Die Erlebnisse der Waschbärenbande
Großsachsen, 28.09.2022
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28.09.2022 05:15
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Großsachsen. „Ich will ein Autogramm!“ „Krimi, Krimi, Krimi!“ Die Lesung von Kinderbuchautorin Judith Allert für die Klassen 2 a und b der Großsachsener Grundschule hatte noch gar nicht begonnen, da ging es schon hoch her im Klassenraum. „So weit sind wir noch gar nicht, ihr Nervensägen!“, lachte die Schriftstellerin. Schließlich wollte sie sich den Mädchen und Jungen erst einmal vorstellen und dann aus ihrem Buch „Die Waschbärenbande“ vorlesen. Eingeladen worden war sie von der Gemeindebücherei.

Die Lesung erfolgte in Kooperation mit der Fachstelle für Bibliothekswesen des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Schon in frühester Kindheit war Judith Allert klar: Sie möchte einmal Kinderbücher schreiben. Ihre ersten Exemplare – selbstgeschriebene, -gemalte und auch -gebastelte Minibüchlein – hat sie der Oma geschenkt. Als Beweis gab es Fotos, die von den Kindern bestaunt wurden.

Nach dem Abitur studierte die 1982 in Oberfranken geborene Allert Literaturwissenschaften, Linguistik und Soziologie. 2008 erschien ihr erstes Buch. Begeisterungsrufe aus den Reihen der Kinder gab es, als die Autorin Einblick in ihr Wohnumfeld gab: Mit ihr zusammen wohnen nämlich jede Menge Tiere – die Henne Auguste, die beiden Wollschweine Krümel und Fussel, Hunde, Katzen, Pferde. Jedes Foto wurde von den Kindern gefeiert. Dass die gefiederten und die vierbeinigen Mitbewohner eine prima Vorlage für Kindergeschichten sind, liegt auf der Hand. Das Huhn Auguste legt in einem der mittlerweile rund 80 erschienen Bücher der Schriftstellerin magische Eier, Hündin Alma wurde zu „Tofu, dem Superhund“. Die beiden Schweine finden sich sogar in einer dreiteiligen Buchreihe wieder. Das erste Buch, dass die sympathische Frau in dem originellen Kleid mit den Katzengesichtern schrieb, handelte allerdings von Tieren, die man in der Regel nicht zuhause hält: von Einhörnern.

Zum Vorlesen hatte Judith Allert das Buch von „Der Waschbärenbande“ mitgebracht. Ein Leserabe-Exemplar. Bruno und Lotte leben mit Hund Schnuck auf dem Land, sind dort glücklich, spielen gern in der Natur. Der Neue, Paul, kommt aus der Stadt, hat ein Handy und ein Skateboard und scheint – zumindest auf den ersten Blick – ganz schön arrogant zu sein. Judith Allert bezog die Kinder wunderbar in die Lesung mit ein, unterbrach immer wieder und ließ die Kinder raten, was wohl als Nächstes geschehen würde, fragte, warum etwas so oder so war.

Warum etwa trug Paul im Sommer eine Wollmütze? „Wenn er so schnell mit dem Skateboard fährt, da weht ja schon ein heftiges Lüftchen“, mutmaßte ein Kind. Und was denken die beiden Dorfkinder über den Neuen? „Sie denken, dass er gar nichts mit ihnen anfangen will.“ „Sie denken, er ist dumm.“ „Er ist ein Angeber.“ Als Paul sich im Dunkeln an den Bauwagen, das Hauptquartier der beiden, schleicht, vermuten die meisten, dass er dort etwas anstellen oder kaputt machen möchte. Doch ein Junge liegt richtig: „Vielleicht will er kaputte Sachen reparieren“, überlegt er – und hat recht. Als dann noch ein Waschbär auftaucht, werden die drei Freunde und haben auch gleich den passenden Namen für ihre Bande gefunden.

Die Kinder in Zaum zu halten erwies sich als gar nicht so leichtes Unterfangen. Lang reichte die Konzentration bei den wenigsten zum ruhigen Zuhören. „Habt ihr Fragen?“, wollte Judith Allert wissen. „Darf ich aufs Klo?“, war sicher nicht die Art der Frage, auf die sie gehofft hatte. „Zappelt euch mal aus“, forderte sie dann die arg unruhig gewordenen Kinder auf. Nach ein bisschen Hüpfen und Arme-durch-die-Gegend-schleudern ging es dann noch ein bisschen.

Viel wollten die Mädchen von der Autorin wissen: Ob sie die Bilder in den Büchern selbst gemalt hat? Nein, das übernehmen Illustratoren. Macht ihr das Schreiben Spaß oder ist es eher anstrengend? „Schreiben macht mir Spaß, wenn mir etwas einfällt.“ Wenn nicht, sei es mitunter auch anstrengend. Und das lange Sitzen am Computer sei auch nicht immer ganz ohne, so die Autorin.

Wie ihr Mann mit Vornamen heißt und wie die beiden Pferde, wollten einige wissen. „Bist du berühmt?“, fragte ein Kind, was sie verneinte. Die meisten Menschen würden schließlich nur ihre Bücher kennen, aber nicht sie selbst. Die Kinder lernten, dass man einen Verlag braucht, um Bücher zu veröffentlichen, dass nicht alle Ideen gleich gut ankommen bei den Verlegern und manche Texte noch unveröffentlicht im Allert’schen Computer schlummern. Und wie lange braucht sie so für ein Buch? Das sei ganz unterschiedlich. So eine kleine Leserabengeschichte wie die von der Waschbärenbande schreibe sie innerhalb einer Woche runter, verwende dann aber sehr viel Zeit damit, am Text herumzufeilen. Für einen Roman von 200 Seiten benötige sie in etwa ein Vierteljahr. Zu ihren eigenen Lieblingsbüchern gehört „Ronja Räubertochter“. Und am Ende der Lesung gab es dann für alle die nonstop immer wieder lautstark geforderten Autogrammkarten für alle. awa

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