Humorvoll: Rezepte in Thermomix-Deutsch übersetzt
Mannheim, 06.02.2020
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06.02.2020 05:00
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Mannheim. Am Ende ist es ein Abend wie ein Fünf-Gänge-Menü mit Weinbegleitung. Denn auch wenn der Titel genau das suggeriert: Alexander Herrmann nutzt seine Show im Mannheimer Capitol keineswegs dazu, um „Schnell mal was Gutes“ durch den Fleischwolf zu drehen und den Rest mit Eigenwerbung zu verbringen. Stattdessen serviert der Zwei-Sterne-Koch einem ausverkauften Haus einen Abend voller persönlicher Anekdoten, hintersinnigem Witz und informativer Tiefe.

Herrmanns Assistent Marco Laufenberg hatte den Küchenmeister kaum auf der Bühne begrüßt, da bitten beide zum Gewichtsduell, das der Franke zwar klar verliert, aber selbstironisch zu kontern weiß: „Von der Seite sehe ich eben aus wie Frank Rosin!“ Wie subtil der 48-jährige Spitzengastronom seine Instruktionen mit humorvollen Geschichten aus dem eigenen Leben garniert, imponiert selbst auf die Strecke von über drei Stunden.

Ein Glanzlicht ist sicherlich der Besuch der Talkshow „Ina’s Nacht“, bei der Herrmann von Guido Cantz mit versteckter Kamera herrlich reingelegt wurde. Doch auch die Silvester-Sendung von Johannes B. Kerner, bei der Herrmann seine Hauptspeise nach dem vermurksten Menü seiner Kollegen mit derart viel hochprozentigem Rum flambierte, dass das halbe Studio abbrannte, füllt die Augen der Gäste vor Lachen mit Tränen.

Jede Pointe ist mit tiefem Augenzwinkern zu verstehen, zumal der Zuschauer ganz nebenbei so viel über die Geheimnisse des Fernsehkochens versteht („Ich flambier jetzt!“), dass Herrmann selbst für den kundigen Kochshow-Fan noch das eine oder andere Geheimnis auf Lager hat.

„Angst gewordenes Gerät“

Erstaunlich ist dabei, dass man Herrmann selbst die ärgste Kritik kaum übel nehmen kann. Als er den Thermomix als „Angst gewordenes Gerät“ verdammt, verschreckt er damit weder die Überzeugungstäter im Publikum, noch alle anderen. Dass so viel Toleranz ihn spontan sogar dazu animiert, seine Rezepte live in Thermomix-Deutsch zu übersetzen, beweist, wie viel Raum sich ein Routinier bisweilen selbst für große Neuerungen erlauben kann .

Die eigenen Rezepte liefern zwischen dem perfekt gebratenen Steak und der auf Niedrigtemperatur gegarten Ente die „perfekte Gelinggarantie“. Aber auch bei den Kandidaten aus dem Publikum, die zu Herrmann auf die Bühne steigen, erweist sich der Gastgeber als souveräner Moderator. Den brummligen Leo jedenfalls, den seine eigenen Töchter zur Show geschleppt haben, hat Herrmann bei der Verkostung der frisch zubereiteten Frikadellen nicht weniger im Griff als Küchen-Neuling Oli, der das Sauerkirsch-Prosecco-Sorbet beim episch beklatschten Blind-Cooking zwar in leichter Unordnung vollendet, aber damit präzise zu einem Abend passt, der neben dem Kochen vor allem den Spaß daran zum Triumph erhebt. Was für ein geschmackvolles Erlebnis.

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