunal-)Politik und das Unternehmertum sind jetzt gefragt, wenn der einzelne Bürger die Energiewende (noch) nicht mittragen kann beziehungsweise finanziell nicht in der Lage dazu ist. Beim Betrachten der Weinheimer Dächer über Google Maps ist es ernüchternd, ja erschreckend, welches ungenutzte Potenzial an Energie brachliegt! Teils wird argumentiert, dass eine Begrünung der Dächer ja vollkommen reicht. Aktuelle Untersuchungen ergeben, dass aufgrund des Kühleffekts und geringerer Staubbelastung auf begrünten Dachflächen, eine PV-Anlage sogar 5 Prozent mehr Ertrag erwirtschaften kann. Das Flächenpotenzial auf öffentlichen Gebäuden (GRN-Klinik, Schulen, Kitas; das Privatgymnasium und die Gewerbeschulen haben übrigens PV-Anlagen) und Gewerbe/Industrie ist riesig (Baugenossenschaft, NH Hotel, Volksbank, Firma Roller, Firma Freudenberg, Weinheim Galerie bis hin zur Senioren-Residenz). Aber es gibt auch dort Vorbilder wie Globus, Bäckerei Hug, Aroma. Eine PV-Anlage zu mieten anstatt zu kaufen, geht übrigens auch. Bei einem PV-Anteil am Strombedarf von 14 Prozent im April 2022 und circa 10 Prozent übers Jahr gerechnet, ist noch viel Luft nach oben. Packen Sie’s an! Der Strombedarf wird steigen, und wir wollen ja auch weg vom russischen Gas.

Ralf Hilpert, Weinheim

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