„Die wahre Herausforderung ist der Klimaschutz“
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31.07.2021 05:15
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Weinheim. „Investitionen sichern unsere hohe Versorgungsqualität“, sagt Peter Krämer, Geschäftsführer der Stadtwerke Weinheim, am Freitag bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2020. Insgesamt 5,6 Millionen Euro hat das regionale Energieunternehmen allein im vergangenen Geschäftsjahr in die Zukunftsfähigkeit der Energie- und Wasserversorgung in seinem Versorgungsgebiet gesteckt. Wie wichtig eine moderne, leistungsstarke Infrastruktur und Krisenvorsorge sei, hätte sich im Corona-Jahr deutlich gezeigt, betont er und fügt an: „Die Versorgung war während der Lockdowns durchgehend gesichert.“ Man sei sogar auf eine eventuell erforderliche Quarantäne im Wasserwerk und der Netzleitstelle gut vorbereitet gewesen, um im Notfall gewährleisten zu können, dass den Menschen die elementaren Güter zur Verfügung stehen.

Beitrag zur Energiewende

Doch so herausfordernd die Einschränkungen unter Pandemiebedingungen auch gewesen seien, die wahre große Herausforderung sei nach wie vor der Klimaschutz. „Wir müssen hier und weltweit schneller vorankommen mit der CO2-Reduktion, wenn wir den Klimawandel abbremsen wollen“, führt Krämer aus. In diesem Zusammenhang fordert er auch eine Kurskorrektur der Politik: „Energieunternehmen wie wir setzen vor Ort die Energiewende um und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Mit einer angemessenen Finanzierung unseres Netzausbaus, einer ganzheitlichen und auf Wirksamkeit ausgerichteten Förderpolitik sowie weniger Bürokratie könnten wir noch deutlich mehr leisten“, informiert der Geschäftsführer.

Rückstellungen aufgelöst

Dass die Stadtwerke das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 3,8 Millionen Euro – und damit deutlich über dem des Vorjahres – abgeschlossen haben, liegt im Wesentlichen an einem Sondereffekt: Das Unternehmen konnte Rückstellungen von 1,4 Millionen Euro auflösen, da es Rückforderungsansprüche der Bundesnetzagentur im Stromnetzbereich entkräften konnte. Vom Gewinn geht eine Million Euro in die Rücklagen; 2,8 Millionen Euro werden anteilsmäßig an die Gesellschafter – Stadt Weinheim, EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH und Gemeinde Gorxheimertal – ausgeschüttet. „Die Herausforderungen werden mit fortschreitender Energiewende technisch größer, die Vorgaben des Gesetzgebers parallel umfangreicher und in Teilen nicht förderlich für die langfristige Versorgungssicherheit“, informiert er. Zum Beispiel macht ihm die Senkung der Verzinsung bei der Regulation der Netzentgelte Sorgen. Denn auf der anderen Seite steigen die Preise für Dienstleistungen, Einkauf und Personal stark an. „Das führt zu einer Deckungslücke insbesondere im Stromnetz. Und genau dies muss dringend massiv ausgebaut werden, um die Klimaziele erreichen zu können; man bedenke nur die zunehmende Elektrifizierung der Mobilität“ und die Umstellung auf mehr strombasierte Heizungen, führt Peter Krämer aus, „die Zukunft wird elektrischer.“

Zukunftssicherung

„Trinkwasser ist unser wertvollstes Gut. Es ist lebensnotwendig“, sagt Peter Krämer. Um eine sichere Versorgung auch bei Störungen der Hauptwasserleitung vom Wasserwerk in Hemsbach nach Weinheim zu gewährleisten, bauen die Stadtwerke Weinheim eine zweite Verbindungsleitung. Im Berichtsjahr wurden weitere zwei Kilometer der insgesamt sieben Kilometer langen Trinkwasserhauptleitung gebaut; das Projekt wird im September 2021 nach Verlegung der Leitung unter der Weschnitz abgeschlossen sein.

Spuren der Pandemie

Die Auswirkungen der Lockdowns auf Geschäftskunden etlicher Branchen und die warme Witterung spiegeln sich auch in den Absatzzahlen der Stadtwerke Weinheim wider: So ist die Absatzmenge von Strom um 2,8 Prozent auf 115 015 Megawattstunden und die von Gas um 7,6 Prozent auf 250 577 Megawattstunden gesunken. Der Wärmeabsatz ging um 10,6 Prozent auf 15 170 Megawattstunden zurück.

Positive Entwicklungen

Positiv gemacht hat sich die Vertriebstochter Urbania, die unter der Marke „meine StadtEnergie“ Strom und Gas vertreibt. Das Unternehmen, an dem auch die Stadtwerke Schwetzingen zur Hälfte beteiligt sind, verzeichnet ein Kundenplus von 9,5 Prozent. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent gestiegen und belief sich zum Ende des Geschäftsjahres auf 9,7 Millionen Euro.

Die Gesellschaft erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2020 nach einem Verlust im Vorjahr wieder einen kleinen Gewinn. Die Beteiligung an der KomKo Wind GmbH entwickelte sich planmäßig. Der Solarpark Königsbronn hatte nach 2020 ein weiteres außergewöhnlich gutes Geschäftsjahr. Die Stromerträge lagen infolge vieler Sonnenstunden auf dem Niveau des Vorjahres und mit 10 573 Megawattstunden knapp 9,5 Prozent über Plan.

HaWei verschönert

Die Stadtwerke Weinheim haben die Schließungen in der Pandemiezeit genutzt, um Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten im HaWei durchzuführen. „Denn uns war es wichtig, unsere Kolleginnen und Kollegen vom Bad weiter zu beschäftigen und sie nicht in Kurzarbeit schicken zu müssen“, betont Peter Krämer. Die Besucherzahl im Pandemiejahr lag bei rund 39 000 Gästen, im Vorjahr bei rund 103 000.

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