Glücksmomente zwischen Buchdeckeln
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17.09.2016 05:00
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Leserbrief
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Laudenbach. Wer Gina Schöler zum ersten Mal sieht, wird von ihrem freundlichen Gesicht und den leuchtenden Augen in den Bann gezogen. Sie strahlt das Glück und die pure Lebensfreude aus, und das ist kein Zufall. Denn Gina Schöler ist die Ministerin des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden und eine gebürtige Laudenbacherin.

Wer jetzt denkt: Ministerium für Glück und Wohlbefinden, kenne ich gar nicht, hat nicht ganz unrecht. Denn dieses Ministerium ist nicht in Berlin angesiedelt, sondern ein interaktives Kunstprojekt, das die Menschen zum Überlegen bringen soll, was sie glücklich macht und wie sie ihr Leben gestalten möchten. Das Projekt wurde von Gina Schöler und einigen Kommilitonen im Rahmen ihres Masterstudiums Kommunikationsdesign entwickelt. „Wir haben uns damals an Butan orientiert, dem Land mit den offiziell glücklichsten Menschen. Dort werden die Einwohner gefragt, was ihnen wichtig ist und welche Rahmenbedingungen sie brauchen, um glücklich zu sein.“

Toller Türöffner

Gemeinsam begann die Arbeitsgruppe herauszufinden, was für die Deutschen ein glückliches Leben bedeutet und welche Rahmenbedingungen sie brauchen, damit sie sich wieder zurückbesinnen können, was wirklich zählt. So entstand das fiktive „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ mit einem zwinkernden Adler als Logo. „Das ist einfach ein toller Türöffner“, schmunzelt die Glücksministerin. Viele Leute denken am Anfang, dieses Ministerium sei echt, und das ist auch gut so. Es bringt auf der einen Seite eine Seriosität mit sich und auf der anderen Seite ist es ein Thema, das Spaß macht und Sinn ergibt, da es auch eine Präventionsmaßnahme für mentale Gesundheit ist.

Eigentlich war das Projekt nach wenigen Wochen wieder vorbei, doch es ließ Gina Schöler nicht los. Mittlerweile ist sie hauptberufliche Glücksministerin, gibt Workshops in Firmen und Schulen, hält Vorträge, entwickelt kleine Glücksprodukte, plant Flashmobs sowie Street-Art-Projekte und war sogar schon mit Bundesjustizminister Heiko Maas auf Deutschlandtour. So richtig fassen kann Gina Schöler den Erfolg ihres Projekts noch nicht: „Es passieren einfach so aufregende Sachen, und wenn man einen Anruf aus dem Justizministerium bekommt, die thailändische Delegation vor der Haustür steht oder man in den Bundestag eingeladen wird, ist das etwas sehr Außergewöhnliches.“

Nun hat die Glücksministerin ein Buch mit 222 Geschichten verfasst. „Das kleine Glück möchte abgeholt werden“, ist jedoch kein Ratgeber, Sachbuch oder wissenschaftliches Buch, sondern laut Autorin einfach „ein Appetitmacher darauf, mal wieder auszuprobieren und zu experimentieren, wo das kleine, persönliche Glück lauern könnte“. Die bebilderten Kurzgeschichten beschreiben aus der Perspektive der Autorin kleine Momente, in denen sie Glück spürt. Sei es beim Pusten einer Pusteblume, beim Singen eines Gutenachtliedes für einen Menschen, den man mag, oder bei einem Spielplatzbesuch, obwohl man da ja eigentlich schon zu alt für ist.

Auch schwere Momente, wie dem Tod des geliebten Haustieres, kann Gina Schöler in so ergreifenden und gleichzeitig aufmunternden Worten beschreiben, dass man den Schmerz und die Erleichterung auch als Leser fühlen kann. Die Botschaften: Lerne loszulassen, nehme deine Umwelt wahr, genieße die Stille. Auch Heiko Maas, Werner Tiki Küstenmacher und viele andere Bekannte und Freunde der selbst ernannten Glücksministerin, haben ihre persönlichen Glücksmomente und Ratschläge im Buch festgehalten. Die Resonanz auf das Buch von Gina Schöler ist bisher durchweg positiv. Und Eckard von Hirschhausen, der selbst im Buch einige Glücksmomente skizzierte, lobt: „Statt Patentrezepten gibt es patente Geschichten aus dem prallen Leben, die einen rühren, erheitern und wecken, alles wahrzunehmen, was ist.“ Einen persönlichen Glücksmoment hat Gina Schöler nicht. Für sie bedeutet Glück, sich auch mit Situationen zu arrangieren, die einmal schlecht laufen, und Dinge anzunehmen, wie sie sind, ohne langfristig unglücklich zu sein. soe

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