„Erhalt der Natur ist Lebensgrundlage“
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14.05.2019 05:00
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Mörlenbach. „In Deutschland werden täglich 66 Hektar Land versiegelt, jedes Jahr eine Fläche in etwa so groß wie das Stadtgebiet Frankfurts.“ So ist es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative (BI) Landschafts-Schutz aus Mörlenbach zu lesen. Die letzten Berichte über das Artensterben, den Klimawandel und den Verlust von Naturräumen bezeichnet die BI als „beängstigend“. „Wir sehen allenthalben, wie schwer sich Regierungen tun, die selbst gesteckten Ziele umzusetzen. Natürlich können wir in Mörlenbach die Welt nicht retten, aber wir sollten auch im Kleinen versuchen, in die richtige, nämlich nachhaltige Richtung zu gehen“, heißt es weiter, „wir sägen sonst an dem Ast, auf dem wir sitzen“.

Es reiche nicht mehr aus, immer auf die höheren Instanzen oder die Nachbarn zu verweisen, die es auch nicht gut machten, man müsse vor der eigenen Haustür anfangen. Auch wenn es bei der Ausweisung von neuen Bauflächen Umweltgutachten und Kompensationsflächen gebe, die den Eingriff in die Natur abmildern sollen, sei eine versiegelte Fläche letztendlich dauerhaft verloren und könne nicht ersetzt werden. Es mache keinen Unterschied, ob scheibchenweise kleinere Flächen versiegelt würden oder eine große auf einmal – der Effekt sei der gleiche.

Der Erhalt der natürlichen Umgebung sei „Lebensgrundlage und kein Luxusgut“, um das man sich dann kümmern könne, wenn den wirtschaftlichen Interessen Einzelner genüge getan worden ist, so sehr diese Interessen auch legitim und nachvollziehbar seien. Unter diesem Aspekt müsse die Frage auch erlaubt sein, inwieweit Gewerbehallen, in der Größenordnung, wie sie heute oft gebaut werden, wirklich nötig seien. „Wir wohnen und leben in einer schönen Umgebung. Jeder weiß es und es gibt viele Studien darüber, wie sich die Umgebung auf das Wohlbefinden und die Psyche des Menschen auswirkt“, so die BI. Dieses Umfeld höre nicht an der Wohnungstür auf, auch der Außenbereich und damit die Landschaft gehörten dazu.

„Visitenkarte Mörlenbachs“

Gerade mit dem Stück Landschaft zwischen Mörlenbach und Zotzenbach würden sich viele Menschen im Weschnitztal identifizieren. Es sei aufgrund der Lage am Ortseingang die „Visitenkarte Mörlenbachs, wie man sie besser nicht hätte gestalten können“. Aus städtebaulicher Sicht sei ein Gewerbegebiet an dieser Stelle „eine Katastrophe“, so die BI.

Und weiter: „Wir sind nicht gegen Gewerbe und Gewerbeentwicklung, das hat die BI mehrmals betont. Wir sehen weiter Möglichkeiten für eine effektivere Nutzung des bestehenden Gewerbegebietes beziehungsweise der Mischgebiete in Mörlenbach, auch wenn dies von anderer Seite bestritten wird und wenn dies schwieriger ist, als neu zu planen.“ Es sei „nicht hinnehmbar“, dass das Gewerbe Landwirtschaft, die im besonderen Maße für die Versorgung der Bevölkerung wichtig sei und in Zukunft noch wichtiger werde, „zugunsten anderer Gewerbebetriebe einfach verdrängt werden soll“. Die Verwaltung und der Gewerbeverein hätten sich weitestgehend davon verabschiedet, dass aus dem Gebiet in bedeutender Höhe Einnahmen für die Gemeinde Mörlenbach erzielt werden können, und dies gar nicht als Hauptziel benannt, behauptet die BI. Andererseits würden sie aber auf die Wichtigkeit der sechs bis acht Mörlenbacher Betriebe hinweisen, „die sich angeblich erweitern wollen“, so die BI.

„Die Einnahmen aus dem Gewerbegebiet selbst zu bezweifeln und gleichzeitig mit Steuererhöhungen und dem Abbau kultureller Einrichtungen zu drohen, sollte das Gewerbegebiet nicht kommen, finden wir schon sehr gewagt und es zeigt nur, in welcher Erklärungsnot sich die Initiatoren dieser Planung mittlerweile befinden“, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

Die Bürgerinitiative Landschafts-Schutz bietet zum Thema einen Info-Abend am Donnerstag, 16. Mai, um 20 Uhr im Bürgerhaus an. Es werden Aspekte des Natur- und Bodenschutzes sowie der Landwirtschaft beleuchtet, aber auch die Auswirkungen eines möglichen Gewerbegebiets auf die Entwicklung der Gemeinde und die Finanzen.

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