Drastische Maßnahmen gegen die Unvernunft
Weinheim/Bergstraße, 20.03.2020
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20.03.2020 05:10
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Weinheim/Bergstraße. Dem Rhein-Neckar-Kreis mit Landrat Stefan Dallinger an der Spitze und den Großen Kreisstädten geht die Corona-Verfügung des Landes Baden-Württemberg nicht weit genug. Deshalb haben sie am Donnerstag eigene Verfügungen erlassen, die das öffentliche Leben noch stärker einschränken wird. Sie tritt ab sofort in Kraft.
Weinheim, Hemsbach, Hirschberg und Laudenbach schließen sich diesen Schritt an.

Ab sofort müssen Gaststätten ihre Innen- und Außenbewirtung schließen. Erlaubt sind nur noch der Straßenverkauf (Take-away) und Lieferdienste. Die Stadt Weinheim widerruft dazu auch die Sondernutzungserlaubnis für die Außenbestuhlung. Das heißt: Tische und Stühle müssen verschwinden. „Das bezieht sich auf den Marktplatz, an dem bis Donnerstag entgegen aller Empfehlungen noch immer Menschen ohne den gebotenen Abstand saßen“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Stadt. Darin wird Oberbürgermeister Manuel Just mit den Worten zitiert: „Wir setzen solche Maßnahmen natürlich nicht gerne um, aber wir sehen uns gezwungen, weil anders die unvernünftigen und – man muss es leider so sagen – fahrlässigen Ansammlungen von Menschen offenbar nicht zu verhindern sind.“

Auch dazu gibt es eine klare Ansage der Stadt: „Menschenansammlungen von mehr als zehn Personen sind untersagt.“ Das gilt im gesamten Stadtgebiet, auch am Waidsee, wo es in den vergangenen Tagen zu sogenannten Corona-Partys gekommen war. „Das war auch Thema im Krisenstab“, erklärte die Pressestelle. Zwar werde der Waidsee nicht abgesperrt, aber „die Polizei wird ein besonderes Auge darauf haben und verstärkt kontrollieren.“ Schweren Herzens werde aber auch der Schlosspark geschlossen, ergänzte Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner, da bei gutem Wetter ansonsten dort mit feiernden Gruppen zu rechnen wäre. Das unbefugte Betreten des Parks werde ab sofort als Hausfriedensbruch angesehen und geahndet.

Der Hermannshof ist übrigens bereits seit Donnerstag geschlossen. Gleiches gilt für alle Spielplätze, Schulhöfe und Grünanlagen. Die Zufahrt zur Windeck wird gesperrt; die WLAN-Hotspots im Stadtgebiet werden abgeschaltet. Doch das ist nicht alles: Sonnen-, Nagel- und Kosmetikstudios sind ab Freitag ebenfalls zu schließen. Bei Nichtbeachtung droht ein Zwangsgeld in Höhe von 1000 Euro.

Stadt verzichtet auf Miete

Geplante Zusammenkünfte müssen 48 Stunden vorher beim Ordnungsamt angemeldet werden. Diese werden aber nur in Ausnahmefällen – zum Beispiel Trauerfeiern – und höchstens für 30 Personen unter Auflagen genehmigt. Doch die Stadt Weinheim hat am Donnerstag nicht nur Verbote erlassen, sondern auch ein „Zeichen der Solidarität“ gesetzt: Sie verzichtet für März und April auf die Mieteinnahmen aus städtischen Immobilien, die an Kulturschaffende und Veranstalter sowie an Gastronomie und Einzelhandel vermietet sind, sowie auf Pachteinnahmen für Sportstätten der Vereine. OB Just hofft, dass private Vermieter diesem Beispiel folgen.

Appell der IG Marktplatz

Darauf hoffen auch die Einzelhändler und Wirte am Marktplatz; doch allzu optimistisch sind sie nicht. Einige haben bereits Kurzarbeit angemeldet. Im Namen der IG Marktplatz luden sie am Donnerstagvormittag zu einem Pressegespräch ein. Zu diesem Zeitpunkt war die neue Verordnung noch nicht bekannt. Viele Wirte forderten aber genau diese klare Regelung, damit die Ungewissheit ein Ende hat. Vor allem aber wollten sie ein Signal an die Menschen senden. Gerald Haas vom „Diebsloch“ formulierte es so: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand! Wir stehen wieder auf! Aber wir brauchen schnelle Hilfe!“ pro

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20.03.2020 05:10
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