Grüne ohne Antworten
18.01.2020
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18.01.2020 05:00
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Leserbrief
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Helmut Schmidts Appell vor 40 Jahren

Beim Neujahrsempfang warnte Oberbürgermeister Manuel Just: Gelingt es nicht, die Erderwärmung zu stoppen, dann drohen Hungersnöte und weitere Flüchtlingsbewegungen. Diese Befürchtungen ließen schon vor 40 Jahren dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt keine Ruhe. In einem dramatischen Appell an die Öffentlichkeit forderte er 1979 den dringend gebotenen Ausstieg aus der Verbrennung jeder Art von Kohlenwasserstoff, sonst drohten Hungerkatastrophen, die alles in den Schatten stellten, was wir bisher schon erlebt hätten. Schmidt war entschlossen, die großen Industriestaaten auch deswegen für den Ausbau der Kernenergie zu gewinnen, um den steigenden Weltenergiebedarf durch die wachsende Bevölkerung sicherzustellen. Seine Initiative scheiterte am Widerstand in der eigenen Partei. Inzwischen sind 40 Jahre vergangen: CO2-freier deutscher Kernstrom wird bis 2022 vom Netz gehen, der über seine gesamte Laufzeit mehr als 4 Milliarden Tonnen klimaschädliche Treibhausgase vermieden haben wird. Seit Schmidts vergeblichem Vorhaben verursachten die Industrieländer mehr als 1 Billion Tonnen CO2, wovon 500 Milliarden Tonnen mindestens 200 Jahre in der Atmosphäre verbleiben werden. Angst, schrieb Grünen-Chef Robert Habek, schafft sich eine eigene Realität. Die große Gefahr bestehe darin, der Angst die Herrschaft über die eigenen Argumente zu geben. Die Wahrheit ist, dass gerade die Grünen davon profitieren. Mit der Dämonisierung der Kernenergie wurden die Ängste geschürt und instrumentalisiert, ohne die die Grünen nicht dort stünden, wo sie heute stehen. Doch Antworten? Fehlanzeige. Wie wollen sie den Boden- und Seeverkehr, den Welthandel und die Elektrotraktion umstellen? Der drohenden Trinkwasserverknappung ohne Meerentsalzungstechnologie begegnen? Den verstärkten Ausfall landwirtschaftlicher Erträge durch Dürren ausgleichen?

Den Bedarf an Lebensmitteln in einer rasant wachsenden Weltbevölkerung decken? Einen Ausverkauf lebenswichtiger Ressourcen an internationale Konzerne und Investmentfonds verhindern? Die Anti-Atomkampagnen führten zu wachsender Importabhängigkeit von russischem Gas und Öl. Drosselt wenigstens den Fleischkonsum, sonst geht die Welt am Ende noch am Rindvieh zugrunde.

Thomas Wyrwoll, Weinheim

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