„Ich sehe keine Perspektiven mehr“
Gras-Ellenbach, 08.12.2015
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08.12.2015 01:28
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Leserbrief
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Gras-Ellenbach. Gute zwei Wochen ist es jetzt her, dass ein Großfeuer auf dem Gelände des Holzwerks Monnheimer in Gras-Ellenbach wütete und dabei vier Produktionshallen mit Maschinen und einer großen Menge an Holzvorräten niederbrannten. Seit diesem Unglück steht die Zukunft des vor 60 Jahren von Heinz Monnheimer gegründeten Familienunternehmens mit seinen 40 Mitarbeitern in den Sternen, wie Seniorchef Michael Monnheimer im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Hinsichtlich der Brandursache kann die Polizei noch keine Erkenntnisse vermelden. „Die Untersuchungen gestalten sich aufgrund des Ausmaßes des Feuers als sehr umfangreich und diffizil. Ich gehe davon aus, dass es noch mindestens zwei bis drei Wochen dauern wird, bis die Brandermittler etwas dazu sagen können“, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt, Bernd Hochstädter, auf unsere Anfrage. Die Ermittlungen laufen weiter, für den heutigen Dienstag haben sich die Experten einmal mehr im Holzwerk angemeldet.

Dank an die Einsatzkräfte

Monnheimer ist es zunächst einmal ein Bedürfnis, den vielen Einsatzkräften von den Feuerwehren, des Malteser Hilfsdienstes, des Deutschen Roten Kreuzes und den weiteren Hilfskräften zu danken. „Sie haben mit ihrem vorbildlichen Einsatz geholfen, einen Teil unseres Betriebs zu retten“, erklärt er. Vom Feuer verschont blieben die Pelletsanlage und die Bleistift-Brettchen- Produktion. In diesen beiden Bereichen kann rund die Hälfte der Mitarbeiter weiterarbeiten - derzeit noch, denn es fehlt an dem Rohstoff zur Weiterverarbeitung.

„Für die Pelletsproduktion haben wir das Sägemehl aus dem Holzwerk verwendet, doch das ist jetzt nicht mehr möglich, weil das Sägewerk abgebrannt ist. Wir versuchen deshalb, dass die Produktion durch den Zukauf von Sägemehl weiter am Leben zu erhalten. Für den Bereich Bleistift-Brettchen haben wir im Moment noch Vorräte, doch wenn diese aufgebraucht sind, wird es hier nicht mehr weitergehen“, sagt Michael Monnheimer.

Für die weiteren Bediensteten hat die Firma seit dem Brand jedoch keine Arbeit mehr. Immerhin hat die Firma die Zusage, dass die Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung die Regulierung des Schadens vornehmen wird. Das bedeutet zum einen, dass sie für den Betrieb die Lohnfortzahlung, zum anderen aber auch die Kosten für den Wiederaufbau der Hallen und die Wiederbeschaffung von Maschinen und Material übernimmt. „Wir sind so versichert, dass ein Wiederaufbau möglich wäre“, so Monnheimer.

Er selbst will diese Aufgabe aber nicht mehr in Angriff nehmen: „Mein Lebenswerk - und natürlich das meines Vaters - wurden mit dem Brand zerstört. Angesichts der Situation mit der Gemeinde und der Firma HEFD sehe ich für den Betrieb keine Perspektiven und damit auch keinen Sinn mehr für einen Wiederaufbau.“

Seit Jahren schwelender Streit

Damit spielt er auf den inzwischen seit Jahren schwelenden Streit zwischen dem Holzwerk und der ebenfalls Pellets produzierenden Gras-Ellenbacher Firma HEFD an. Der junge Betrieb, der mitten im Ort angesiedelt war, wurde nach Jahren der Suche nach einem geeigneten Standort mit Hilfe der Gemeinde in dem Gebiet „Am Sägewerk II“, nahe dem Holzwerk Monnheimer gelegen, fündig. Seitdem gibt es Differenzen wegen der Nutzung der dortigen Gemeindestraße, die über das Betriebsgelände der Monnheimers führt und deren Einmündung vom Holzwerk ausgebaut worden war. Diese verschärften sich, als das Pellets produzierende Tochterunternehmen Monnheimers namens Holzenergie Odenwald insolvent wurde. Das Holzwerk wollte die Produktionshalle übernehmen, doch die HEFD trat hier in Konkurrenz, wodurch „wir 250 000 Euro mehr für den Rückkauf der Halle bezahlen mussten“, so Michael Monnheimer.

Um den Streit beizulegen, seien vor einem Jahr unter der Mitwirkung des ehemaligen Landrats Matthias Wilkes und des Kreistagsvorsitzenden Gottfried Schneider drei Verträge erarbeitet worden, die die Verhältnisse klären sollten. „Doch seitdem ist nichts mehr passiert. Wir mussten deshalb einen Anwalt beauftragen, der die Umsetzung der Verträge jetzt eingeklagt hat. Mein Sohn Markus, der schon seit einiger Zeit mit in der Geschäftsführung tätig ist, würde das Unternehmen gerne fortführen und dafür auch in die Hände spucken. Doch diese sind ihm gebunden, weil wir von der Gemeinde die entsprechenden Genehmigungen bräuchten, jedoch zuletzt alle eingereichten Bauanträge abgelehnt bekamen“, erklärt Michael Monnheimer.

Aus seiner Enttäuschung über die seiner Auffassung nach mangelnde Unterstützung durch die Gemeinde macht er keinen Hehl. „Der neue Landrat Engelhardt war schon zweimal vor Ort und hat seine Unterstützung angeboten. Von der Gemeinde hat sich noch keiner blicken lassen, auch nicht Bürgermeister Markus Röth. Offensichtlich interessiert sich niemand für die 40 Arbeitsplätze, die wir hier bieten.“

Verfahrene Situation

Deshalb sieht er für den Fortbestand des Unternehmens zunächst einmal schwarz. „Die Situation ist derzeit total verfahren. Klar ist aber, dass es keine Zukunft geben wird, sollten im Umfeld nicht die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden. Und was machen wir, wenn wir alles wieder aufbauen und es dann erneut brennt?“

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