Ehrenamtliche stärker beteiligen
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01.03.2021 05:05
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Kreis Bergstraße. Die Synode des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat Pfarrerin Silke Bienhaus als stellvertretende Dekanin wiedergewählt. Bei der Tagung in Lampertheim, zu der die Synodalen online zugeschaltet waren, stimmten 61 für die 57-Jährige bei acht Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen.

Bienhaus, die seit zwei Jahren mit halber Stelle Vize-Dekanin ist, wird zum Januar 2022 dieses Amt mit voller Stelle ausüben. Sie übernimmt dann den Stellenanteil des stellvertretenden Dekans Karl Hans Geil, der im Herbst dieses Jahres in den Ruhestand geht. Ihre Amtszeit dauert bis Ende 2027. Sie ist bislang für die Bereiche Gemeindepädagogik, Spezialseelsorge wie dem Hospizdienst oder der Klinikseelsorge sowie die Gemeindeübergreifende Trägerschaft der evangelischen Kitas zuständig.

Dekan Arno Kreh würdigte in seinem Bericht, dass die Kirchengemeinden im Dekanat bei ihren Gottesdienstangeboten in der Corona-Krise verantwortlich gehandelt hätten: „Sie haben sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Beides – Präsenzgottesdienste wie Online-Angebote – haben ihren Platz.“ Er erinnerte daran, dass die evangelische Kirche keine Sonntagspflicht kenne. Die Kirche sei auch in Altenheimen und Einrichtungen in unterschiedlicher Form präsent und bei Ortsterminen mit dem Hospizdienst, der Tafel oder demnächst dem Zentrum der Wohnungslosenhilfe im Gespräch.

Bei Corona-Demonstrationen

Zu den so genannten Corona-Demonstrationen wie zuletzt in Rimbach erklärte Dekan Kreh, dass dort Pfarrer vergeblich das Gespräch mit den Teilnehmern gesucht hätten. „Bei diesen Demos herrscht eine aggressive Grundstimmung mit einer Fundamentalkritik an Politik, Wissenschaft, Medien und der evangelischen Kirche.“

Kreh plädierte dafür, dass die Kirche öffentlich klar und deutlich mache, dass sie hinter der demokratischen Ordnung unserer Gesellschaft stehe. Zugleich sprach er sich dafür aus, verstärkt das Gespräch mit Menschen zu suchen, die Angst um ihre berufliche Existenz hätten: „Diese Menschen müssen gesehen und wahrgenommen werden.“

Als Erfolg wertete es Kreh, dass in allen 44 Gemeinden des Dekanats trotz durch Corona bedingte Einschränkungen die Kirchenvorstandswahlen im Juni stattfinden werden. In neun Gemeinden hätten sogar insgesamt 15 Jugendliche ihre Bereitschaft zur Mitarbeit im Kirchenvorstand erklärt.

Präses Dr. Michael Wörner und Kreh sprachen sich dafür aus, den Reformprozess „EKHN 2030“ zuversichtlich und mit Freude an der Gestaltung anzugehen. Die Evangelische Kirche Hessen-Nassau rechnet damit, dass bis Ende des Jahrzehnts die Zahl der Kirchenmitglieder um 20 Prozent abnehmen werde und 25 Prozent weniger Geld zur Verfügung stehe. Wörner plädierte dafür, die gemeindlichen Nachbarschaften durch Einbindung von Gemeindepädagogen und Kirchenmusikern zu stärken. „Wir sollten auch die Ehrenamtlichen stärker beteiligen, ohne sie zu überfordern.“ Ähnlich äußerte sich Kreh: „Wir wollen nicht trauern, sondern uns etwas trauen.“

Die Evangelische Jugend stellte den Synodalen ihre Angebote in Zeiten von Corona vor. Für Freizeiten, die nicht stattfinden konnten, seien digitale wie analoge Alternativen entwickelt worden. Die Homepage ev-jugend-bergstrasse.com biete zahlreiche Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch etwa bei der Freizeitaktivitäten, der Konfi-Arbeit, der Mitwirkung von Jugenddelegierten im Kirchenvorstand oder dem Baukasten für Jugendgottesdienste.

Pfarrer Thomas Blöcher erläuterte den Haushaltsplan des Evangelischen Dekanats für 2021. Er hat ein Gesamtvolumen von 17 Millionen Euro und wurde von den Synodalen mit breiter Mehrheit gebilligt – ebenso wie der Haushalt der Dekanatsstiftung.

Der neue Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße, Tobias Lauer, stellte sich den Synodalen vor und beschrieb die Herausforderungen der Wohnsitzlosenhilfe in der Coronakrise. In den Wintertagen mit Temperaturen von mehr als minus zehn Grad habe für Wohnsitzlose akute Lebensgefahr bestanden. Das Diakonische Werk habe zwischen Infektionsschutz und Schutz vor Erfrierungen abwägen müssen und sich für das Letztere entscheiden. In seiner Video-Botschaft wünschte sich der Superintendent des Kirchenkreises Eisleben-Sömmerda, Andreas Berger, dass bald wieder reale Begegnungen mit dem Partnerdekanat Bergstraße stattfinden können.

In ihrem Grußwort hob die Starkenburger Pröpstin Karin Held hervor, dass das Dekanat bereits zum zweiten Mal eine Synodentagung in hybrider Form durchführe. In der Lampertheimer Martin-Luther-Kirche waren nur die Mitglieder des Dekanatssynodalvorstands anwesend, alle übrigen Synodalen waren online zugeschaltet. Das Wort „hybrid“ habe vor einem Jahr noch nicht zu unserem Wortschatz gehört, ebenso wie die 1200 Wortneuschöpfungen, die das Mannheimer Institut für deutsche Sprache in der Corona-Krise registrierte, meinte die Pröpstin: „Unsere Sprache ist mächtig und wir sollten bei Wortneuschöpfungen wie ‚Predigt to go’, ‚Freiluftordination’ oder ‚overzoomed’ für den Stress durch viele Videokonferenzen nicht den Humor verlieren. Das zeigt auch wie vielfältig das kirchliche Leben trotz und mit Corona ist.“

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