„Geduldig und von großer Güte“
Hemsbach, 05.11.2020
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05.11.2020 05:10
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Hemsbach. „Geduld“, sagt sie, sei nicht ihre Stärke. Wer ihr beim Kochen am heimischen Herd beim Gemüseschnippeln assistiert, kriegt das zu spüren, wenn es denn nicht schnell genug geht. Dr. Ann-Kathrin Knittel, die Ungeduldige, ist 33 Jahre alt, im sächsischen Zwickau geboren und nach ihrer theologischen Universitätsausbildung mit Promotion und einem zweieinhalb Jahre dauernden Pfarrvikariat in Eberbach seit 1. September als Pfarrerin im Probedienst in der Hemsbacher Reformationsgemeinde. Dort nimmt sie für ein Jahr ihrer praktischen Ausbildung zur Pfarrerin die Stelle von Pfarrerin Corinna Seeberger ein. Seeberger ist im August Mutter einer Tochter geworden und wird ein Jahr in Elternzeit sein.

„Gottes besondere, uns manchmal fast naiv vorkommende Geduld“, lautete auch das Thema von Ann-Kathrin Knittels Predigt im Festgottesdienst zu ihrer Ordination als Pfarrerin. Sie setzte diese Eigenschaft in Kontrast zu den großen menschlichen Unzulänglichkeiten, die Geduld erst herausfordern. Und sie erzählte ihre Lieblingsgeschichte aus dem Alten Testament – vom goldenen Kalb aus dem 2. Buch Mose, wobei es um Geduld und Güte geht.

„Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte“. Das ist der Ordinationsspruch, den sich Ann-Kathrin Knittel gewählt hat, wie auch die drei Geistlichen, die sie als neue Kollegin in das Amt als Pfarrerin einführten: Pfarrerin Karin Großmann aus Dresden, Gero Albert, Knittels früherer Lehrpfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde in Eberbach, und Professor Dr. Traugott Schächtele, Prälat für den Kirchenkreis Nordbaden, geistlicher Leiter der 14 Kirchenbezirke des Kreises und Seelsorger der Pfarrschaft.

„Sich einlassen in ein Netz“

Eine große Rolle bei der Amtseinführung spielte auch der Apostel Paulus. „Halte fest am Vorbild der heilsamen Worte, die Du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Jesus Christus. Bewahre dieses schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt“, gab Schächtele mit auf den Weg. „Ordiniert zu werden bedeutet, sich einlassen in ein Netz, das anderen Schutz bietet. Worte müssen sich einen Weg zu den Menschen bahnen“, sagte Schächtele zu Ann-Kathrin Knittel. „Gott und wir trauen Ihnen diesen Weg zu.“

Gero Albert steuerte aus dem Brief des Apostels an die Epheser die Aufforderung bei: „So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld.“ Auch die kirchliche Gemeinde sei in die Ordination ihrer Pfarrerin auf Zeit einbezogen, betonte Schächtele. „Sie braucht euch. Ihr braucht sie. Wollt ihr mit ihr vertrauensvoll zusammenarbeiten?“ Natürlich wollen das die 50 Menschen, die den Kirchenraum bis an die coronabedingte Kapazitätsgrenze füllten, darunter auch die Familie Knittels.

Schon zu Beginn des Gottesdienstes hatte Michael Seßler als Ältester der Reformationsgemeinde um die Anleitung und Unterstützung durch Knittel in ihrem Amt als Pfarrerin gebeten. Bei der Einsegnung von Ann-Kathrin Knittel sprach Schächtele ein wesentliches Wort von Jesus Christus: „Nicht ihr habt mich erwählt. Ich habe euch erwählt.“ Das verleihe Anlass und Auswirkung der Ordination die richtige Reihenfolge.

Musikalisch stimmte der Posaunenchor Hemsbach/Sulzbach unter Leitung von Maren Löffel mit „Intrada“ auf den Gottesdienst ein, „Galliarde“ war ein barockes Stück im Stil eines schnellen Tanzlieds. Bei den Kirchenliedern „Du meine Seele singe“ und „Nun danket alle Gott“ teilten sich der Posaunenchor und Jens Hebenstreit am Klavier strophenweise abwechselnd die instrumentale Begleitung. Selbst singen war für die Gottesdienstbesucher, die mit Mundschutz auf Abstand in den Bänken saßen, nicht erlaubt. So erhoben nur Pfarrer Gero Albert und seine Ehefrau Ute ihre Stimmen, die aber den Raum der Christuskirche mühelos ausfüllten. Beim zweistimmig gesungenen Lied „Atme in uns, Heiliger Geist“ war die Begeisterung der Zuhörer greifbar. epp

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