„Grabscher innerhalb von 24 Stunden abschieben“
Schriesheim, 24.07.2017
Diesen Artikel
24.07.2017 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Leserbrief
954

Schriesheim. Grabscher innerhalb von 24 Stunden abschieben – per Express. Ehe für alle – lächerliche Luxusdebatte. Bundesjustizminister Heiko Maas – ein zweiter Erich Mielke. Riesenapplaus erntete Alice Weidel, AfD-Spitzenkandidatin der Bundestagswahl, am Samstagabend für ihre über einstündige Rede in der Mehrzweckhalle in Schriesheim. Den größten Raum gab sie dabei der Flüchtlingspolitik. Bissig sprach sie über Volksfeste, die zu „Grabschpartys“ verkommen würden, empfahl ironisch „Saufen gegen Rechtspopulismus“. Ein Humor, der bei den knapp 200 Zuhörern – der Veranstalter sprach von 250 – bestens ankam. Überhaupt zogen sich die Themen Alkohol und Flüchtlingspolitik durch sämtliche Redebeiträge des Abends.

Den Auftakt machte AfD-Bundestagskandidat Dr. Malte Kaufmann, der mit einer einstündigen Rede samt Fragerunde die Verspätung von Weidel überbrückte und sich über ein Plakat echauffierte, das Unbekannte in Schriesheim aufgehängt hatten. Es zeigt eine Weinflasche, daneben den Satz „Kein Wein für Rechtspopulisten“. Kaufmann sah darin Parallelen zur Judenverfolgung im Dritten Reich. Die Frage eines Zuhörers, inwieweit sich Kaufmann denn von dem Plakat angesprochen fühle, blieb erst mal unbeantwortet. Später führte er dann aus, dass man sich nicht in die rechte Ecke stellen lasse. Minuten vorher hatte er sich darüber gefreut, dass er in der ehemaligen CDU-Abgeordneten Erika Steinbach prominente Wahlkampfunterstützung erhalte. Laute Bravo-Rufe aus dem Publikum. Steinbach hatte erst im Mai via Twitter gefordert, alte Wehrmachtsfotos von Familienangehörigen zu posten.

Neben dem Plakat beklagte Kaufmann auch die Berichterstattung in der Presse als „Skandal“, weil bei der jüngsten Veranstaltung in der Stadthalle Heidelberg lediglich über die „Türpolitik“ berichtet worden sei und nicht über die Inhalte der Veranstaltung. Nun ist die „Türpolitik“ der AfD aber tatsächlich ein interessantes Thema. Ausweiskontrollen, die von schwarz gekleideten Securityleuten durchgeführt werden, sind selbstverständlich. Albert Maul (AfD Heidelberg) erklärte vor der Tür, dass die Veranstaltungen in Heidelberg „etwas unglücklich“ gelaufen seien. Die Ausweiskontrollen seien aber eine Empfehlung der Polizei gewesen, mit denen sich die AfD vor „Störern“ schützen sollte. Störer gab es am Samstagabend allerdings nur einen. Einen Mann von der AfD, der Sahra Mirow, Linken-Bundestagskandidatin, die bei einer kurzen Kundgebung vor der Mehrzweckhalle ein „Zeichen für Menschlichkeit“ setzen wollte, mehrfach laut dazwischen rief.

Neben dem Weinplakat gab auch Kaufmann der Flüchtlingspolitik weiten Raum. Sprach von „tausenden von Terroristen“, die unkontrolliert ins Land kämen, machte die Politik der Bundesregierung dafür verantwortlich, dass „Frauen vergewaltig werden und Menschen sterben“. Versprach einen „Untersuchungsausschuss Merkel“. Beide, Kaufmann und Weidel, machten sich stark für ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild und die Unterbringung von Geflüchteten in Nordafrika. „Wir schaffen das nicht und wir wollen das auch nicht schaffen“, so Kaufmann. Das Publikum applaudierte im Stehen.

Wein war in der gut halbstündigen Rede des Filmregisseurs Imad Karim kein Thema. Aber Bier. Blumig beschrieb der AfD-Unterstützer, der 1958 im Libanon geboren ist und seit 1977 in Deutschland lebt, seine persönliche, gelungene Integration, die offenbar auch im regelmäßigen Biergenuss bestanden hat, weshalb er sich besonders erschüttert darüber zeigte, dass es in sämtlichen gastronomischen Einrichtungen rund um den Mannheimer Marktplatz überhaupt kein Bier mehr gäbe. Das Publikum raunte fassungslos. Nur stimmt das nicht. Wahr ist, dass die türkischen Restaurants keinen Alkohol ausschenken. Direkt daneben im Café Journal gibt’s aber Bier und auch Wein für alle, auch für Rechtspopulisten. shy

SOCIAL BOOKMARKS
24.07.2017 05:00
Drucken Vorlesen Senden
Ihre Meinung interessiert uns

Durchsuchen Sie unser Archiv!

 

Meistgelesen