Diese Mauer rettet Arten
Schriesheim, 20.05.2022
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20.05.2022 05:00
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Schriesheim. Für Wanderer, die an der neuen Trockenmauer am Madonnenberg bei Schriesheim vorbeikommen, lohnt sich ein genauer Blick. Denn es handelt sich dabei nicht nur um eine schnöde Mauer.

Was genau dahintersteckt, erklärt der Rhein-Neckar-Kreis in einer Pressemitteilung. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hat die Naturschutzbehörde im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverbandes Rhein-Neckar (LEV) den Neubau einer sogenannten naturschutzfachlichen Trockenmauer entlang des Blütenwegs in Schriesheim am Madonnenberg beauftragt und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg durchführen lassen.

Spezielles Saatgut verwendet

Aktuell geht auch die Einsaat des Hangs oberhalb der Trockenmauer auf und der Bereich wird allmählich grün, schreibt der Kreis. Eingesät wurde ganz spezielles fachliches Saatgut, das in anderen Naturschutzflächen gewonnen wurde. Für den Bau der Trockenmauer hatte sich besonders der Verein „Blühende Bergstraße“ eingesetzt, der zusammen mit der Stadt Schriesheim schon seit 2015 mehrere Grundstücke auf der Westflanke des Madonnenbergs sukzessive in Pflege genommen und für Naturschutz und Landschaftsbild entwickelt hat.

Entscheidend für die Umsetzung war zum einen, dass der Verein den Verkauf eines Schlüsselgrundstücks an das Land Baden-Württemberg vermitteln konnte, das die direkt östlich anschließenden Flächen bereits in Eigentum hat. Zum anderen ist der Madonnenberg eine wichtige Kernfläche im landesweiten Biotopverbund der durch Trockenheit und Wärme geprägten Lebensräume entlang der Bergstraße. Diese sind früher vor allem durch Ausdehnung und Intensivierung des Weinbaus, später vor allem durch Nutzungsaufgabe und Verbuschung stark geschrumpft und oft in eine isolierte Lage gerieten, das heißt verbindende Strukturen wie beispielsweise Trockenmauern oder sonnige gemähte Böschungen und Raine fehlen. Im Rahmen von Programmen des Landes zur Förderung der Biodiversität sollen nun gerade diese Kernflächen entwickelt und besser miteinander vernetzt werden. Die Kernfläche bietet ideale Bedingungen, Trockenbiotope für selten gewordene Arten wie Zaun- und Mauereidechsen zu entwickeln. Auch die Zippammer als extrem selten gewordene Vogelart kann sehr von solchen Biotopstrukturen wie Trockenmauern und Steinriegeln profitieren. Sie kommt aktuell landesweit nur noch an der Bergstraße vor.

Deren Schutz und Förderung hat daher für das Land Baden-Württemberg und auch die Naturschutzverwaltung besonders hohe Priorität. Für den Verein Blühende Bergstraße und für das Land als Eigentümer des Grundstückes ist ein wichtiger Nebeneffekt der Maßnahme, dass der Blütenweg in diesem Bereich dadurch sehr an Attraktivität gewinnt.

Mensch und Natur profitieren

Wo vorher eine sehr unansehnliche Hangabstützung mit Betonsteinen, alten Ziegeln und anderen Verbaumaterialien war, steht nun eine Natursteinmauer, die das Erscheinungsbild dieses besonders idyllischen Ausschnitts der Kulturlandschaft der Bergstraße bereichert, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

So können Natur und Landschaft sowie Wanderer und Spaziergänger gleichermaßen von dieser Artenschutzmaßnahme des Landes profitieren.

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20.05.2022 05:00
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