Die „Glanzzeit des Vororts“
Mörlenbach, 07.02.2020
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07.02.2020 05:00
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Mörlenbach. Als vor einigen Jahren bei Umbauarbeiten im Bereich der im Ortskern von Mörlenbach gelegenen Grundschule zahlreiche Skelette zutage kamen, wurde dies – wie mehrfach berichtet – der Startschuss zu umfangreichen Forschungen zur Frühgeschichte Mörlenbachs und des Weschnitztals. Darüber berichtet nun auch das neue Sonderheft „Mörlenbach als Vorort im Mittelalter – Ein Beitrag zur Entwicklung von Villikation, Kirchspiel und Zent im südwestlichen Odenwald“ der vom Breuberg-Bund herausgegebenen Zeitschrift „Der Odenwald“.

Naturwissenschaftliche Untersuchungen der Mörlenbacher Skelette erbrachten das überraschende Ergebnis, dass es sich um einen bis dahin unbekannten Friedhof aus dem 13. und 14. Jahrhundert handelt, der durch das heute nicht mehr erhaltene Mörlenbacher Schloss überbaut wurde. „Der heute noch leicht erkennbare Schlosshügel erweist sich somit überraschend als historischer Ausgangspunkt des Dorfes“, heißt es im Pressetext des Breuberg-Bundes dazu.

Der Hügel hatte zunächst den Herrenhof des Reichsklosters Lorsch getragen, aus dem sich zu unbekannter Zeit das Mörlenbacher Wasserschloss entwickelte. Im 15. Jahrhundert wurde Mörlenbach von den Erzbischöfen von Mainz sogar zu einer befestigten Stadt ausgebaut, 1459 erfolgte schließlich eine Verleihung von Stadtrechten durch den Erzbischof, um die Ansiedlung zusätzlicher Einwohner zu fördern. Bis zum Dreißigjährigen Krieg galt Mörlenbach sodann als „Stadt“. Dieser kurzen „Glanzzeit“ Mörlenbachs geht das Sonderheft ausführlich nach.

Die Publikation behandelt zudem die mittelalterliche Erstbesiedlung des im Odenwald weiter östlich gelegenen Ulfenbachtales, die aus ihrer Sicht erst im 12. Jahrhundert, und zwar gleichzeitig aus Norden, Westen (aus Mörlenbach) und Süden erfolgte.

Wald-Michelbach und weiter nördlich Affolterbach mit der Wasserburg Waldau bei Wahlen waren dort, wie das Sonderheft ausführt, die wichtigsten Siedlungen.

Die Erschließung und Besiedlung des Ulfenbachtales wird vom Autor des Sonderheftes, Thomas Steinmetz, nicht zuletzt auf die dortigen Eisenerzvorkommen zurückgeführt, die im Raum Wald-Michelbach noch um 1900 abgebaut wurden. Aus dem Jahre 1264 berichtet eine Urkunde, dass Wald-Michelbach deshalb sogar zur Stadt erhoben werden sollte, was indessen nicht realisiert wurde.

Das mit zumeist farbigen Abbildungen, fünf Karten und Plänen sowie drei Tabellen ausgestattete Heft lässt die Frühgeschichte von Weschnitztal und Ulfenbachtal „in einem bisher völlig unbekannten, neuen Licht erscheinen und behandelt von daher die Frühgeschichte aller dortigen Siedlungen“, heißt es abschließend.

Das Sonderheft hat 68 Seiten und kann über die Geschäftsstelle des Breuberg-Bundes, Ernst-Ludwig-Straße 2-4 in 64747 Breuberg oder den Buchhandel sowie über das Internet unter www.breuberg-bund.de bezogen werden, wo auch weitere Informationen zu bekommen sind.

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