Impfen, testen, kontrollieren
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23.11.2021 08:53
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Region. Steigende Infektionszahlen, die mögliche Einführung einer weiteren Alarmstufe in Baden-Württemberg, massive Kritik an der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündeten Deckelung der BionTech-Lieferungen an die Arztpraxen, die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz und die steigende Nachfrage nach Schnelltests – die Nachrichtenlage in Sachen Corona war am Montag ebenso vielfältig wie unübersichtlich. Doch der Reihe nach.

257 „aktive Fälle“ in Weinheim

Das Gesundheitsamt meldete am Montag für den Rhein-Neckar-Kreis folgende Zahlen: 299 Neuinfektionen binnen 24 Stunden am Samstag, 189 am Sonntag und 262 am Montag, insgesamt also 750 Neuinfektionen innerhalb von drei Tagen. Dementsprechend ist auch die Zahl der „aktiven Fälle“ weiter gestiegen. Am Montag waren es 2919 – das sind 731 mehr als vor einer Woche und sogar 1629 mehr als vor zwei Wochen. Auch für Weinheim meldet das Gesundheitsamt einen neuen Höchststand: 257 Weinheimer sind demnach aktuell mit dem Coronavirus infiziert.

3G-Regel bei der Arbeit

Viele Betriebe haben bereits am Montag damit begonnen, sich von ihren Mitarbeitern 3G-Nachweise zeigen zu lassen. Auch bei Weinheims größten Arbeitgeber, dem Freudenberg-Konzern, laufen die Vorbereitungen, was bei mehr als 6100 Beschäftigten im Industriepark Weinheim eine Herausforderung darstellt. Am Dienstag will das Unternehmen Einzelheiten bekannt geben, wie das neue Bundesinfektionsschutzgesetz vor Ort umgesetzt werden soll.

„Personelle Ressourcen begrenzt“

Am Freitag hatten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Innenminister Thomas Strobl die Kommunen dazu aufgefordert, die Einhaltung der Coronaregeln schärfer zu kontrollieren. Ganz so einfach ist das aber nicht, wie aus dem Weinheimer Rathaus zu hören ist: „Die personellen Ressourcen der Ortspolizeibehörde sind begrenzt. Abseits der offiziellen Kontrollaktionen des Landes sind in erster Linie anlassbezogene Vor-Ort-Überprüfungen vorgesehen“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Gleichwohl habe der Gemeindevollzugsdienst in den vergangenen Monaten „Präsenz gezeigt und stichprobenartige Kontrollen“ durchgeführt. Zusätzliche Kontrollen hätten stattgefunden, wenn es konkrete Hinweise gab. Ferner werde sich die Stadt an den erneuten Schwerpunktkontrollen in der Gastronomie beteiligen, die das Sozialministerium per Erlass für den 25. und 26. November angesetzt hat.

„Spahn’sches Impfstoff-Chaos“

Vom „Spahn’schen Impfstoff-Chaos“ spricht der Ärzteverein Regiomed Weinheim in einem Brief an den Amtschef im Sozialministerium, Uwe Lahl. Die Landesregierung solle alles dafür tun, dass die Arztpraxen wie geplant den BionTech-Impfstoff verwenden können. Auch wenn der Impfstoff von Moderna mindestens genauso wirksam sei, so hätten sich doch die vielen Patienten, die bereits Termine vereinbart haben, auf BionTech eingestellt – und den entsprechenden Aufklärungsbogen aus dem Internet heruntergeladen. Ein Wechsel auf Moderna würde zu einem „riesigen Gesprächsbedarf führen, der den Ablauf verzögert und die Planung durcheinanderbringt“. Erschwerend komme hinzu, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) für Menschen, die unter 30 Jahre alt sind, nur BionTech empfiehlt.

