Die Zukunft liegt im hybriden Arbeiten
Weinheim, 04.12.2021
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04.12.2021 05:10
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Leserbrief
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Weinheim. Homeoffice? Für Dr. Heike Dahlmann (56) aus Ritschweier ist das – ganz persönlich betrachtet – schon fast ein alter Hut. Als ihre drei Töchter klein waren, machte sich die Ärztin und Psychotherapeutin als Beraterin und Coach selbstständig – und arbeitete viel von zuhause aus. Nun sind ihre Kinder längst erwachsen und das Thema „Arbeiten von zuhause“ beschäftigt seit Beginn der Coronapandemie fast die gesamte (Arbeits)Welt. Ihre langjährigen Erfahrungen hat Dahlmann deshalb in ein Buch gepackt. „Homeoffice – 101 Praxistipps. Wie du nie wieder anders arbeiten willst“ heißt der 145 Seiten umfassende Ratgeber.

Die Idee kam Heike Dahlmann im ersten Lockdown. Allerdings sollte das Buch nicht nur auf ihren eigenen Erfahrungen beruhen. „Ich habe mich sehr viel mit Freunden, Bekannten und mit Klienten unterhalten und wissen: Wie macht ihr es im Homeoffice?“ Was braucht man, um gut von zuhause aus zu arbeiten? Was belastet, was tut gut? Im Juli 2020 begann sie schließlich mit dem Schreiben.

Herausgekommen ist ein praxisnahes Buch, das tatsächlich viele Facetten beleuchtet und einen Leitfaden an die Hand gibt, wie man sich, seine Arbeit und gegebenenfalls auch das Umfeld wie die Familie organisiert. Angefangen von Tipps, wie man das Homeoffice einrichtet, wie man Unfällen vorbeugt, welche Übungen beim Entspannen helfen und wie man auch die gesunde Ernährung nicht vernachlässigt. Ergänzt werden diese Tipps mit Zitaten und Erfahrungsberichten.

Motivation ist gefragt

Besonders schön und besonders schwierig am Homeoffice sei die Motivation, sagt Dahlmann. „Es gibt Menschen, die sind im Homeoffice deutlich produktiver und kreativer. Andere wiederum haben Probleme, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren.“ Letzteren zu helfen, sei wiederum Aufgabe der Vorgesetzten. „Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Und sie müssen sich viel mehr mit der persönlichen Situation und dem Hintergrund ihrer Mitarbeiter auseinandersetzen. Sind sie alleinstehend und somit zuhause auf sich gestellt? Haben sie Kinder oder müssen sich um einen Angehörigen kümmern?“ In diesem Punkt können sogenannte Küchenkonferenzen helfen. „Man kann sich beispielsweise außerhalb der regulären Meetings mit dem Mitarbeiter zu einem Videogespräch treffen und einfach plaudern. Das ist zwar für viele Chefs ungewohnt, kann aber helfen, den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin besser zu verstehen“, sagt Dahlmann.

Ein Thema, über das sie bereits viel mit Gewerkschaftsvertretern diskutiert hat, ist die Arbeitszeit. Arbeitnehmervertreter befürchten, Angestellte würden im Homeoffice mehr oder weniger zu Überstunden gezwungen, da sie – überspitzt gesagt – aus Sicht der Vorgesetzten auch nach Feierabend „noch schnell den Computer anschmeißen“ könnten. „Es stimmt natürlich: Das Homeoffice entgrenzt. Deshalb ist es wichtig, sich neue Grenzen zu setzen“, sagt Dahlmann. Gleichzeitig können Mitarbeiter aber auch davon profitieren. „Wer eine Aufgabe oder ein Projekt schon eine halbe Stunde vor Feierabend abgeschlossen hat, der muss die Zeit nicht unbedingt im Büro absitzen“, sagt sie.

Wie sich bereits im letzten Kapitel andeutet, arbeitet Heike Dahlmann übrigens schon an einem neuen Buch. Dabei wird es um hybrides Arbeiten gehen, so viel verrät sie schon. „Ich denke, das hybride Arbeiten ist die Zukunft.“ Dabei werden im Idealfall die Vorzüge des mobilen Arbeitens mit dem klassischen Büro kombiniert.

Schon jetzt entstünden in größeren Städten Häuser, in denen Wohnen und Arbeiten in direkter Nachbarschaft möglich ist, beispielsweise in Co-Working-Spaces, also Büros, die sich mehrere Personen unabhängig voneinander teilen. Auch die Büros in den Unternehmen selbst werden sich in der Zukunft wandeln, sagt Dahlmann. „Man braucht dann womöglich keine Einzelbüros mehr, sondern stattdessen Kreativräume, in denen Projekte besprochen werden.

Das Titelbild ihres Buches ziert übrigens weder ein Hochleistungslaptop noch das neueste Smartphone, sondern ausgerechnet eine alte Favorit-Schreibmaschine. „Das war natürlich etwas augenzwinkernd gemeint. So veraltet, wie wir heutzutage eine solche Schreibmaschine empfinden, so veraltet ist eigentlich auch das klassische Arbeiten, das nur noch vor Ort im Unternehmen stattfindet“, sagt Dahlmann. vmr

Dr. Heike R. Dahlmann, „Homeoffice – 101 Praxistipps. Wie du nie wieder anders arbeiten willst“ (19,90 Euro), kann man über die Homepage von Dahlmanns Beratungsagentur bestellen – auch als Hörbuch (24,90 Euro), gelesen von der jungen Schauspielerin Vanessa Lizanne, und als E-Book (9,90 Euro). Das Buch ist auch im lokalen Buchhandel erhältlich.

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