Diese Eindrücke prägen das ganze Leben
Weinheim, 05.08.2017
Diesen Artikel
05.08.2017 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Leserbrief
146

Weinheim. „Ohne Ihren Club hätte ich eines der wichtigsten Jahre meines Lebens nicht erlebt.“ Mehr als zehn Monate hatte Yana Abbou als Austauschschülerin des Rotary Clubs Weinheim (RCW) Brasilien, seine Bewohner und Kultur kennenlernen dürfen. Nach ihrer Rückkehr berichtete die 16-jährige Schülerin am Privatgymnasium Weinheim den Rotariern jetzt von ihren Erlebnissen und Erfahrungen.

Der Ansatz, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ein anderes Land kennenzulernen, sei „eine tolle Sache“, sind sich die Rotarier mit ihrem Präsidenten Manfred Müller-Jehle sicher. Erst kürzlich hatte sich der für ein Jahr aus Argentinien kommende Tomas Mercado von seinem Austauschjahr in Deutschland begeistert gezeigt (wir berichteten). Yana präsentierte einen über und über mit „Pins und Buttons“ gespickten Blazer. Bei Treffen mit anderen Rotary-Austauschschülern gehört es dazu, die Pins miteinander zu tauschen. Anstecker aus Mexiko, Japan, Finnland, Taiwan und Kolumbien beweisen, dass Yana in diesen Ländern neue Freunde gefunden hat.

Das im Herzen Südbrasiliens gelegene, fast 600 000 Einwohner zählende Londrina („Klein-London“) war für Yana die erste von insgesamt fünf „Gasteltern-Stationen“. Dass das „Einleben“ in das fremde Land vor allem wegen der kaum vorhandenen Sprachkenntnisse anfangs recht schwierig war, verhehlte sie nicht: „Die Gasteltern konnten kaum Englisch und ich noch kein Portugiesisch.“

Auffällig: Viele brasilianische Austauschaspiranten wollen nach Deutschland. Ein Besuch beim Rotary Club Distrikt 4710 hinterließ bei Yana einen weiteren prägenden Eindruck: „Im Gegensatz zu Weinheim waren alles Frauen und nur ein Mann.“ Noch mehr Eindruck hinterließen die an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien liegenden und zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden „Iguazú“-Wasserfälle. Zwischen 64 und 82 Meter hoch bildeten sie auch die Kulisse in James Bond- und Indiana Jones-Filmen. Eine andere Fahrt führte Yana ins Pantanal-Tierreservat zu Alligatoren und zum „Piranha-Angeln“.

Weihnachten bei 31 Grad und „mit einer echten Tanne“ sowie ihren 16. Geburtstag feierte Yana bei ihrer zweiten Gastfamilie. Nur knapp drei Wochen dauerte der Auf-enthalt bei „Familie drei“, bei der die Gastmutter Dozentin für Englisch war. Yanas Beobachtung: „Vielen Studenten ist es peinlich, Englisch zu sprechen.“ Es folgten fünf Tage Rio mit Zuckerhut, Copacabana und Ipanema-Strand und als Kontrastprogramm ein Abstecher in die „No-Go-Area“ der Favela Dona Marta.

„Unfassbar“, so der Kommentar von Yana, „welche Armut hier herrscht. Die Menschen leben in verrosteten Blechhütten, schlafen auf Sandboden, haben kein Abwassersystem. Das mussten wir alle erst einmal verdauen.“

Bei „Gastfamilie vier“ wurde zwei Monate lang von morgens bis abends nur portugiesisch gesprochen – obwohl Gasteltern und Gastgeschwister nach mehrjährigem Londonaufenthalt alle perfekt Englisch konnten. Hier habe sie den entscheidenden Schritt getan, „nicht nur portugiesisch zu sprechen, sondern nach sieben Mona-ten Aufenthalt auch auf Portugiesisch zu träumen“, so Yana. „Luxus pur“ mit Haus am See, Kanu- und Jetski-Fahren erwartete Yana bei ihrer letzten Familie. Kennzeichnend für ihren Schulbesuch in einer 13. Klasse: „100 Schüler in einem Raum mit einem Lehrer, der an die Tafel schreibt.“

Yana war nicht ständig auf Reisen. Neben ihrem Schulbesuch arbeitete sie jeweils drei Stunden pro Woche im Rahmen eines freiwilligen Sozialdienstes mit am Down Syndrom erkrankten Kindern und Jugendlichen. Yana habe alle Ziele des rotarischen Austauschs zu 100 Prozent erfüllt, lobte RCW-Präsident Müller-Jehle: „Du warst eine wunderbare Botschafterin unseres Clubs, von Weinheim und für Deutschland“.

Karl-Heinz Weinert, neben Volker Wissmann (Jugenddienst) unter anderen als „Counselor“ (Berater) für den Jugendaustausch mitverantwortlich, kündigte an, der Rotary Club Weinheim werde auch künftig am Programm festhalten.

Mit Fred End aus Lützelsachsen, der im Juli 2018 nach Südamerika geht, sowie einem jungen Ecuadorianer, der im Gegenzug nach Weinheim kommt, sind die nächsten Aspiranten bereits gefunden.

Und was nimmt Yana Abbou aus Brasilien mit? Vor allem habe sie das Leben in Deutschland mehr zu schätzen gelernt. In Brasilien mangele es an sehr vielem. Während dort die politische Zufriedenheit geringer ist, sei die „positive Energie“, Lebensfreude und Offenheit der Menschen deutlich höher. Yana: „Wir sollten mehr Brasilianer nach Deutschland holen und von ihnen lernen.“ rcw

SOCIAL BOOKMARKS
05.08.2017 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Ihre Meinung interessiert uns

Durchsuchen Sie unser Archiv!