Weiter heißt es in den Brief von Regiomed an das Ministerium: „Unsere Praxen laufen jetzt schon heiß, bei den Medizinischen Fachangestellten liegen die Nerven blank. Die Impfkampagne wird stocken und müsste doch um ein Mehrfaches schneller sein.“ Die Mitglieder von Regiomed seien trotz allem dazu bereit, ihren Beitrag zur Impfkampagne zu leisten. Mittlerweile würden auch wieder zahlreiche Facharztpraxen Impfungen anbieten. Ferner würden sich 15 bis 20 Praxen aus Weinheim am kommenden Samstag an einer gemeinsamen Impfaktion beteiligen, zu der mehrere Ärzteverbände aufgerufen haben.

Keine Bedenken gegen Moderna

Zur Frage, ob es aus ärztlicher Sicht Bedenken gegen die Verwendung von Moderna bei der Auffrischungsimpfung gibt, wenn Patienten vorher mit BionTech geimpft wurden, erklärte auf Anfrage der ärztliche Leiter der Mobilen Impfteams des Rhein-Neckar-Kreises, Christoph Schulze: „Die Ständige Impfkommission empfiehlt für die Auffrischungsimpfung generell einen mRNA-Impfstoff – gleich welchen man vorher erhalten hat. Nach Möglichkeit sollte beim Boostern derselbe mRNA-Wirkstoff wie bei der Grundimmunisierung verwendet werden, so lautet die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts. Falls dieser nicht verfügbar ist, kann auch der jeweils andere eingesetzt werden.“ Auch Schulze verwies darauf, dass die STIKO für Menschen unter 30 Jahren nur BionTech empfiehlt und fügte hinzu: „Man muss aber klar sagen, dass außerhalb dieser Personengruppe Moderna ein ebenso guter Impfstoff ist – beim Boostern könnte der Wirkungsgrad neuesten Studien zufolge sogar höher sein als bei BionTech.“

Lage auf den Intensivstationen

Unterdessen verschärft sich die Lage auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes wurden am Montag 489 Coronapatienten auf Intensivstationen behandelt; das sind 32 mehr als am Vortag. Die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz liegt bei 5,8 – im Vergleich zu 5,1 vor einer Woche. Etwas weniger dramatisch ist die Situation im Rhein-Neckar-Kreis in den GRN-Kliniken, auch wenn in Weinheim seit Montag bereits planbare Operationen wieder verschoben werden. Nach Angaben der GRN werden derzeit insgesamt 32 bestätigte Covid-19-Fälle auf den Isolierstationen und 6 Coronapatienten auf den Intensivstationen der vier Kliniken behandelt – davon in Weinheim 11 auf der Isolierstation und einer auf der Intensivstation. Laut DIVI-Intensivregister liegen in Heidelberger Kliniken 26 Coronapatienten auf einer der Intensivstationen, in Mannheim sind es 23.

Videobotschaft von OB Just

Am Montagnachmittag veröffentlichte die Stadt Weinheim eine Videobotschaft von Oberbürgermeister Manuel Just (Bild): „Wir sollten jetzt gesellschaftliche Solidarität beweisen und im wahrsten Sinne des Wortes die Ärmel hochkrempeln.“ Justs Appell: „Wenn Sie noch keinen sicheren Impfschutz haben oder die Wirkung bereits nachlässt, nehmen Sie die Impfangebote wahr!“ Auch geimpfte Menschen müssten wachsam und vernünftig bleiben, so Just: „Aber sie stecken andere sehr viel weniger an, sie erkranken seltener, und viel seltener erkranken sie schwer. So seien es ungeimpfte Personen, „die das Gesundheitssystem zum Kollabieren bringen und Menschenleben gefährden“. Just wendet sich direkt an ungeimpfte Menschen und fragt: „Wollen, können Sie das verantworten?“

Ein allgemeiner Lockdown mit all seinen emotionalen und wirtschaftlichen Folgen müsse unbedingt vermieden werden. Eine Schließung von Schulen und Kitas dürfe es nicht mehr geben. Seine Forderung: „Jetzt impfen gehen – nicht mehr länger warten.“

Er glaube an die Wirkung, vor Ort in den Kommunen aufzurütteln. Denn in den Städten und Gemeinden gebe es eine kommunale Verantwortungsgemeinschaft. „Hier schaut man sich in die Augen und achtet aufeinander“, so der OB. pro

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