Ignoranz contra Panik
03.02.2020
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03.02.2020 18:12
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Weltwirtschaftsgipfel in Davos

Die Weltwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Klimawandel, um sich greifender Protektionismus und Ungleichheit erfordern entschlossenes Handeln und vor allem internationale Kooperation. Beim Wirtschaftsgipfel in Davos hatte neben US-Präsident Trump auch Greta Thunberg ihren Auftritt. Man muss nicht unbedingt die von ihr vertretenen Positionen und Ansichten teilen, um zu sagen: Die Umweltaktivistin hat die Welt verändert. Sie hat die größte politische Bewegung des 21. Jahrhunderts initiiert. Trump und Thunberg verkörpern zwei Extreme.

Was Greta als existenzielle Gefahr für die Menschheit sieht, verbrämt Trump als apokalyptisches Geraune. So vermag keiner von ihnen für den Umgang mit dem Klimawandel jene Orientierung zu geben, die nicht zuletzt die in Davos versammelte Wirtschaftselite bitter nötig hätte. Die Erderwärmung ist ein Problem, ein großes sogar, das wissen alle. Doch weder Ignoranz noch Panik tragen zur Lösung bei.

Trump richtete seine Rede vor allem an das heimische Publikum in den USA, das ihn wiederwählen soll. Doch seine Botschaft kam gewiss auch bei seinen Zuhörern in Davos an, den Managern und Vertretern der Wirtschaft. Greta Thunberg, die seit eineinhalb Jahren die Jugend beschäftigt, haben sie ohnehin nie so richtig ernst genommen. Im Übrigen läuft Thunberg Gefahr, dass ihre Auftritte an Wirkung verlieren, weil ihre teilweise überzogene Dauerpanik sich abnutzt. Trump und Thunberg vertreten zwar radikal unterschiedliche Positionen, haben aber trotzdem etwas gemeinsam.

So sehr sie sich auch bemühen, sie werden sich niemals voll und ganz in das exklusive, globalistische Umfeld des Weltwirtschaftsforums einfügen. Dennoch kamen beide mit einem klaren Ziel in die Schweizer Alpen: Ihre Ideen denjenigen zu präsentieren, die Einfluss haben. Zu bedenken ist, dass die Durchführbarkeit der Klima-Bekenntnisse der Politiker insgesamt wenig überzeugend wirkt. Denn kaum ein marktwirtschaftliches Unternehmen kommt ohne die permanente Steigerung von Produktion, Umsatz oder auch Aktienkurs aus. Der Zuwachs führt oft zu höherem und nicht geringerem Energieverbrauch. Es ist zweifelhaft, ob die erneuerbaren Energien diesen wachsenden Bedarf werden befriedigen können.

Hermann Tatzel, Weinheim

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